St. Gallen: Chauffeur beschimpft autistischen Bub wüst
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St. GallenChauffeur beschimpft autistischen Bub wüst

Weil ein Schulbusfahrer vergangenen Sommer einen autistischen Buben beleidigt hatte, musste er sich vor dem Kreisgericht St. Gallen verantworten. Er wurde wegen Beschimpfung verurteilt.

von
Jil Rietmann
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Letzten Sommer beleidigte ein Buschauffeur einen autistischen Buben.

Letzten Sommer beleidigte ein Buschauffeur einen autistischen Buben.

Foto: 20Minuten
Als der Chauffeur den Buben von zu Hause abholen sollte, fing dieser an zu schreien, weil die Musik zu laut aufgedreht war. Wegen seines Autismus verträgt er keine Lautstärke.

Als der Chauffeur den Buben von zu Hause abholen sollte, fing dieser an zu schreien, weil die Musik zu laut aufgedreht war. Wegen seines Autismus verträgt er keine Lautstärke.

Foto: Keystone/Symbolbild
Laut der Mutter des Buben sei der Chauffeur daraufhin wütend geworden und habe gerufen: «Huärä scheiss Behinderte, i bi de Chef i mim Auto», schreibt das «St. Galler Tagblatt».

Laut der Mutter des Buben sei der Chauffeur daraufhin wütend geworden und habe gerufen: «Huärä scheiss Behinderte, i bi de Chef i mim Auto», schreibt das «St. Galler Tagblatt».

Foto: Keystone/Symbolbild

Darum gehts

  • Letzten Sommer hat ein Schulbuschauffeur einen achtjährigen autistischen Buben beschimpft.
  • Weil im Schulbus zu laute Musik lief, fing der Bub an zu schreien.
  • In der Folge sei der Chauffeur ausgerastet und habe den Buben beschimpft.
  • Der Mann bestreitet das.
  • Vor Gericht wurde er nun verurteilt.

Der Beschuldigte holte den Achtjährigen vergangenes Jahr im Sommer von zu Hause ab und sollte ihn in die Sonderschule fahren. Als der Bub jedoch einstieg, fing er an zu schreien. Grund dafür war die laute Musik. Wegen seines Autismus erträgt der Bub das nicht. Laut der Mutter ist der Chauffeur daraufhin wütend geworden und rief: «Huärä scheiss Behinderte, i bi de Chef i mim Auto», schreibt das «St. Galler Tagblatt».

Dann habe er sich zum Buben hingedreht und die Arme verworfen. Das habe den Achtjährigen derart eingeschüchtert, dass er aus dem Fahrzeug sprang. Als die Mutter die Sachen ihres Sohnes aus dem Schulbus nehmen wollte, habe der Fahrer gesagt, dass sie abhauen sollen und dass solche Leute lebendig verbrannt werden sollten.

Chauffeur bestreitet Beschimpfungen

Die Staatsanwaltschaft verurteilte den Beschuldigten via Strafbefehl wegen Beschimpfung mit einer bedingten Geldstrafe und einer Busse. Das akzeptierte der Chauffeur allerdings nicht und erhob Einsprache. An der Verhandlung am Kreisgericht St. Gallen bestreitete er die Vorwürfe. Er habe mit dem Kind abgemacht, dass es das Radio ausschalten dürfe, wenn es in den Bus steige.

Der Verteidiger des Chauffeurs forderte denn auch einen Freispruch. Es handle sich hier um Aussage gegen Aussage, da ausser den Beteiligten niemand wisse, was wirklich passiert war. Der Einzelrichter verurteilte den Schweizer jedoch wegen Beschimpfung zu einer bedingten Geldstrafe von 20 Tagessätzen à 50 Franken sowie einer Busse in Höhe von 300 Franken. Es stehe zwar wirklich Aussage gegen Aussage, jedoch sei es unbestritten, dass es zu einer Diskussion zwischen dem Buschauffeur und der Mutter gekommen sei und der Schultransport nicht stattgefunden habe.

Hinzu komme, dass die Mutter des Buben den Chauffeur nicht extrem belastet habe und ihre Aussagen sehr klar waren. Der Beschuldigte mache jedoch nur die Abmachungen, die er mit dem Buben getroffen habe, geltend. Für das Gericht sei deshalb erwiesen, dass die Beschimpfungen stattgefunden haben.

Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig. Wie der Busfahrer am Donnerstagnachmittag gegenüber 20 Minuten sagt, will er gegen das Urteil Berufung einlegen.

Art. 177 StGB Beschimpfung

1) Wer jemanden in anderer Weise (als durch üble Nachrede [StGB 173] oder Verleumdung [StGB 174]; Anmerkung des Autors) durch Wort, Schrift, Bild, Gebärde oder Tätlichkeiten in seiner Ehre angreift, wird auf Antrag mit Geldstrafe bis zu 90 Tagessätzen bestraft.

2) Hat der Beschimpfte durch sein ungebührliches Verhalten zu der Beschimpfung unmittelbar Anlass gegeben, so kann der Richter den Täter von Strafe befreien.

3) Ist die Beschimpfung unmittelbar mit einer Beschimpfung oder Tätlichkeit erwidert worden, so kann der Richter einen oder beide Täter von Strafe befreien.

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