«Ich bin nicht der Co-Trainer»: Nati-Legende Hakan Yakin wehrt sich gegen Kritik
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Nati-Legende im Interview«Habe die Uefa-Lizenz halt noch nicht» – Hakan Yakin wehrt sich gegen Kritik

Beim FC Schaffhausen läuft es. Drei Runden vor Schluss steht der FCS vor dem Aufstieg in die höchste Liga. An der Seitenlinie steht bei den Schaffhausern Hakan Yakin. Mit uns spricht er über die Super League, seinen Bruder und hält seinen Kritikern Paroli. 

von
Nils Hänggi
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Yakin: «In Schaffhausen haben wir mit Martin Andermatt eine spezielle Konstellation.»

Yakin: «In Schaffhausen haben wir mit Martin Andermatt eine spezielle Konstellation.»

20min/Michael Scherrer
Im grossen Interview mit 20 Minuten sagt er: «Egal, wie es kommt – wir haben jetzt schon eine geile Saison.»

Im grossen Interview mit 20 Minuten sagt er: «Egal, wie es kommt – wir haben jetzt schon eine geile Saison.»

20min/Michael Scherrer
Auch spricht er über den Vorwurf, dass er eigentlich der richtige FCS-Trainer ist – und nicht Andermatt.

Auch spricht er über den Vorwurf, dass er eigentlich der richtige FCS-Trainer ist – und nicht Andermatt.

20min/Michael Scherrer

Darum gehts

  • Der FC Schaffhausen ist derzeit Erster in der Challenge League. 

  • Im Interview mit 20 Minuten spricht Schaffhausens Hakan Yakin (45) über den Aufstieg. 

  • Aber auch über seinen Bruder Murat Yakin und was seine genaue Aufgabe beim FCS ist. 

Hakan Yakin kommt gut gelaunt an den Interviewtermin in Schaffhausen. Der 45-Jährige steht mit den Schaffhausern an der Ligaspitze, das Erreichen der Super League? Absolut möglich. Irgendein Druck ist ihm aber nicht anzusehen. Yakin spricht ruhig und überlegt, strahlt Ruhe aus. Nur wenn es um sein Privatleben geht, schweigt er. Der Bruder des Nati-Trainers Murat Yakin will Arbeit und Familie strikt trennen. 

Der FC Schaffhausen steht vor dem Aufstieg. Hakan Yakin, warum steigt der FCS auf?

Wir haben keinen Druck. Vor der Saison redete man immer von Aarau und Winterthur. Sogar Thun und Vaduz wurden besser als wir eingestuft. Von uns redete man nie. Doch, dass wir aber da vorne stehen, ist der Verdienst der Mannschaft.

Spricht man in der Kabine über den Aufstieg?

Egal, wie es kommt – wir haben jetzt schon eine geile Saison. Wir haben nicht das Budget von Aarau oder Winterthur, Schaffhausen hat ein bescheidenes. Die Mannschaft glaubt an den Aufstieg. Wir haben noch drei Spiele. Jeder Spieler weiss, worum es geht. 

Raul Bobadilla überzeugt. Was hat er für eine Bedeutung für das Team?

Seine Präsenz ist Gold wert. Er ist nicht mehr der, der er vor ein paar Jahren war. Er hat einen Wandel von 180 Grad hinter sich. Raul war schon immer ein Teamplayer, war aber auch sehr extravagant. Jetzt hat er aber Erfahrung und ist ein Vorbild für die Jungen. Er ist extrem wichtig für das Team. 

Bobadilla hat einen Vertrag bis Ende Saison. Wollen Sie Ihn behalten?

Wir konzentrieren uns auf diese Saison. Was dann passiert, schauen wir. Nach einer solchen Top-Saison werden wir viele Abgänge haben. Wir haben viele junge Talente, die ihren Weg gehen werden und in die Super League wollen. 

Welche?

Ich will jetzt in der Saison-Endphase keine einzelnen Spieler herauspicken. Das Team als Kollektiv ist sehr stark mit vielen Nationalitäten. Jeder ist füreinander da und ist voll motiviert. Und damit meine ich alle Spieler, nicht nur die ersten Elf. Die sind einfach zu motivieren. 

Am Wochenende gewann der FC Schaffhausen deutlich gegen Kriens. 

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Warum sitzen Sie seit mehreren Spielen freiwillig auf der Tribüne? Sie sind doch Co-Trainer des FCS. 

Ich bin nicht der Co-Trainer. In Schaffhausen haben wir mit Martin Andermatt eine spezielle Konstellation. Er und ich sind auf der gleichen Höhe – was die Arbeit mit dem Team anbelangt. Ich habe die Uefa-Lizenz halt noch nicht. Und ich bin halt ein Typ, der nicht einfach an der Seitenlinie ruhig sitzen kann und viel coacht. Da gab es Kritik, darum sitze ich jetzt mit Funk auf der Tribüne. 

Mit Kritik meinen Sie den Vorwurf, dass Andermatt nur der «Papierli-Trainer» ist und Sie der wahre Chefcoach? 

Es wird viel geschrieben in der Presse.Ich kann damit umgehen, ich habe kein Problem damit. Intern wissen wir, wer welche Position hat und wie die Hierarchie ist. Das sind nur Nebengeräusche. 

Wie sieht denn die Zusammenarbeit mit Andermatt aus?

Letzte Saison war noch mein Bruder Trainer, da war die Hierarchie klar. Er war der Chef, ich sein Co-Trainer. Aber schon bei ihm konnte ich viel mitbestimmen. Vier Augen sehen besser als zwei. Andermatt kenne ich schon länger.

Sie haben es erwähnt, Ihnen fehlt noch die Lizenz, dass Sie Cheftrainer sein können. Was ist der Stand?

Ich bin dran. Auf die neue Saison hoffe ich, dass ich mehr weiss. 

Wenn Sie die Lizenz haben, wann wollen Sie offiziell Cheftrainer werden?

Ach, diese Frage. Bei Schaffhausen habe ich schon viele Möglichkeiten. Wie gesagt, ich bezeichne mich nicht als Co-Trainer. Im taktischen Bereich mache ich sehr viel, auch treffe ich bei der Aufstellung zusammen mit Andermatt Entscheidungen.  

Wie würden Sie sich als Trainer beschreiben?

In meiner Karriere hatte ich viele Coachs. Von jedem picke ich etwas heraus. Unabhängig davon, dass er mein Bruder ist, hat mich Murat aber sicherlich am meisten geprägt. Er geht immer ins kleinste Detail. Die Trainer, die ich früher hatte, wären heute wohl nicht mehr erfolgreich. Der Fussball hat sich verändert. Der Trainer muss das Spiel lesen können, auch währenddessen reagieren können. Und so bin auch ich. 

«Wer weiss, was die Zukunft bringt?», antwortet Yakin auf die Frage, ob er gerne Nati-Co-Trainer geworden wäre. 

«Wer weiss, was die Zukunft bringt?», antwortet Yakin auf die Frage, ob er gerne Nati-Co-Trainer geworden wäre. 

20min/Michael Scherrer

Tauschen Sie sich oft mit Murat Yakin aus?

Nicht täglich, aber sicherlich sehr oft. Ich hole auch mal Feedback ein. Aber grundsätzlich arbeite ich hier mit meinem Team und nicht mit ihm. Kopieren kann ich ihn sowieso nicht. Jeder hat seine eigenen Ideen. Er ist der Defensiv-Typ, ich bin der Offensive. Ich will meinen eigenen Weg als Trainer gehen. 

Wären Sie gerne Nati-Co-Trainer geworden?

Eine gute Frage! Mit der Nati verbinde ich viel, war immer mit Stolz dabei. Ich habe aber das Gefühl, dass ich lange Co-Trainer war, will nun meine eigenen Ideen umsetzen. Bei Schaffhausen bin ich derzeit sehr glücklich. Aber wer weiss, was die Zukunft bringt? 

Zum Schluss: Der FCS kämpft um den Aufstieg, im Schnitt besuchen nur rund 850 Fans die Heimspiele. Enttäuscht?

Es ist nicht enttäuschend. Klar, früher war ich es gewohnt vor, mehreren Tausend Fans zu spielen. Gegen Winti waren auswärts auch 9000. Die Spieler lieben das. Und daher hoffe ich natürlich, dass zukünftig mehr Leute kommen. Aber beeinflussen können wir das nur jeweils in den 90 Minuten, in denen wir auf dem Feld stehen. 

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