Berufe mit schlechtem Image: «Ich bin Masseurin und keine Prostituierte»
Aktualisiert

Berufe mit schlechtem Image«Ich bin Masseurin und keine Prostituierte»

Dass Krankenschwestern mit einem falschen Ruf kämpfen, hat hohe Wellen geworfen. Auch andere müssen ihre Jobs oft verteidigen – drei Berufsleute erzählen.

von
B. Zanni
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Medizinische Masseurinnen erleben oft, dass Männer ihre Arbeit mit einer erotischen Dienstleistung verwechseln.

Medizinische Masseurinnen erleben oft, dass Männer ihre Arbeit mit einer erotischen Dienstleistung verwechseln.

Keystone
Martin Vetter, LKW-Fahrer: «Ohne Lastwagenfahrer gäbe es in der Migros keine Früchte mehr.»

Martin Vetter, LKW-Fahrer: «Ohne Lastwagenfahrer gäbe es in der Migros keine Früchte mehr.»

zvg
Nicole Graber, Hairstylistin: «Oft beklagen sich Kunden gleich über den Preis. Wir müssten ihnen ja nur die Haare waschen, schneiden und föhnen.»

Nicole Graber, Hairstylistin: «Oft beklagen sich Kunden gleich über den Preis. Wir müssten ihnen ja nur die Haare waschen, schneiden und föhnen.»

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Pflegefachfrauen müssen immer wieder herablassende Kommentare über sich ergehen lassen. Wie Vertreter von Berufsverbänden zeigen, leiden auch andere Berufsgruppen unter ihrem schlechten Image. Menschen aus drei verschiedenen Branchen erzählen von ihren Erfahrungen.

«Ohne uns gebe es keine Früchte»

Martin Vetter, LKW-Fahrer (34): «Die Leute haben oft das Gefühl, ich hocke den ganzen Tag nur am Steuer, fahre extra langsam, blockiere die Strasse und verpeste die Luft. Schauen sie mir aber einen Tag über die Schulter, sind sie überrascht, wie anspruchsvoll mein Job ist. Ohne Lastwagenfahrer gäbe es im Laden keine Früchte mehr. Am Ende würde die ganze Wirtschaft zusammenkrachen.

Ich transportiere jeden Tag Unmengen von Früchten in die Verteilzentrale. Bald ist wieder die Hölle los. In der Weihnachtszeit liefere ich Tonnen von Ananas, Kiwis, Mangos, Zitronen und Avocados in die Läden. Lange Arbeitstage gehören dazu. Mein Job ist auch ziemlich gefährlich. Ich muss ständig auf der Hut sein, dass ich keine Velofahrer oder Fussgänger überfahre, die im toten Winkel meines Fahrzeugs stehen. Genauso nervenaufreibend sind die Autos, die sich bei Autobahnausfahrten noch dazwischendrücken.

«Wir sind Geometer und Künstler in einem»

Nicole Graber, Hairstylistin (47): «Oft beklagen sich Kunden gleich über den Preis. Wir müssten ihnen ja ‹nur› die Haare waschen, schneiden und föhnen. Unser Beruf wird immer unterschätzt. Dabei sind wir Geometer, Architekten, Ingenieure und Künstler in einem. Eine Coiffeuse muss eine Frisur im richtigen Winkel schneiden, sich die Frisur dreidimensional vorstellen können und die Kunst beherrschen, Persönlichkeit herauszuholen.

Genauso falsch ist die Vorstellung, dass die Coiffeurlehre ‹einfach› ist. Die angehenden Berufsleute müssen auch in Anatomie, Biologie, Chemie und Physik bestens Bescheid wissen. Wer findet, wir schnitten ‹nur ein bisschen Haare›, liegt aber auch falsch, weil unser Alltag sehr anstrengend ist. Wir müssen den ganzen Tag stehen – und bei grossem Kundenandrang ist es selbstverständlich, dass wir auf die Mittagspause verzichten.»

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