Aktualisiert 22.06.2020 14:56

Corona-Fragebogen

«Ich bin dankbar dafür, dass wir in der Schweiz Glück hatten»

Heute mit Sanna Lüdi (34), Berner Skicrosserin, dreifache Weltcup-Siegerin.

von
Marcel Allemann
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Sanna Lüdi: Skicross

«Ich konnte aus dieser Zeit viel Positives für mich und mein Training herausnehmen.»

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Dani Rodriguez: Thaiboxen

«Ich legte zu wenig Selbstdisziplin an den Tag.»

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<b>Jeremy Seewer, Motocross: </b>
Jeremy Seewer, Motocross:

«Ich habe in der Corona-Pause viel an meiner Ausdauer und den körperlichen Grundlagen gearbeitet.»

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Wie sehr beschäftigt Sie das Coronavirus?

Ich versuche es so zu halten, dass es mich so wenig wie möglich beschäftigt. Zu Beginn hat es mich natürlich sehr beschäftigt, man konnte die Gefahr nicht richtig einschätzen und machte sich Sorgen um seine Liebsten. Aber nachdem ich mal wusste, wie es funktioniert, habe ich versucht, mich jeweils nur noch mit den wichtigsten Informationen zu versorgen.

Wie sah während den verschiedenen Coronavirus-Phasen im März, April und Mai Ihr Training aus?

Nachdem ich zuvor beide Knie operiert hatte und danach erstmal wieder lernen musste, zu laufen, befand ich mich damals vollumfänglich in der Reha und diese lief normal weiter. Ich konnte in dieser Zeit einfach nicht mehr ins Leistungszentrum nach Liechtenstein, hab dann eben von zu Hause aus trainiert und erhielt dabei vom Trainer und der Physio Unterstützung. Mit schweren Gewichten konnte ich ohnehin nicht trainieren, dafür galt es, umso kreativer zu sein. Dadurch, dass das Pendeln nach Liechtenstein wegfiel, hatte ich viel mehr Zeit und diese habe ich genutzt, um morgens jeweils während einer Stunde Yoga zu machen. Zudem habe ich viel besser gekocht und gegessen. Ich konnte aus dieser Zeit viel Positives für mich und mein Training herausnehmen.

Das improvisierte Trainingscenter der Berner Skicrosserin.

Das improvisierte Trainingscenter der Berner Skicrosserin.

Sanna Lüdi

Können Sie inzwischen wieder uneingeschränkt trainieren?

Ja, das Training in Liechtenstein habe ich wieder aufgenommen. Der einzige Unterschied zu früher ist, dass wir jeweils in zwei Gruppen trainieren. Aber ich bin jetzt wieder den ganzen Tag dort und habe meinen normalen Alltag wieder.

Glauben Sie, dass die Skicross-Saison plangemäss stattfinden kann?

Keine Ahnung, das weiss derzeit niemand. Mal schauen, was passieren wird. Da eine Prognose abzugeben, ist extrem schwierig. Man hört derzeit die verschiedensten Sachen. Etwa, dass nur Europäer im Weltcup mitfahren könnten. Doch das wäre unlogisch, denn dann wäre es ja nur noch ein Europacup.

Was geniessen Sie seit den Lockerungen am meisten?

Dass man sich wieder mit Freunden treffen kann und wieder ein wenig Sozialleben hat.

Was vermissen Sie aufgrund der aktuellen Bestimmungen und Empfehlungen noch immer?

Im Moment gar nichts. Es stimmt so wie es ist. Zu Beginn vermisste ich, dass ich nicht ans Meer fahren konnte. Denn ich hatte für diesen Sommer ein spezielles Projekt geplant, wollte meine Saisonvorbereitung am Meer absolvieren und mit Surfen kombinieren. Das war seit einem Jahr geplant und ich hatte mich extrem gefreut. Nun ist es anders gekommen, aber auch da ist viel Gutes dabei.

Verfügen Sie über Atemschutzmasken und in welchen Situationen tragen Sie diese?

Ich habe immer eine dabei. Ich muss in der Physio eine tragen oder wenn ich zum Arzt gehe. Auch zum Einkaufen trug ich jeweils eine als Sicherheitsmassnahme.

Was haben Sie durch die Corona-Zeit gelernt?

Ich lerne immer wieder das Gleiche: Demut. Ich war schon einige Male in meinem Leben durch Verletzungen oder Krankheiten an diesem Punkt, an dem ich erkennen musste, dass es nicht selbstverständlich ist, wenn es einem gut geht. Zuletzt hatte ich das fast schon vergessen, nun habe ich es wieder gemerkt. Ich bin auch enorm dankbar dafür, dass wir in der Schweiz im Vergleich zu anderen Ländern Glück hatten und es uns gut geht. Das alles ist nicht selbstverständlich. Ich fand auch diese Kreativität, die entstanden ist, enorm cool. Einerseits gab es diese in meinem Training, aber ich sah sie auch in meinem Umfeld. Und dazu fand man auch zur Ruhe und hatte nicht mehr das Gefühl, dass man 500 Sachen gleichzeitig machen könnte, sondern es gab nur noch eine einzelne Sache.

Glauben Sie, dass Corona Ihren Sport nachhaltig verändern wird?

Ich hoffe es nicht und glaube es auch nicht. Das mag vielleicht etwas naiv sein, aber ich hoffe schon, dass der Sport weiterhin in dieser Form stattfinden kann, wie wir ihn kennen.

Welchen Einfluss hat die Corona-Krise auf Ihr Salär?

Ich habe von Partnern gehört, dass es Einbussen geben wird im Budget und ein Sponsor ist wegen Corona komplett abgesprungen. Daher bekam ich die Krise sofort zu spüren.

Wie gelang es Ihnen, in der schwierigsten Corona-Zeit trotzdem Zuversicht zu schöpfen?

Dadurch, dass ich schon unzählige Rehas durchgemacht habe, weiss ich, dass in solchen Momenten eine Struktur das A und O ist. Wenn man diese hat, früh aufsteht und den ganzen Tag durchplant, kann man gar nicht erst in ein Loch fallen oder auf schlechte Gedanken kommen. Und das schöne Wetter, das wir in dieser Zeit hatten, hat ebenfalls geholfen. Klar, wenn man dann die Nachrichten schaut, kommen schon Fragen auf. Aber ich habe dann versucht, mir diese zu verbieten.

Welche Botschaft haben Sie an Ihre Fans?

Ich sage mir immer: Am Schluss gewinnen jene, die am schnellsten in der Lage sind, sich an eine unerwartete Situation zu gewöhnen. Wenn man sich auf einen positiven Punkt konzentriert, kann man dadurch in eine Positivspirale kommen und wenn alle positiv sind, sind wir empathischer und toleranter.

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1 Kommentar
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Tinu

22.06.2020, 16:48

Habe gar nicht gewusst dass wir eine so schöne Skicrosserin haben.