Hütter-Debüt: «Ich bin kein Hampelmann»
Aktualisiert

Hütter-Debüt«Ich bin kein Hampelmann»

Der Einstand von Adi Hütter als YB-Trainer ist gelungen: YB spielte offensiv. YB spielte aggressiv. YB spielte attraktiv – ganz wie es sich der Forte-Nachfolger vorstellt.

von
E. Tedesco

Einstand nach Mass für Adi Hütter als YB-Trainer. Die Berner gewinnen gegen Vaduz 4:0. (Video: 20 Minuten)

Erfolgreicher und spektakulärer Fussball schwebt Adi Hütter in Bern vor. In der Manier, wie der Vorarlberger Red Bull Salzburg in der letzten Saison zum Double geführt hat. 99 Tore haben die Bullen in 36 Partien erzielt – Rekord in Österreich. Mit schnellem Kombinationsfussball überrollte YB den FC Vaduz.

Es sind knapp 50 Sekunden gespielt, die meisten Berner schlendern noch seelenruhig im Stadiongang herum, als es erstmals hinter FCV-Keeper Peter Jehle klingelt. Alexander Gerndt spielt einen wunderbaren Pass in die Tiefe auf Kubo. Der Japaner legt mit viel Übersicht zurück auf Leonardo Bertone, der nicht lange rummacht und zum 1:0 trifft.

Hütter musste nicht lange auf den Jubel warten

«Für das erste Spiel unter mir war das über 90 Minuten ein sehr gutes Spiel», sagt der neue YB-Trainer nach seinem Super-League-Einstand. «Wir haben verdient gewonnen und drei wichtige Punkte geholt, um in der Tabelle nach vorne zu kommen. Man kann von einem Traumstart sprechen.»

Kann man so sagen, wenn der neue Chef an der Seitenlinie schon nach 50 Sekunden das erste Mal jubeln kann. Hütter, im grauen Klubanzug mit weissem Hemd, klatscht kurz mit Assistent Gämperle und Sportchef Fredy Bickel ab. Dann dreht der 45-Jährige sofort wieder ab und stellt sich am vordersten Rand seiner Coachingzone auf und gibt wieder Anweisungen. Das tut er die gesamte erste Halbzeit. Zwischendurch gönnt er sich einen tiefen Schluck aus der Wasserflasche, spricht mit den Spielern und seinem Assistenten auf der Bank und tigert wieder in – manchmal auch ausserhalb – seiner Zone hin und her.

Aktives Coaching

Coacht er immer so aktiv? Hütter: «Ich kann nicht verlangen, dass die Mannschaft marschiert und dann 90 Minuten auf der Bank sitzen, nur weil es regnet. Aber das wird nicht auf Dauer so sein. Ich bin kein Hampelmann. Aber wenn die Mannschaft rausschaut, soll sie wissen, dass da einer ist, der sie versucht zu puschen. Das hat gegen Vaduz schon ganz gut ausgeschaut – also das Spiel nicht ich.»

YB spielte offensiv. YB spielte aggressiv. YB spielte attraktiv. Die Berner machen Tempo und bringen die Liechtensteiner immer wieder arg in Bedrängnis, zwingen sie zu Fehlern. So auch in der 21 Minute. Von Niederhäusern verliert dämlich einen Zweikampf gegen Jan Lecjaks, der flankt perfekt auf den Kopf von Renato Steffen im Strafraum und der trifft zum 2:0. Hütter macht vor Freude einen riesigen Satz. «Weil mich das 2:0 wahnsinnig gefreut hat», sagt der ehemalige 14-fache österreichische Internationale. Gefreut über das Tor sicher, mehr noch aber über den Spielzug, der zum Treffer von Steffen geführt habe.

Hochaktiv und hochkonzentriert

12 Minuten später konnte Hütter wieder jubeln. Und wieder ist es Nick von Niederhäusern, der in der Vaduzer-Defensive im Schilf steht. Diesmal lässt sich der Verteidiger von Miralem Sulejmani übertölpeln. Kubo bringt die Berner mit seinem 3. Saisontreffer 3:0 in Führung. Zur Erinnerung: gespielt waren da gerade mal 33 Minuten. «Ich habe eine Mannschaft gesehen, die hochaktiv war, hochkonzentriert nach vorne verteidigt hat» so Hütter selber hochzufrieden mit dem Auftritt seiner Mannschaft. Das 4:0 durch Nuzzolo machte den Start des neuen Trainers perfekt.

«Die Mannschaft hat vieles richtig gemacht, aber ich werde immer etwas finden und wenn ich die Stecknadel im Heuhaufen suchen muss», sagt Hütter dennoch, «wir werden dieses Spiel sehr gut zerlegen, analysieren und zeigen, was wir gut gemacht haben, aber ich werde auch Dinge finden, die man optimieren muss.»

Auch wenn Hütter erst eine Woche die Trainings in Bern leitet, war seine Marschrichtung bereits erkennbar – Vaduz gab dabei einen höchst dankbaren und nur einen besseren Sparringpartner in dieser 8. SL-Runde ab. Für einen Massstab für die ambitionierten Hauptstädter reichte es der Contini-Elf am Samstag nicht. Den empfängt YB am 23. September im Stade de Suisse, wenn der Meister und Leader aus Basel zu Gast sein wird.

2000 Franken für die Flüchtlingshilfe 500 Franken spendet die SFL für jedes Tor, das an diesem Wochenende in den zwei höchsten Schweizer Ligen geschossen wird, für die Flüchtlingshilfe. 2000 Franken ist der Beitrag von YB dank freundlicher Unterstützung der Vaduzer nach dem 4:0 im Stade de Suisse. «Es ist hochverdienter Sieg», sagt Vaduz-Trainer Giorgio Contini. «Wir haben gezeigt, dass wir ein guter Gast sind. Hätten wir ein 2:4 gemacht, wären noch 1000 Franken dazugekommen und hätte besser ausgesehen.» (ete)

2000 Franken für die Flüchtlingshilfe 500 Franken spendet die SFL für jedes Tor, das an diesem Wochenende in den zwei höchsten Schweizer Ligen geschossen wird, für die Flüchtlingshilfe. 2000 Franken ist der Beitrag von YB dank freundlicher Unterstützung der Vaduzer nach dem 4:0 im Stade de Suisse. «Es ist hochverdienter Sieg», sagt Vaduz-Trainer Giorgio Contini. «Wir haben gezeigt, dass wir ein guter Gast sind. Hätten wir ein 2:4 gemacht, wären noch 1000 Franken dazugekommen und hätte besser ausgesehen.» (ete)

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