Winnie Schäfer: «Ich bin kein Mann für den Strand»
Aktualisiert

Winnie Schäfer«Ich bin kein Mann für den Strand»

Einst mischte Winfried Schäfer mit dem Karlsruher SC die Bundesliga auf. Jetzt will er Jamaika an die WM 2018 führen.

von
Sandro Compagno und Eva Tedesco

Der ehemalige Bundesliga-Trainer Winfried «Winnie» Schäfer und seine Jamaikaner sind ein Sparringspartner der Schweiz vor der WM. (Quelle: 20 Minuten)

Zu schreiben, Ottmar Hitzfeld und Winfried, genannt Winnie, Schäfer kennten sich ein halbes Leben lang, wäre eine krasse Untertreibung. «Wir waren mal mit der deutschen B-Auswahl in Winterthur und teilten dort das Zimmer», erinnert sich Winnie Schäfer an die 1970er-Jahre, als beide ihrem Job noch in kurzen Hosen nachgingen. Die Wege des 64-jährigen Rheinländers und des 65-jährigen Lörrachers sollten sich noch häufiger kreuzen. So stand das Duo am 13. April 1995 an der Seitenlinie, als Hitzfelds Spielmacher bei Borussia Dortmund, Andreas Möller, im Strafraum des Karlsruher SC jene Scharade vollführte, die später als «Schwalbe des Jahrhunderts» in die Fussball-Geschichte einging.

Titelsammler vs. Weltenbummler

Hitzfeld wurde – auch dank dieses geschummelten Elfmeters und des 2:1-Sieges gegen den KSC – Deutscher Meister mit dem BVB. Während Hitzfeld in der Folge Titel um Titel sammelte und zweimal als Welttrainer des Jahres ausgezeichnet wurde, nahm die Karriere von Winnie Schäfer eine andere Wendung. Der Rheinländer tingelte in den letzten Jahren durch Fussball-Schwellenländer wie Abu Dhabi, Aserbaidschan oder Thailand und ist mittlerweile in Jamaika angekommen. «Reggae-Boyz» nennt sich die Auswahl der Karibikinsel, die man nicht mit Fussball assoziiert, sondern mit Musik, Marihuana und schnellen Leichtathleten.

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Ein Traumjob auf einer Tropeninsel? «Ich bin kein Mann für den Strand. Schauen Sie nur meine Hautfarbe an», stellt Winnie Schäfer klar und fährt sich durch sein früher rotblondes, heute beinahe weisses Haar, das er noch immer etwas unmodisch lang trägt. «Ich bin hier, um zu arbeiten.»

Fernziel WM 2018

Während Hitzfeld nach der Weltmeisterschaft in Rente geht, hat Schäfer noch lange nicht genug. Er soll den Testspiel-Gegner der Schweizer Fussball-Nationalmannschaft vom Freitag an die WM 2018 führen. Zum ersten und letzten Mal waren die Insulaner 1998 in Frankreich an einer Endrunde. Schäfer: «Davon sprechen sie heute noch. Da habe ich ihnen gesagt: Schaut doch mal auf den Kalender! Heute haben wir 2014 ...» Die Konkurrenz im mittelamerikanischen Fussballverband CONCACAF habe sich weiterentwickelt. Jamaika hingegen nicht. «Wir brauchen bessere Trainer und wir brauchen bessere Plätze, um voranzukommen.»

Am Freitag in Luzern steht Schäfer eine Mannschaft zur Verfügung, die sich vor allem aus der nordamerikanischen MLS rekrutiert plus einigen in England geborenen Spielern mit jamaikanischen Wurzeln – wie beispielsweise die Verteidiger Adrian Mariappa (Crystal Palace) oder Wes Morgan (Leicester). Die «Reggae-Boyz» sollen in der Swissporarena den Schweizer Gruppengegner Honduras darstellen. Schäfer lässt darum nicht mit einer Dreierkette, sondern mit einer Viererabwehr spielen: «Aber Honduras spielt mit einem sehr bulligen, kräftigen Stürmer, der viele Bälle ablegt oder verlängert. So einen haben wir leider nicht.»