06.01.2016 05:43

Alicia Vikander«Ich bin gegen unnötige Nacktheit»

Alicia Vikander schaffte es von Schweden nach Hollywood. Und brilliert neben Eddie Redmayne im Transgender-Drama «Danish Girl».

von
Catharina Steiner

Der Trailer zum historischen Transgender-Drama mit Eddie Redmayne und Alicia Vikander. Quelle: Youtube.com

Alicia Vikander, Gerda gibt ihren Mann auf, damit er zur Frau werden kann. Ziemlich selbstlos oder?

Sie wagte es, jemanden bedingungslos zu lieben, was eine furchteinflössende Sache sein kann. Ich bin tief in mir drinnen eine Romantikerin, aber ich frage mich, wie sie es gemacht hat. So mutig sein und jemanden gehen zu lassen, den man liebt, ist eine grosse Sache.

Denkst du seit dem Dreh anders über die Liebe?

Um wirklich etwas über die Liebe zu lernen, braucht man mehr Lebenszeit. Ich hoffe, dass ich etwas begriffen habe, aber ich bin immer noch jung. Sehr aufschlussreich waren für mich aber die Gespräche mit Leuten aus der Transgender-Community.

Bist du mit dem Thema früher schon mal in Berührung gekommen?

In Stockholm besuchte ich die Ballettschule. Als ich 16 war, nahmen mich meine Tänzerkollegen in die Schwulenbars mit, denn das waren die einzigen Clubs, in die ich ohne Ausweis reinkam. Dort habe ich ein paar Transgender kennengelernt.

War die Chemie zwischen Eddie Redmayne und dir von Anfang an da?

Ja. Ich wusste, dass er ein toller Schauspieler ist, aber er ist auch einer der liebenswürdigsten Menschen überhaupt. Man hofft immer, dass man sich versteht. Schauspieler kommen ans Set und müssen vielleicht beste Freunde oder ein Ehepaar spielen, und dazu braucht es eine Verbindung. Mit Eddie hatte ich diese Chemie zum Glück.

Du bist im Film oft nackt. Fällt dir das leicht?

Es ist immer total komisch. Ich habe noch nie jemanden getroffen, dem das leicht fällt. In «Danish Girl» geht es um eine Ehe, eine Liebesgeschichte, man musste die Leidenschaft zwischen Gerda und Einar sehen. Aber ich bin total gegen Nacktheit, wenn sie nicht notwendig ist.

Wie war es, Eddie das erste Mal als Frau verkleidet zu sehen?

Ein paar Tage vor Drehstart kam ich für Kameratests ins Studio. Ich suchte überall nach ihm, und dann drehte sich plötzlich diese rothaarige Frau um und lächelte mich an. Ich war wie weggeblasen. Ich war fünf Minuten im Raum und habe ihn nicht erkannt.

Dein Stern in Hollywood steigt unaufhörlich. Hast du dir das jemals träumen lassen?

Ich hätte nie gedacht, dass ich einer Fremdsprache drehen würde. Seit ich vor vier Jahren «Anna Karenina» gemacht habe, konnte ich praktisch ununterbrochen arbeiten. Früher wäre ich schon gestorben, wenn ich nur die Hand der Schauspieler und Regisseure geschüttelt hätte, mit denen ich jetzt arbeiten darf.

Bist du schon nach Hollywood gezogen?

Ich habe viele amerikanische Filme gemacht, aber keiner davon wurde in den USA gedreht. Ich pendle hin und her. Ausserdem fühle ich mich in Europa sehr wohl. Seit zwei Jahren habe ich eine Wohnung in London.

Fühlst du dich dort zuhause?

Mittlerweile schon. London ist eine riesige Stadt, es brauchte ein bisschen, um mich heimisch zu fühlen. Schön ist es auch einfach ins Flugzeug steigen zu können, wenn mir meine Familie fehlt.

Vermisst du es, in deiner Muttersprache zu reden?

Schon, aber in London wohnen wahnsinnig viele Schweden. Man kann also in der U-Bahn nicht einfach losquatschen und davon ausgehen, dass einen niemand versteht.

Fährst du wirklich U-Bahn?

Ja sicher, das ist die beste Art, in London herumzukommen. Weisst du, wie lang es dauert, dort mit einem Taxi von A nach B zu kommen?

Wirst du nicht erkannt?

Nicht oft. Ich denke, die Leute sind sehr mit ihrem eigenen Leben beschäftigt, vor allem in der Grossstadt. Es ist etwas anderes, wenn man in ein Restaurant geht, in dem viele Promis abhängen.

«The Danish Girl», ab 7. Januar im Kino.

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