Die Stadt ist für Basel: «Ich bin Münchner – ich bin blau»

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Die Stadt ist für Basel«Ich bin Münchner – ich bin blau»

Die Bayern glauben an einen Sieg gegen Basel. In der Stadt selbst regiert jedoch der TSV 1860. Die meisten wünschen sich deshalb ein 2:1 – denn «das tut besonders weh».

von
M. Gilliand/A. Mustedanagic

Die Umfrage in München zeigt: Nicht alle in der bayerischen Hauptstadt fiebern für den Rekordmeister. (Video: 20 Minuten Online)

Die Brust ist geschwellt, das Selbstvertrauen so gross wie der Marienplatz. Die Bayern sind nach dem 7:1-Sieg gegen Hoffenheim zuversichtlich, dass sie auch den 0:1-Rückstand gegen den FC Basel wettmachen. Wer sich in München umhört, der lernt dieser Tage allerdings drei Dinge:

1. Bayern-Fans kommen nicht aus München. Wie in Turin und Manchester gilt auch an der Isar: Die Städter helfen dem Arbeiter-Club. In Turin ist es die AC Torino, in Manchester stehen sie hinter City und in München hinter den Löwen vom TSV 1860. «Ich bin Münchner – ich bin blau», belehrt uns etwa ein Obsthändler auf dem Viktualienmarkt. Stolz hängt ihm sein Vater noch den Löwen-Anhänger um. Wenn in München jemand den Bayern den Sieg wünscht, sind es Junge, Vereinsmitglieder oder fiese 1860er. «Ich hoffe die Bayern gewinnen 2:1», so der Gemüsehändler weiter, «dann tut das Ausscheiden besonders weh.»

Auf dieses Resultat tippen und hoffen auch die bereits angereisten Basler: «Uns reicht es», sagen die Rot-Blauen, «und die Bayern gewinnen dennoch.» Der meistgenannte Tipp zeigt zwei Dinge auf: Einerseits, dass die FCB-Fans zwar an ihre Mannschaft glauben (siehe Video), andererseits, dass die Basler-Fans ihre urschweizerische Demut nicht abgelegt haben. In ihren Augen wird ein Sieg «ganz, ganz, schwer», deshalb lieber nichts forcieren, sondern abwarten.

2. lehrt München einen an diesem grau bedeckten Tag: Gewinnt Bayern 7:1, glauben die Fans auch einen weiteren Erfolg. Kaum vorstellbar, was die Fans gesagt hätten, wenn Hoffenheim am Samstag nicht die Arbeit verweigert hätte und gegen das Münchner Star-Ensemble untergegangen wäre. Es kam anders, deshalb glauben die Bayern-Fans, dass die Basler traurig nach Hause fahren werden.

3. So ein Gamsbart-Hut, der hält nicht einfach so auf dem Kopf. Wir haben mit einem Trio Infernale aus Ingoldstadt Bier getrunken und Tabak geschnupft. Die Herren tun das alles mit Hut. Nur wenn sie über die Chancen des FC Basel lachen, fällt das Gamsbart-Ungetüm gerne vom Kopf. Ob das allerdings ein gutes oder schlechtes Omen für den FC Basel ist, konnte oder wollte keiner beantworten.

Letztlich lässt der Puls von München vor allem eines erahnen: Die FCB-Fans – und damit sind tatsächlich die Anhänger beider Mannschaften gemeint – haben die Argumente, die Überlegungen und das Kampfgeschrei ihrer Vordenker aus dem Verein aufmerksam zur Kenntnis genommen und führen das alles gerne in die verbale Schlacht. Die Basler sagen: «Wir haben nichts zu verlieren», «wir haben die Nervenstärke» und «der Druck liegt bei Bayern». Die Münchner-Anhänger sagen: «Das Glück ist zurück», «wir sind am besten unter Druck» und vor allem «das Finale ist in München, da muss Bayern dabei sein».

Wir würden, nach den verbalen Spitzen der Basler, gerne auf dem Feld einen frechen Piekser in die Stolz geschwellte Bayern-Brust sehen. Wenn nicht, dann werden wir am Mittwoch auf dem Viktualienmarkt wohl keine Gratis-Äpfel mehr erhalten. Für Verlierer haben auch die Blauen in München nichts übrig.

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