Aktualisiert 26.11.2015 18:00

Paulo Sousa«Ich bin kein Mensch, der etwas bereut»

Fünf Monate und 19 Tage nach seinem letzten Spiel kehrt Paulo Sousa in den St.-Jakob-Park zurück. Für den letztjährigen FCB-Trainer ist es die erste Rückkehr nach Basel.

von
ete

172 Tage sind vergangen, seit Sousa auf diesem Podium im Medien-Center sass. Der Portugiese hatte mit Rotblau gerade den Cupfinal gegen Sion (0:3) verloren. Nichts hatte zu diesem Zeitpunkt darauf hingedeutet, dass es Sousas letzter Auftritt als FCB-Trainer war, obwohl erste Gerüchte über die Alpen geschwappt waren, dass sich Fiorentina um Sousa bemühe. Nach einigen Tagen der Ungewissheit war es fix: Der 45-Jährige wechselt nach Italien – trotz Vertrag in Basel bis 2017.

5 Monate und 18 Tage später ist er mit der Fiorentina Gast in Basel und sagt zu jener Pleite: «Jede Niederlage ist eine hässliche Erfahrung und ich habe mich sehr geärgert damals.» Und zu seinem Abgang: «Ich bereue nichts. Ich bin kein Mensch, der etwas bereut.» Und fügt dezidiert an: «Nichts. Nada. Nulla. Ich habe hier eine schöne Zeit erlebt und bin glücklich darüber, was wir in Basel geschafft haben. Diesen Weg will ich auch in Italien gehen.»

Warten auf den Scudetto

Die Richtung, die er in der Serie A eingeschlagen hat, stimmt. Obwohl Sousa mit wenig Kredit in die Meisterschaft gestartet ist, hat sich die «Viola» in der Spitzengruppe etabliert. Nach einem Drittel der Meisterschaft mischt die Fiorentina an der Tabellenspitze mit und wurde erst nach dem Remis gegen Empoli letzten Sonntag von Inter Mailand und Napoli abgefangen. Der Rückstand auf die «Nerazzurri» beträgt aber nur 2 Punkte. Seit 46 Jahren warten die Violetten aus der Toskana nunmehr auf den Scudetto. Bisher nährt der Portugiese diesen Traum.

Nicht ganz so optimal lief es in der Europa League. Zwischendurch stand der damalige Leader der Serie A sogar auf dem letzten Platz in der Gruppe I. Nach zwei Heimniederlagen (1:2 gegen Basel und Lech Posen) und zwei Auswärtserfolgen (4:0 gegen Belenenses und 2:0 gegen Lech Posen) sind die Italiener wieder auf Kurs. Aber Präsident Andrea Della Valle (seine Firmen produzieren Luxusschuhe) sagt: «Die Meisterschaft geht vor. Mir gefällt es, an der Tabellenspitze zu stehen – und den Fans auch.»

Vorfreude auf das Wiedersehen

Doch Sousa blockt ab. «Ich setze keine Prioritäten. Wir trainieren hart, um zu gewinnen. Wir wollen eine Winnermentalität in die Mannschaft kriegen und dazu passen keine Prioritäten. Es ist wie eine Reise: Du planst die Route, schaust nach dem Benzin und passt zwischendurch die Geschwindigkeit an, um die Ziele zu erreichen. Ich bin keiner, der Rechenspiele betreibt. Ich will einfach gewinnen. Dann sehen wir weiter.»

Die Sehnsucht nach dem ersten Meistertitel seit 1969 ist bei den violetten Fans gross. Wahrscheinlicher ist aber, dass das Benzin in der Meisterschaft wieder nicht reicht bis zum Schluss. Die Route in Europa entscheidet sich vielleicht schon am Donnerstag mit einem Sieg in Basel und der Revanche für die Niederlage vor 70 Tagen in Florenz.

Sousa spricht aber von einem «schwierigen Spiel», denn der FCB sei es gewohnt, seine Aufgaben auf internationalem Parkett gut zu machen. «Die Fans in Basel sind bereit für einen grossen Abend.» Und wird es auch ein grosser Empfang für Sousa, der mit den Baslern und die Basler mit ihm nie so richtig warm geworden waren? Man wird sehen – im Stadion oder kurz vor 19 Uhr live bei uns im Ticker.

Szenarien in der Gruppe I (5. Spieltag)

- Basel ist mit einem Sieg weiter, oder falls Belenenses und Lech unentschieden spielen.

- Fiorentina kommt mit einem Sieg in die K.-o.-Runde, wenn Belenenses und Lech unentschieden spielen.

- Bei einem Sieg der Fiorentina wäre der Verlierer aus der Partie zwischen Belenenses und Lech ausgeschieden.

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