George W. Bush: «Ich bin ein zufriedener Mensch»
Aktualisiert

George W. Bush«Ich bin ein zufriedener Mensch»

Vier Jahre nach dem Ende seiner Präsidentschaft wurde in Texas ein Museum für George W. Bush eingeweiht. In Interviews verteidigt der Republikaner seine umstrittene Hinterlassenschaft.

von
Peter Blunschi

Lange war es still um den 43. Präsidenten der Vereinigten Staaten. Im Wahlkampf 2012 konnte oder vielmehr wollte die republikanische Partei George W. Bush nicht als Helfer einspannen. Zu viele negative Erinnerungen sind mit seinem Namen verbunden: Die fragwürdigen Umstände seiner Wahl 2000, der 11. September 2001, der Irak-Krieg, Hurrikan Katrina und schliesslich die schwere Finanz- und Wirtschaftskrise. «Ein grosser Teil meiner Präsidentschaft wurde durch Dinge definiert, von denen man nicht unbedingt möchte, dass sie eintreffen», sagte Bush in einem Interview mit der «Dallas Morning News».

Vier Jahre nach dem Amtsende meldet sich der Ex-Präsident in der Öffentlichkeit zurück. Am Donnerstag wird auf dem Gelände der Southern Methodist University in einem Vorort von Dallas das George W. Bush Presidential Center eingeweiht. Es besteht aus einer Bibliothek, wie sie jeder Präsident seit Franklin D. Roosevelt erhalten hat, dem 2009 gegründeten Bush Institute, einem Thinktank zur Förderung freiheitlichen Gedankenguts, sowie einem Museum, das seiner Amtszeit gewidmet ist. Das prägnanteste Ausstellungsstück sind verbogene Stahlträger aus dem New Yorker World Trade Center.

Bessere Umfragewerte

Zur Eröffnung werden sein Nachfolger Barack Obama sowie alle noch lebenden Vorgänger – Jimmy Carter, George Bush senior, Bill Clinton – anreisen, ausserdem treue Weggefährten wie sein Vize Dick Cheney und der ehemalige britische Premierminister Tony Blair. Vertraute von Bush hoffen, das neue Zentrum werde sein beschädigtes Image aufpolieren. Eine neue Umfrage von «Washington Post» und ABC News zeigt, dass die Amerikaner ihn milder beurteilten als bei seinem Abgang 2009. Damals hatten nur 33 Prozent eine positiv Meinung von Bush, heute sind es 47 Prozent. Damit liegt er gleichauf mit Obama.

Bush habe vom Lauf der Zeit und seiner «relativen Unsichtbarkeit» profitiert, kommentiert die «Washington Post» das Ergebnis. Denn geht es um die konkrete Hinterlassenschaft – vor allem Irak und die Finanzkrise –, kommt «W» noch immer schlecht weg. Nach wie vor geben deutlich mehr Amerikaner ihm und nicht Obama die Schuld an der anhaltenden Schwäche der US-Wirtschaft. Und die Ablehnung des Irak-Kriegs ging nur geringfügig zurück: Im Frühjahr 2008 hielten 65 Prozent seine Entscheidung für falsch, heute sind es immer noch 57 Prozent.

Historiker sollen urteilen

In mehreren Interviews – unter anderem mit den Fernsehsendern ABC und CNN – hat Bush deshalb seine kontroverse Amtszeit verteidigt. Der Sturz von Saddam Hussein sei «die richtige Entscheidung» gewesen: «Amerika ist sicherer. Das irakische Volk hat die Chance, in einer freien Gesellschaft zu leben.» Für ihn sei diese Debatte ohnehin vorbei. Lieber verweist Bush auf wenig beachtete Leistungen: Sein Programm zur Bekämpfung von HIV/Aids in Afrika, oder seinen Einsatz für eine Einwanderungsreform, die von seiner eigenen Partei versenkt wurde – was mancher Republikaner heute bedauern dürfte.

Letztlich werde die Geschichte über ihn urteilen, und das werde er nicht mehr erleben, sagte der 66-jährige Ex-Präsident zu CNN: «Mit anderen Worten, ich werde dann tot sein.» Ob das Urteil dann milder ausfallen wird, scheint zweifelhaft. «Es wird ihm schwer fallen, sich vollständig zu rehabilitieren», meinte der Historiker Douglas Brinkley, ein Spezialist für die Geschichte der US-Präsidenten, gegenüber der «Washington Post». Die Zeitung hat auf ihrer Website 24 Charts publiziert, die diese Ansicht stützen: Afghanistan, Irak, Wirtschaft, Erziehung, Umweltschutz – George W. Bushs Bilanz bleibt im besten Fall durchzogen.

Mit sich im Reinen

Ihn selber scheint das nicht zu kümmern: «Ich bin mit mir und meinen Entscheidungen im Reinen», sagte er der «Dallas Morning News». Heute widmet er sich in erster Linie seinem neusten Hobby, der Malerei. Inspiriert hat ihn eines seiner Vorbilder, der britische Kriegspremier Winston Churchill. «Er brauchte eine Beschäftigung, nachdem er das Zigarrenrauchen aufgegeben hat», sagte Ehefrau Laura auf CNN. Seine Bilder signiert Bush mit «43», seiner «Präsidentennummer». Über die Qualität seiner Werke macht er sich keine Illusionen: «Ich gebe gerne zu, dass die Unterschrift mehr wert ist als das Bild selbst.»

Selbstironie war stets eine Stärke von George Walker Bush. Selbstkritik ist ihm so fremd wie eh und je. Zwei Kriege, finanziert auf Pump? Ein «Krieg gegen den Terrorismus», der mit Foltermethoden geführt wurde? Die schwerste Finanz- und Wirtschaftskrise seit Jahrzehnten, mitverursacht durch seine Laissez-faire-Politik? Die ungenügende Reaktion auf den Hurrikan Katrina? Er habe in seiner Amtszeit die bestmöglichen Entscheidungen getroffen, meinte Bush auf CNN. Und er fügte an: «Ich bin ein zufriedener Mensch.»

Jeb for President?

Wird nach den beiden Georges bald ein drittes Mitglied der Familie Bush ins Weisse Haus einziehen? Der zweitälteste Sohn John Ellis Bush, genannt Jeb, gilt als möglicher Präsidentschaftskandidat 2016. George W. wäre darüber erfreut: «Er wäre ein grossartiger Kandidat und ein grossartiger Präsident.» Falls Jeb Bush antritt, könnte es zum Duell mit Hillary Clinton kommen – eine überaus reizvolle Affiche. Doch Jeb zögert, nicht zuletzt weil der Name Bush sich für ihn als Handicap erweisen könnte. Mutter Barbara sprach am Donnerstag in einem NBC-Interview Klartext: «Wir haben genug Bushs gehabt.»

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