«Ich bin ned weg»
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«Ich bin ned weg»

Der scheidende Ministerpräsident Bayerns und CSU-Vorsitzende Edmund Stoiber hat seine Partei beschworen, eine Volkspartei zu bleiben. In einer dreistündigen, sehr persönlichen Mammutrede zog Stoiber zudem seine politische Bilanz.

Der Politische Aschermittwoch der Parteien in Bayern stand in diesem Jahr ganz im Zeichen des Abschieds von CSU-Chef Edmund Stoiber. Dabei warnte er die Union vor einer Abkehr vom traditionellen Familienbild und wandte sich gegen eine Begnadigung von RAF-Terroristen. Stoiber wurde von den mehr als 6.000 CSU-Anhängern bejubelt, seine Kritikerin Gabriele Pauli dagegen mit «Pauli-raus»-Rufen bedacht.

Zum Abschluss seiner zweieinhalbstündigen Rede sprach Stoiber in der Passauer Dreiländerhalle von seinem Vermächtnis, das er von niemandem in Frage stellen lasse. Mit deutlichen Worten prangerte er das Hauen und Stechen um seine Nachfolge an. «Eines darf nicht weitergehen wie bisher: die Disziplinlosigkeit und die Aggressivität Einzelner», sagte Stoiber. Wenn der Egoismus und die Disziplinlosigkeit so blieben, werde die CSU ihre Grösse verlieren. Stoibers allerletztes Schlusswort war: «Ich bin ned weg.»

Der im September als CSU-Vorsitzender und Ministerpräsident abtretende Politiker wurde nach der letzten Aschermittwochsrede in dieser Funktion von seinen Anhängern minutenlang gefeiert. In seiner Rede erwähnte Stoiber beide Rivalen um seine Nachfolge im Parteivorsitz positiv, gab aber weder für den bayerischen Wirtschaftsminister Erwin Huber noch Bundesagrarminister Horst Seehofer eine Empfehlung ab.

Beck verspottet Stoiber

Bei weiteren Aschermittwochs-Veranstaltungen traten auch die Vorsitzenden der anderen deutschen Parteien auf. SPD-Parteichef Kurt Beck kritisierte vor rund 800 Mitgliedern und Anhängern im bayerischen Vilshofen den Personalstreit bei der CSU. Er verspottete den Umgang der CSU mit Stoiber: «Wenn man so abgemeiert wird, ist das schon bitter.»

Politische Kundgebungen zum Auftakt der Fastenzeit haben vor allem in Niederbayern eine lange Tradition. Ausgangspunkt war schon im 19. Jahrhundert ein Viehmarkt in Vilshofen. 1919 hatte dort ein Bauernbund zum ersten Mal zu einer Kundgebung aufgerufen. Die CSU hatte 1953 mit den Kundgebungen an diesem Tag begonnen und war wegen des Andrangs 1975 von Vilshofen nach Passau umgezogen.

(SDA/AP/ast)

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