Aktualisiert 03.01.2017 17:40

Legales Cannabis in Reitschule«Ich bin in höchstem Masse skeptisch»

Die Reitschule verkauft Cannabis, um dem Drogenhandel entgegenzuwirken. Sicherheitsdirektor Reto Nause und Suchtexperten zweifeln.

von
kaf
Mit dem Verkauf von legalem Cannabis in der Reitschule wollen die Betreiber dem Drogenhandel auf der Schützenmatte etwas entgegensetzen.

Mit dem Verkauf von legalem Cannabis in der Reitschule wollen die Betreiber dem Drogenhandel auf der Schützenmatte etwas entgegensetzen.

20 Minuten

Die Reitschule verkauft seit einigen Tagen im Restaurant Sous le Pont und in der Rössli-Bar legales Cannabis, also Cannabis mit einem THC-Wert von unter einem Prozent. Damit wollen die Betreiber dem «Deal vor der Haustüre etwas entgegensetzen» und eine Alternative zum «mit Blei, Glas oder anderen gefährlichen Substanzen» gestreckten Hanf bieten, wie sie gegenüber der «Berner Zeitung» festhalten.

«Welchen Effekt der Verkauf von legalem Hanf in Betrieben der Reitschule auf die Drogenproblematik auf dem Vorplatz und der Schützenmatte hat, wird sich zeigen müssen», sagt Berner Interrim-Stapi und Sicherheitsdirektor Reto Nause gegenüber 20 Minuten. «Ich bin aber in höchstem Masse skeptisch.»

«Es gibt kaum Erfahrungen dazu»

Ob der Verkauf von Cannabis mit einem THC-Gehalt unter einem Prozent tatsächlich einen Einfluss auf das Konsumverhalten hat, kann noch nicht abgeschätzt werden. «Es gibt kaum Erfahrungen oder wissenschaftliche Erkenntnisse dazu», sagt Monique Portner-Helfer, Sprecherin von Sucht Schweiz.

Im In- und Ausland gebe es neue Produkte mit wenig THC, die viel Cannabidiol (CBD) enthalten. «Dieser Stoff wird als beruhigend wahrgenommen, ohne einen Rausch auszulösen.» Er werde in der Medizin beispielsweise bei Angstzuständen eingesetzt. Da die berauschende Wirkung wegfalle, sei auch das Abhängigkeitsrisiko gering. «Uns ist nicht bekannt, dass CBD alleine abhängig macht», sagt Portner.

«Es birgt immer noch Risiken»

Das legale Cannabis sei deswegen aber nicht gefahrlos: «Es birgt immer noch Risiken, vor allem, wenn man es mit Tabak zusammen raucht.» Ob es bisherige Konsumenten zum Umsteigen bringt, sei schwierig zu sagen. Portner: «Wir wissen nicht, ob es helfen kann, mit dem THC-haltigen Cannabis aufzuhören.»

Dass mit Pestiziden und Streckmitteln versehene Cannabis gefährlich ist, bestätigt Portner: «Konsumierende wissen nie genau, was in einer illegalen Substanz drin ist.»

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