17.11.2019 17:59

Tim Raue

«Ich bin ein grosser Freund der Karotte»

Starkoch Tim Raue sprach mit 20 Minuten über den letzten Freund, der für ihn kocht, seine Liebe zu Rüebli und Döner, und warum er für ein erstes Date nicht in der Küche stehen würde.

von
jd

Currywurst sei eine Sünde, sagte Spitzenkoch Tim Raue einst über den deutschen Imbiss. 20 Minuten traf den Berliner an der Fachmesse Igeho in Basel und wollte wissen, was er denn von Schweizer Bratwurst hält. «Industriedreck braucht unser Körper nicht. Wenn eine Bratwurst vom Metzger hergestellt wurde, ist das natürlich ein fantastisches Lebensmittel», so der Küchenchef, dem Netflix eine Folge seiner Kochserie Chef's Table widmete. Spätestens seit dann ist er in aller Munde.

«Ich verstecke mich hier im Backstage, sonst muss ich dauernd Fotos machen», sagte er am zweiten Tag der Gastromesse in Basel zu 20 Minuten. Und siehe da: Tatsächlich hat ihn bereits eine Gruppe junger Männer entdeckt. Autogramme und ein Selfie mit Raue müssen her.

Barbecue-Ente in Hongkong

Es falle ihm schwer, ein Lieblingsgericht zu nennen, sagt er. «Wenn ich nur noch einen einzigen Teller hätte, und dann mein Leben enden würde», so Raue, dann würde er in einem chinesisch-kantonesischen Dreisterne-Restaurant in Hongkong die Barbecue-Ente und das Barbecue-Schwein essen. «Hinreissend, fettig, knusprig», beschreibt er die Gaumenfreude.

Doch bei Raue, einst Gang-Mitglied auf den Strassen Berlins muss es nicht immer Fleisch sein. «Ich bin ein grosser Freund der Karotte. Sie schmeckt mir immer.» Fleisch hingegen komme bei ihm nur noch sehr selten auf den Tisch. «Weil ich Fleisch einfach nicht so gut vertrage.» Raue betont: «Für mich ist heutzutage wichtig, dass es auch vegan geht.»

Geschmack von Berlin Kreuzberg

Muss er sich zwischen Burger und Döner entscheiden, hadert Raue mit der Antwort. «Ich liebe Döner» und hin und wieder esse er auch mal einen Burger. «Doch müsste ich mich für eines entscheiden, dann Döner. Damit bin gross geworden. Das ist einfach der Geschmack von Berlin Kreuzberg.»

Das Leben als gefeierter Koch hat auch seine Schattenseiten: Freunde scheuen sich, Raue einfach mal zum Znacht einzuladen. «Es ist grundsätzlich schwer für mich, eingeladen zu werden. Die Menschen haben alle das Gefühl, sie müssen absolut perfekt kochen.» Deswegen entlaste er seine Freunde und gehe meist mit ihnen auswärts essen. «Dann machen die sich keinen Stress, kriegen keine Pusteln und haben schlaflose Nächte.» Nur sein «allerbester» Freund koche hin und wieder für ihn.

In Raues privater Küche gibt es keine Lebensmittel

Für sich ein Essen zuzubereiten, komme nicht in Frage. «Ein Koch sollte nicht zuhause kochen», ist Raue überzeugt. Darum gebe es in seiner privaten Küche auch keine Lebensmittel. Der Kochlöffel bleibe auch an speziellen Anlässen unberührt: «Hätte ich ein erstes Date, würde ich nicht selber kochen, sondern essen gehen», sagt er.

Zu guter Letzt gibt der Sternekoch noch zwei Tipps, die sich jeder Hobbykoch zu Herzen nehmen sollte. «Ein Messer ist für einen Koch neben dem Löffel das wichtigste Werkzeug, da muss man investieren.» Unter hundert Euro bekomme man kein langlebiges Messer. Und: Es gebe nur «eine einzige Variante», um tränende Augen beim Zwiebeln schneiden zu verhindern. «Man kauft sich eine Ski- noch besser eine Taucherbrille. Alles andere ist Humbug.»

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