Tonbandaufzeichnung: «Ich bin heute Nacht vergewaltigt worden»
Aktualisiert

Tonbandaufzeichnung«Ich bin heute Nacht vergewaltigt worden»

Beweisaufnahme im Kachelmann-Prozess: Neben einer Aufzeichnung des Notrufs von Simone W. kamen neue Details über die Verhaftung ans Licht.

von
Amir Mustedanagic
Mannheim

Richter Michael Seidling gewährte am dritten Prozesstag gegen Jörg Kachelmann einen Einblick in den Tag nach der Tat und liess einen Mitschnitt des Notrufs von Simone W. vorspielen. Der Dialog zeigte einige

Überraschungen:

Der Polizei-Notruf

«Ja, hallo mein Name ist M.W. Ich gebe Ihnen gleich meine Tochter.»

Kachelmann: Der zweite Prozesstag

«Guten Tag, mein Name ist Simone W. Ich bin heute Nacht vergewaltigt worden und weiss nicht, was ich nun tun soll. Es geschah in meiner Wohnung.»

Polizeibeamter: «Von wem?»

Simone W.: (Pause) «Von meinem Freund.»

Polizeibeamter: «Wo erreichen wir Sie?»

Simone W.: «In meiner Wohnung, ich bin jetzt bei meinen Eltern.»

Polizeibeamter: «Ihr Freund ist also weg?»

Simone W.: «Ja, der ist definitiv weg.»

Polizeibeamter: «O.K., eine Beamte wird sich gleich bei ihnen melden.»

Simone W.: «O.K., dann gehe...»

Polizeibeamter: «Eine Frage noch, wie geht es ihnen?»

Simone W.: «Es geht O.K.»

Die Aufnahme vom 9. Februar 2010 endete an dieser Stelle.

Das mutmassliche Vergewaltigungsopfer erwähnte während des Telefonats Jörg Kachelmann mit keinem Wort. Seinen Namen spricht sie erst eine Stunde später beim Verhör mit der Polizeibeamten aus. Simone W. klingt auf dem Band nicht aufgelöst, aber sie spricht mit zittriger Stimme.

TV-Star in Gebetsstellung

Während im Gerichtssaal die Aufnahme abgespielt wurde, verharrte Kachelmann in einer Art Gebetsstellung: Er verschränkte die Hände vor dem Mund und lehnte sich mit den Ellbogen auf den Tisch. Eine emotionale Reaktion zeigte er nicht.

Als nächstes musste der Polizeibeamte in den Zeugenstand, der Kachelmanns Verhaftung am Frankfurter Flughafen koordiniert hatte. «Wir beobachteten ihn vom Gepäckband an», erklärte der Beamte. Die Polizei habe die Verhaftung von langer Hand geplant und stand in Verbindung mit der Fluggesellschaft.

Kachelmann knutscht mit Begleitung

«Jörg Kachelmann war ihn Begleitung einer jungen Frau. Sie hatte ihn am Gate abgeholt. Sie tauschten zur Begrüssung Zärtlichkeiten aus», sagte ein zweiter Beamter vor Gericht weiter und schob nach, «was man normalerweise wohl als Rumknutschen bezeichnen würde.» Bei dieser Formulierung konnte sich selbst Kachelmann ein Lachen nicht verkneifen.

Dann wurde es wieder ernst: 50 Meter vor seinem Auto habe man Kachelmann in der Tiefgarage zur Seite genommen. Er habe den Haftbefehl «ohne Emotionen» zur Kenntnis genommen und habe alle Anweisungen befolgt, so der Beamte weiter. «Bei seiner Begleiterin hingegen war schon Entsetzen zu sehen und auch Unverständnis.»

In der Folge ging es bei den Zeugenbefragungen weiter vor allem um Details am Flughafen.

Vor allem Anwalt Reinhard Birkenstock löcherte den zweiten Beamten über die Details der Begrüssungsszenen und den Weg vom Gepäckband zur Tiefgarage. Es scheint so, als ob das genaue Geschehen am Flughafen noch massgebend für den weiteren Prozess sein könnte.

Sagt die erste Geliebte aus?

Heute Mittwoch sollen nun zum ersten Mal im Vergewaltigungsprozess gegen Jörg Kachelmann Zeugen aussagen: In den Zeugenstand treten gemäss Gericht drei Polizisten und ein «Zeuge». Vertraut man auf die «Bild», soll es sich dabei um eine von neun Zeuginnen handeln. «Marion K.», wie sie die Boulevardzeitung nennt, soll den Wettermoderator nach seiner Rückkehr von Olympia abgeholt haben und bei seiner Verhaftung dabei gewesen sein.

Ob die Zeugen allerdings auch wirklich aussagen, ist noch offen. Kachelmanns Verteidiger Reinhard Birkenstock hat am Montag einen Antrag gestellt, dass Simone W. als erste aussagt und ein grosser Teil der Zeuginnen ausgeladen wird.

Das Gericht hat den Entscheid darüber auf den dritten Prozesstag angekündigt, deutete aber an, dass es wohl nicht darauf eingeht. Spätestens um 9 Uhr herrscht Klarheit: Dann erhebt sich Jörg Kachelmann zum dritten Mal vor dem Landgericht Mannheim.

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