Aktualisiert 28.02.2014 16:44

Wiktor Janukowitsch

«Ich bin erstaunt, dass Putin sich nicht meldet»

An der Pressekonferenz aus dem russischen Rostow stellte sich der abgesetzte Präsident Wiktor Janukowitsch primär als Opfer dar. Diese Aussagen lassen aufhorchen.

von
kmo

Die wichtigsten Aussagen des abgesetzten ukrainischen Präsidenten Wiktor Janukowitsch an seiner Pressekonferenz vom 28. Februar 2014 in der russischen Stadt Rostow.

Zu seiner Absetzung:

«Ich bin legitimer Präsident der Ukraine und bleibe es.»

«Die Parlamentsabgeordneten wurden auf den Maidan-Platz geschleppt und dazu gezwungen, mich abzusetzen. Sie waren völlig verängstigt. Ich trage ihnen nichts nach.»

«Gott soll über alles richten. Ich kann Handlungen von Menschen, die mit der Waffe bedroht werden und deren Häuser abgebrannt werden, nicht verurteilen.»

«Ich wurde ausgetrickst. Das ukrainische Volk wurde ausgetrickst. Ich möchte Antworten von den Aussenministern Deutschlands, Frankreichs und Polens. Aber ich habe keinen Kontakt zu ihnen.»

Zu seinem Befehl, auf die Demonstranten zu schiessen:

«Ich habe keinen Schiessbefehl an die Polizei gegeben. Die Polizei war unbewaffnet bis zum Schluss. Erst als ihr Leben bedroht war, durften sie sich verteidigen.»

Zu seiner Flucht:

«Ich bin nicht geflohen. Ich habe das Land verlassen, um meine Familie zu schützen.»

«Ich hatte keine Angst, aber wir mussten auf Nummer sicher gehen, denn ich bin der Präsident.»

«Ich kehre zurück, sobald ich Sicherheitsgarantien für mich und meine Familie habe.»

Zur Krise in der Ukraine:

«Die ökonomische Krise ist das Resultat der unverantwortlichen Politik des Westens, der die Maidan-Bewegung unterstützte.»

«Es gibt wohl keinen Ökonomen auf der ganzen Welt, der bestreiten würde, dass die Wirtschaftskrise durch das Chaos der Maidan-Bewegung ausgelöst wurde.»

«Für die Wirtschaftskrise sind diejenigen, die heute an der Macht sind, verantwortlich. Und die Leute von der Maidan-Bewegung, der Westen, die USA.»

Zur Lage auf der Krim:

«Die Bewohner der Krim wollen nicht von Radikalen und Nationalisten regiert werden. Sie wollen sich und ihre Familien verteidigen. Das ist ganz normal.»

«Als Präsident der Ukraine will ich, dass die Krim zur Ukraine gehört.»

Zu Putin und Russland:

«Ich habe Putin nicht getroffen, nur mit ihm telefoniert. Wir kamen überein, dass wir uns baldmöglichst sehen. Wann, weiss ich nicht.»

«Ich bin erstaunt, dass Putin nichts von sich hören lässt, dass er immer noch schweigt.»

«Russland kann und soll handeln.»

«Ich verlange keine militärische Unterstützung von Russland.»

Zum Verhältnis zu Europa:

«Wir haben uns nicht gegen das Assoziierungsabkommen mit der EU entschieden. Wir wollten weiterverhandeln.»

«Europa und die Ukraine sind zu verschieden.»

Zu seiner pompösen Villa:

«Der damalige Präsident Kutschma liess mich 1999 in dieser Residenz wohnen, als mein Leben bedroht war. Juschtschenko wollte sie mir dann schenken, aber ich habe sie gekauft.»

«Die Residenz war alt und baufällig. Ich habe sie selbst renoviert.»

Über Konten in der Schweiz:

«All das Gerede über Bankkonten ausserhalb der Ukraine – das ist alles gelogen. Alles, was ich habe, ist in der Ukraine.»

«Und auch das Gerede über meinen Sohn, dass er ein Oligarch sei: Das stimmt nicht.»

Zur Zukunft der Ukraine:

«Ich schlage eine Volksbefragung vor – über die konkreten Fragen müssen wir noch diskutieren.»

«Ich habe es oft gesagt und ich sage es noch einmal: Es gibt keine andere Lösung als eine friedliche.»

«Es muss eine Untersuchung der Geschehnisse geben unter der Leitung des Internationalen Strafgerichts und des EU-Rats.»

Am Schluss wendet sich Janukowitsch direkt an die ukrainische Bevölkerung – und zerbricht dabei seinen Kugelschreiber:

«Es tut mir leid. Ich entschuldige mich bei jedem, der leidet und leiden wird. Ich werde nicht mit Nationalisten, Faschisten und Terroristen zusammenarbeiten. Sondern mit dem Volk der Ukraine. Ich habe grösste Wertschätzung für euch und all denjenigen, die getötet wurden – egal auf welcher Seite sie standen.»

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