Sammler: «Ich bin einer der jüngsten Uniformhut-Sammler»
Aktualisiert

Sammler«Ich bin einer der jüngsten Uniformhut-Sammler»

Leser Marco Wicki besitzt über 250 alte Uniformhüte. Wie er sie bekommt und wieso er nur wenige von ihnen tragen kann, erzählt er im Interview.

von
G. Hummel
1 / 3
20-Minuten-Leser Marco Wicki trägt sehr gerne Uniform.

20-Minuten-Leser Marco Wicki trägt sehr gerne Uniform.

Marco Wicki
Diese Liebe brachte ihn schon früh dazu, alte Uniformhüte zu sammeln.

Diese Liebe brachte ihn schon früh dazu, alte Uniformhüte zu sammeln.

Marco Wicki
Mittlerweile besitzt er über 250 Stück.

Mittlerweile besitzt er über 250 Stück.

Marco Wicki

Marco Wicki hat seinen ersten Hut mit elf Jahren auf einem Flohmarkt gekauft. Seither sammelt er alte Uniformhüte. Tragen kann er allerdings nur wenige davon, denn seine Hutgrösse 59 existierte zur Zeit der Uniformhüte noch kaum.

Marco Wicki, was muss man sich unter Uniformhüten alles für Kopfbedeckungen vorstellen?

Das sind von Feuerwehr-, Militär-, Polizei-, Verkehrsbetriebs- und Pilotenhüten bis hin zu Studentenverbindungs- und Musikvereinsmützen. Aber ich sammle auch Helme.

Erzählen Sie von Ihren Lieblingsstücken.

Am liebsten sind mir die, die eine Bedeutung haben oder hatten. Ich habe zum Beispiel einmal von einem bekannten Luzerner Quartierpolizisten einen alten Stadtpolizeihut erhalten. Schön ist es auch immer, wenn Menschen zu mir kommen und mir die Hüte ihres Grossvaters oder Ähnliches vermachen.

Gibt es noch andere Uniformhut-Sammler wie Sie?

Ja, die gibt es durchaus. Ich unterstütze auch gerne junge Sammler und helfe ihnen, ihre Kollektion am Anfang etwas zu vergrössern mit Hüten, die ich doppelt habe. Es gibt viele Uniformhut-Sammler in der Schweiz. Aber ich bin wohl einer der jüngsten.

Wie hat Ihre Sammelleidenschaft denn begonnen?

Als ich elf Jahre alt war, habe ich mir auf dem Flohmarkt meine erste Mütze gekauft. Diese war eigentlich für die Fasnacht gedacht. Ich habe dann ein Uniform-Faible entwickelt, mittlerweile trage ich wegen meiner Mitgliedschaft in verschiedenen Vereinen, wie den Tambouren, der Pfadi oder dem Militär, auch selbst oft Uniform.

Sammeln Sie nur Hüte?

Die Hutsammlung ist für mich das Herzstück, aber ich sammle auch ganze Uniformen und das Zubehör, das der Träger benötigt. Das kann bis hin zu Fahrzeugen gehen. Zum Beispiel habe ich einen alten Militärjeep und hatte einmal einen alten Feuerwehr-Löschanhänger. Aber der Hut hat für mich einfach einen besonderen Charakterausdruck. Früher konnte man am Hut viel über seinen Träger ablesen: seinen Rang, seine Funktion. Das ist heute etwas verloren gegangen.

Woher bekommen Sie die Kopfbedeckungen?

Mittlerweile kommen viele Leute von selber auf mich zu. Zum Beispiel hat mir der stadtbekannte Luzerner Partygänger Leo seine drei alten Uniformen samt Hüten geschenkt. Bald ist auch wieder Waffensammlerbörse, da gehe ich dann schon schauen. Ich würde jeden Hut sammeln, aber jeden Preis bezahle ich dafür nicht.

Wie zeitintensiv ist Ihr Hobby?

Der grösste Aufwand besteht darin, die Hüte alle paar Monate vom Regal zu nehmen, abzustauben und auf Motten zu kontrollieren. Wenn ich einen neuen Hut bekomme, schaue ich diesen genau an und kategorisiere ihn nach einem eigenen System. A steht für «klar in die Sammlung aufnehmen», B ist «zweite Wahl» und C sind «Massenhüte oder nicht mehr schön» – die kann man an der Fasnacht anziehen.

Was fehlt noch in der Sammlung?

Ich bin schon seit Längerem auf der Suche nach einem alten Luzerner Kantonspolizei-Tschako (Anm. d. Red.: eine Kopfbedeckung von zylindrischer oder konischer Form). Und auch einen Übermittlerstahlhelm von 1918 suche ich noch. Die haben einen besonderen Hörmuschelausschnitt und ich bin eben auch selbst Übermittler.

Haben Sie noch einen interessanten Fakt über Ihre Hüte auf Lager?

Die Hüte von früher haben einen kleineren Umfang. Daran merkt man, dass die Leute damals kleiner waren als heute. Deshalb kann ich mit meiner Hutgrösse 59 leider sehr wenige Hüte aus meiner Sammlung tragen.

Name: Marco Wicki

Jahrgang: 1978

Sammelt: Uniformhüte und -mützen, hauptsächlich aus der Schweiz

Seit: 1989

Grösse der Sammlung: über 250

Besondere Stücke: Jene, die eine Geschichte erzählen

Leser stellen sich vor

In einer neuen Serie gibt das Community-Ressort den 20-Minuten-Lesern ein Gesicht. Jede Woche wird ein Leser zu einem monatlich wechselnden Thema interviewt. Das Thema im März: Die Sammelleidenschaft der Leser. Den Anfang machte Jeanssammler Ruedi Karrer, darauf folgte der Elvis-Fan Remo Schnarwiler. Vergangene Woche stellte Billett-Sammler Marco Hiltebrand seine Sammlung vor.

Deine Meinung