Aktualisiert 25.10.2015 09:13

Bauern im Restaurant«Ich bin baff von dem schicken Angebot»

Zurücklehnen und geniessen: Ein Edel-Caterer serviert Zürcher Landwirten ihre eigenen Produkte im Pop-up-Restaurant. Die Bauern sind begeistert.

von
zed

Das Licht in der alten Maschinenbauhalle an der Allmendstrasse 91 ist gedimmt, die Tische sind durch Kerzenschein erleuchtet. Das Ambiente ist rustikal-vornehm, die Dekoration mit dem Holztäfer erinnert an eine traditionelle Bauernstube. Es passt zum Anlass. Die geladenen Gäste des Pop-up-Restaurants von Edel-Caterer Franzoli und des Onlineversands Farmy.ch sind nämlich alle selbst Landwirte. Und zwar jene, die die Produkte für das Restaurant liefern.

«Ich wusste gar nicht, was mich heute Abend erwartet. Jetzt bin ich baff von dem schicken Angebot», sagte Vital Brodbeck aus der Sennerei auf dem Bachtel. Von ihm stammt der grösste Teil der Milchprodukte, die an diesem Mittwochabend serviert werden. So beispielsweise die Auswahl an Käse oder die Crème brûlée. «Wir bieten bei uns zwar manchmal auch Gastro an, dann gibt es aber einfach Fondue oder Raclette», so Brodbeck. «Ich weiss gar nicht, was ich mit diesen vielen Messern und Gabeln anfangen soll.»

Reichhaltiges Menü

Das Menü, das mit den lokalen Produkten zubereitet wurde, ist reichhaltig und zu jedem Gang weiss jemand eine Geschichte zu erzählen. So beispielsweise Hansruedi Meier: «Das Wild, das ich verkaufe, habe ich zum Teil selbst gejagt.» Er ist Inhaber der Zentrum Metzg in Windisch und für die Lieferung des Bio-Rindsfilets verantwortlich. Nur der Kartoffelgratin sorgt für Stirnrunzeln: «Unsere Kartoffeln sind besser. Diese kommen sicher aus Freiburg», sagt eine Bäuerin. Ansonsten werden die Gerichte nur gelobt.

So gut das Essen ist – es zieht sich über den ganzen Abend hin. Manche Landwirte schauen nervös auf die Uhr und müssen den Tisch gar noch vor dem Dessert verlassen: «Ich muss eben um 4 Uhr wieder aufstehen», erklärt einer. Die Stimmung ist aber ungetrübt. Gesprochen wird auch über die Zusammenarbeit mit der Firma Farmy, die als Online-Plattform, traditionellen Bauern mit modernen Mitteln unterstützt, ihre Produkte zu verkaufen. Diese laufe gut, erzählt Beat Ledermann vom Landwirtschaftsvertrieb PicoBio. Es sei ein völlig neues Konzept.«Ein Bauer hat keine Ahnung vom Internet-Business und die Farmy-Leute haben keine Ahnung von der Landwirtschaft. Aber gerade deshalb funktioniert die Zusammenarbeit so gut», so Ledermann.

Das Restaurant ist ausgebucht

Auch Farmy-Geschäftsführer Roman Hartmann ist zufrieden: «Das Pop-up-Restaurant kommt bei allen gut an. In den drei Wochen, in denen es geöffnet hat, waren wir eigentlich immer ausgebucht.» Allerdings läuft der Betrieb nur noch bis am Samstag. Dann verschwindet das Restaurant wieder – wie es sich für ein Pop-up-Konzept gehört.

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