Aktualisiert 10.08.2017 14:50

Streetparade«Ich bin die einzige DJane mit eigenem Lovemobile»

Dieses Jahr haben ausser Carol Fernandez keine weiblichen DJs an der Steetparade ein Lovemobile. Die Bernerin spricht mit 20 Minuten über Frauen-Power im Musik-Business.

von
ct
Djane Carol Fernandez fährt an der Streetparade auf ihrem eigenen Lovemobile.

Djane Carol Fernandez fährt an der Streetparade auf ihrem eigenen Lovemobile.

zvg

Dieses Jahr ist das Thema von Carol Fernandez' Lovemobil «Ibiza Flower Power», «weil ich halt in letzter Zeit viel in Ibiza aufgelegt habe», sagt die Bernerin. Abspielen werde sie aber natürlich kein 70er-Jahre-Gedüdel, sondern Tec- und Deep-House. «Ich bin schon zum neunten Mal mit einem eigenen Lovemobile an der Streetparade, unglaublich, nicht?» Die Tickets für die rund 220 Plätze auf ihrem 32 Meter langen LKW seien alle ausverkauft. «Ich muss jedes Jahr Leute abweisen, weil es auf meinem Wagen keinen Platz mehr hat.»

Dann verrät Fernandez, dass sie dieses Jahr die einzige Frau mit eigenen Lovemobile sei. «Ich bin selber etwas erstaunt», sagt sie, «die Veranstalter wollten vielleicht mehr internationale DJs, das wäre eine Erklärung.» Immerhin spielen auf den Stages auch ein paar Frauen. «Alles Grössen, die international unterwegs sind, aber leider keine Schweizerin», sagt Carol.

Stefan Epli, Mediensprecher der Streetparade erklärt, dass eigentlich auch Tanja La Croix gespielt hätte, die Wagenbetreiber aber vor rund zwei Monaten abgesagt hätten. «Wir sind sehr froh, dass Carol seit Jahren ihren eigenen Wagen hat, sie ist definitiv eine Bereicherung.» Und er klärt auf, dass auf dem Wagen Nr. 1 immerhin Anna Reusch aus Deutschland spiele.

Zuviele «Tüpfis» versuchen sich als DJanes

Der Geschlechterkampf in der Technoszene sei relativ hart, schildert die Bernerin. «Unter den Frauen, die sich etabliert haben, gibt es keinen Zickenalarm, im Gegenteil, wir verstehen uns gut. Aber die Männer können dagegen manchmal ziemlich austeilen.» So habe sie schon erlebt, dass andere DJs bei der Übergabe extra schon den Kopfhörer eingesteckt hätten, um sicherzustellen, dass sie kein weiteres Lied mehr spielt. «Oder es gibt Männer, die direkt sagen, Frauen hätten an den Plattentellern nichts verloren», sagt Fernandez.

Sie könne das allerdings auch ein kleines Stück weit nachvollziehen: «Es gibt wirklich einige Tüpfis, die sich mal schnell als DJanes versuchen wollen, aber nach kurzer Zeit hört man nie mehr etwas von ihnen. Wenn man aber die Leidenschaft hat und sich den internationalen Erfolg mit Ausdauer hart erarbeitet, dann wird man ab einem gewissen Niveau schon respektiert.»

«Es braucht Herzblut»

Um langfristig ein guter DJ zu sein, brauche es viel Herzblut. Fernandez: «Diese Frauen werden auch Ernst genommen.» Das Problem sei, dass sich jeder mal schnell zwei USB-Sticks und ein Mischpult kaufen könne und sich schon als DJ fühle. «Auch mixtechnisch kannst du schnell gut werden, wenn übst. Doch damit ist es noch nicht getan.» Ein DJ brauche in unglaubliches Musikwissen und ein Gefühl dafür, was die Partywilligen auf der Tanzfläche hält.

«Du musst wissen, wann du was auflegen willst, damit die Leute bis zum Schluss bleiben. Mann muss den Abend aufbauen und wissen, welchen Stil bringen, und das ist nicht einfach.» Sie selber bereite nie ein Set vor. «Ich gehe in den Club und checke die Leute und die Atmosphäre. Nach jedem Lied merke ich, was als nächstes passen würde.» Dann suche sie sich aus 15'000 Songs oder noch mehr den richtigen heraus, um ihn zu spielen. «Grundsätzlich fände ich es cool, gäbe es mehr Frauen, die das mit genau dieser Leidenschaft machen.»

Gemäss Erfahrung seien von den Lovemobil-Gästen laut Carol Fernandez immer ein paar verhindert und sagen kurzfristig ab. Wer also noch Last-Minute-Tickets möchte, kann sich unter www.djcarol-fernandez.com melden.

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