Kuprecht schlägt zurück: «Ich bin ein Mann mit Füdli»

Aktualisiert

Kuprecht schlägt zurück«Ich bin ein Mann mit Füdli»

Er machte Platz für Natalie Rickli im Fraktionspräsidium – und wollte danach schweigen. Nach der verbalen Schelte des «SVP-Engels» platzt Alex Kuprecht aber der Kragen. Das Interview.

von
Jessica Pfister
Nur dank seines Rücktritts ist Natalie Rickli Vizepräsidentin der SVP-Fraktion geworden: Der Schwyzer Ständerat Alex Kuprecht.

Nur dank seines Rücktritts ist Natalie Rickli Vizepräsidentin der SVP-Fraktion geworden: Der Schwyzer Ständerat Alex Kuprecht.

Was war Ihre erste Reaktion auf Natalie Ricklis TV-Auftritt vom Montagabend?

Alex Kuprecht: Ich habe zufälligerweise in die Sendung reingeschaltet und mich doch sehr gewundert über Natalie Ricklis Aussagen. Sie hat teilweise die Hälfte der Geschichte weggelassen und es auch mit der Wahrheit nicht so genau genommen. Ich habe sogar überlegt, mich per Telefon in die Sendung einzuschalten - habe es dann aber doch bleiben lassen.

Inwiefern hat es Rickli mit der Wahrheit nicht genau genommen?

Sie hat gesagt, dass der Ständerat gar keine Kandidatur für das Fraktionspräsidium vorgelegt habe. Das ist nicht wahr. Am 24. Dezember 2011 wurde dem Generalsekratariat eine entsprechende Kandidatur gemeldet. Ständeratssprecher Hannes Germann hat dann sowohl an der Sitzung des Fraktionsvorstandes am 16. Januar als auch an der eigentlichen Fraktionssitzung am 22. Januar einen entsprechenden Antrag eingereicht und diesen mündlich sehr ausführlich und sachlich begründet. Es war klar, dass der Ständerat im Präsidium vertreten sein wollte, und meine Person als Gruppenchef wurde ebenfalls beantragt.

Rickli hält eine Einbindung der Ständeräte in das Präsidium auch für wichtig - vor allem, weil die Ständeräte in den Fraktionssitzungen häufig fehlen würden.

Frau Rickli hat offenbar noch nicht ganz verstanden, dass unser Parlament zwei Kammern hat. Wir sind jeweils am Anfang einer Fraktionssitzung anwesend und ziehen uns nacher zurück, um die eigenen Geschäfte des Ständerats zu beraten. Das ist völlig normal und braucht auch seine Zeit.

Ist es richtig, dass Natalie Rickli den Entscheid ihrer Nichtwahl sofort akzeptiert hat?

Mit den entsprechenden Kommentaren, ja. Sie störte sich daran, dass damit die Jungen nicht im Präsidium vertreten waren.

Auf ihrer Facebook-Seite ging Rickli deutlich weiter. Sie bezeichnete die Fraktionskollegen, welche die Interna der Wahl verbreitet haben, als «krank». Auf Tele Züri doppelt sie nach und sprach von «erwachsenen Männern, die kein Füdli haben, um hinzustehen, wenn sie etwas zu sagen haben». Was sagen Sie zu dieser Wortwahl?

Ich kann noch nachvollziehen, dass sich die Jungen heute über Soziale Medien auf ihre Art austauschen. Mit jugendlichem Leichtsinn sind solche saloppen Kraftmeiereien allerdings nicht mehr zu rechtfertigen. Auch Frau Rickli sollte sich an gewisse Formalitäten halten.

Würden Sie es aber grundsätzlich begrüssen, wenn Junge im Vizepräsidium mitreden können?

Ich war immer dafür, dass das SVP-Fraktionsvizepräsidium aufgefrischt wird - dies muss aber nicht zwingend die Wahl von jungen Personen bedeuten. Die Jugend, die ich beruflich stets fördere, in Ehren: Ich hielt es für wichtiger, dass der Ständerat mit einer eigenen Stimme im Präsidium vertreten ist. In unserem parlamentarischen System muss die zweite Kammer genauso im Parteipräsidium Einsitz haben wie beispielsweise Vertreter aus der Romandie, der Wirtschaft und der Jugend.

Dies soll nun geschehen. Dank einer Statutenänderung will die Fraktion Sie an der nächsten gemeinsamen Sitzung im Februar als fünftes Mitglied in das Vizepräsidium aufnehmen. Nehmen Sie die Wahl nach dem ganzen Theater überhaupt noch an?

Ja, auf jeden Fall. Es geht hier nicht um mich als Person, sondern um den Gruppenchef der SVP-Ständeräte. Dieses Mal wird es auch keine unwürdigen Spiele mehr geben. Als Ständerat stehe ich über dem ganzen Theater. Ich bin also ein Mann mit «Füdli».

Dann gehören Sie auch nicht zu den Personen, welche die Interna zur Wahl an die Presse weitergeleitet haben?

Nein, ich habe keine Ahnung, wer diese Informationen weitergegeben hat. Ich war vom Artikel selbst überrascht.

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