«Ich bin hier machtlos, ich bete nur»
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«Ich bin hier machtlos, ich bete nur»

Der Dalai Lama hat die internationale Gemeinschaft aufgerufen, bei der Bewältigung der Krise in Tibet zu helfen. Westliche Diplomaten forderten gleichzeitig den freien Zugang zum Himalaya-Region.

«Ich bin hier machtlos, ich bete nur», sagte das geistliche Oberhaupt der Tibeter an einer Medienkonferenz in der indischen Hauptstadt Neu Delhi. Zugleich betonte der Dalai Lama erneut, dass er zu einem Dialog mit China bereit sei.

Ausserdem bekräftige er seine Position, dass China es trotz seines Vorgehens in Tibet verdiene, Gastgeber der Olympischen Spiele zu sein. Auch das Olympische Feuer sei willkommen, betonte er. Die indischen Behörden befürchten, Exiltibeter könnten Unruhen anzetteln, wenn die Flamme am 17. April Indien erreicht.

Öffnung angemahnt

Westliche Diplomaten beendeten am Samstag ihren zweitägigen von der chinesischen Regierung organisierten Besuch in Lhasa. Ein Mitarbeiter der US-Botschaft habe dabei die Öffnung Tibets für Journalisten und Diplomaten angemahnt, wie die US-Botschaft in Peking bekanntgab.

Der Besuch sei «straff durchgeplant» gewesen, hiess es weiter. Den Teilnehmern sei keine Abweichung vom offiziellen Reiseplan gestattet worden. Der Delegation sei es auch nicht erlaubt gewesen, sich unabhängig in der tibetischen Hauptstadt zu bewegen und mit Bewohnern unbeaufsichtigt Gespräche zu führen.

Am Samstagmorgen hatte die Delegation den buddhistischen Jokhang- Tempel besichtigt. Die Mönche dieses Tempels hatten am Mittwoch ihrem Unmut über die chinesische Herrschaft in Tibet während des Besuchs einer Gruppe ausländischer Journalisten Luft gemacht.

Proteste in Nepal

In der nepalesischen Hauptstadt Kathmandu nahmen Sicherheitskräfte am Samstag bei anti-chinesischen Demonstrationen mehr als 80 Menschen fest. Polizisten gingen nach Augenzeugenberichten mit Schlagstöcken gegen protestierende Tibeter vor der Visaabteilung der chinesischen Botschaft vor.

Die Demonstranten, unter ihnen viele Mönche, riefen in Sprechchören: «Stoppt das Töten in Tibet» und «Lang lebe der Dalai Lama». Seit über zwei Wochen kommt es in Nepal fast täglich zu anti- chinesischen Protesten. Die Regierung in Kathmandu steht in der Tibetpolitik fest an der Seite der chinesischen Regierung.

Entschädigungen angekündigt

In Peking kündigten die Behörden Entschädigungen für gewisse Opfer von anti-chinesischen Protesten an. Die Angehörigen von 18 Zivilisten, die während der Unruhen in Lhasa am 14. März getötet worden waren, sollen pro Familie 200 000 Yuan (rund 28 000 Franken) bekommen, wie die amtliche Nachrichtenagentur Xinhua berichtete.

Seit dem 10. März sind bei Zusammenstössen zwischen chinesischen Sicherheitskräften und Tibetern laut tibetischer Exilregierung etwa 140 Menschen ums Leben gekommen, nach Angaben Pekings 22 Menschen.

(sda)

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