Aktualisiert 11.07.2018 07:36

Auf und davon«Ich bin nur wegen der Liebe ausgewandert»

Laut einer Typologie gibt es sieben häufige Gründe, um auszuwandern. Drei Leser mit unterschiedlichen Beweggründen erzählen.

von
pam
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Aline Hovagimian (26) wanderte vor vier Jahren nach Australien aus. In einem Sprachaufenthalt lernte sie ihren zukünftigen Mann kennen, warum sie im Land geblieben ist. Trotzdem sagt sie: «Ich möchte gerne zurück in die Schweiz.»

Aline Hovagimian (26) wanderte vor vier Jahren nach Australien aus. In einem Sprachaufenthalt lernte sie ihren zukünftigen Mann kennen, warum sie im Land geblieben ist. Trotzdem sagt sie: «Ich möchte gerne zurück in die Schweiz.»

zvg
Ihr Verlobter, der an der Universität im Bereich Naturwissenschaften forscht, habejedoch Angst, in der Schweiz keinen Job zu finden, deshalb sei er noch zurückhaltend.

Ihr Verlobter, der an der Universität im Bereich Naturwissenschaften forscht, habejedoch Angst, in der Schweiz keinen Job zu finden, deshalb sei er noch zurückhaltend.

zvg
Zum Typ Karrieremensch gehört M.F. Der Schweizer Informatiker ist nach London ausgewandert, weil er dort Karriere machen konnte.

Zum Typ Karrieremensch gehört M.F. Der Schweizer Informatiker ist nach London ausgewandert, weil er dort Karriere machen konnte.

Rosshelen

Die Expat-Plattform Internations hat über 18'000 Auswanderer aus 187 Ländern befragt, warum es sie ins Ausland gezogen hat. Internations machte sieben Auswanderertypen aus. Drei Leser erzählen, was sie dazu bewogen hat, ihr Glück in der Fremde zu suchen.

Typ Romantikerin: Aline Hovagimian (26)

«Ich bin wegen meines Verlobten nach Sydney ausgewandert. Vor vier Jahren hatte ich dort einen Sprachaufenthalt gemacht und wollte ein Jahr bleiben – doch dann habe ich im Ausgang meinen zukünftigen Mann kennen gelernt. Wir haben diesen Sommer ein Haus in der Nähe von Sydney gekauft und werden bald heiraten.

Das Land ist sehr schön und ich hatte Glück, einen guten Job zu finden. Da ich entfernte Verwandte in Australien habe, war es für mich einfach, eine Aufenthaltsbewilligung zu erhalten. Ich arbeite als Geldwäscherei-Ermittlerin für eine Bank. So gut es mir in Australien gefällt, ich möchte gern zurück in die Schweiz. Ich vermisse meine Familie. Mein Verlobter, der an der Universität im Bereich Naturwissenschaften forscht, hat jedoch Angst, dort keinen Job zu finden, deshalb ist er noch zurückhaltend.

Immerhin feiern wir unsere Hochzeit in der Schweiz. Mein Verlobter hat das vorgeschlagen, damit seine Verwandten sehen, wo ich aufgewachsen bin.»

Typ Karrieremensch: M. F.* (37)

«Ich habe in der Schweiz eine Lehre als Informatiker gemacht. Nach einigen Jahren Berufserfahrung wollte ich mich als Teamleiter bewerben, bekam jedoch nur Absagen, weil ein Studium gefordert wurde. Nach Gesprächen mit Kollegen war mir klar: In der Schweiz komme ich trotz Erfahrung nicht weiter. Deshalb bin ich 2010 nach London ausgewandert. Schon nach kurzer Suche fand ich einen Job als IT-Supporter.

Zwar war der Job unter meinen Fähigkeiten. Aber ich habe ihn angenommen, weil ich wusste, dass ich profitierte und in London schnell aufsteigen kann. Tatsächlich legen Firmen in England viel weniger den Fokus auf den Abschluss auf dem Papier: Nach zwei Jahren führte ich fünf Leute, heute ist es ein globales Team von 27 Personen. Und das Beste: Momentan mache ich an der London Business School noch einen Master, was hier problemlos neben einem Vollzeitjob möglich ist.

Ich bereue den Schritt keine Sekunde. Von Freunden und Familie wurde ich stets dazu ermuntert, zu tun, was mir guttut. Doch nicht nur aus Karrieresicht hat sich der Schritt gelohnt: Ich habe viele gute Freunde hier gefunden. Und eine Pointe zum Schluss: Ich bin derzeit in einer Beziehung mit einer Frau, die in der Schweiz lebt. Ich reise nun also alle paar Wochen zurück in die alte Heimat.»

Typ Optimierer: Familie L*. (28 und 29)

«Wir sind als Familie mit zwei Kindern vor einem Jahr nach Norwegen ausgewandert und sehen uns als Optimierer. Wir sind ausgewandert, weil wir unseren Kindern Chancen im Leben geben wollen, ohne dabei uns selber zu überarbeiten und damit wichtige Familienzeit zu verlieren.

Meine Frau (29) und ich (28) waren im unteren Mittelstand und kämpften uns durch die Monate nach der Geburt unserer Tochter. Das Einkommen meiner Partnerin hat geradeso gereicht für den Kinderhort, dazu kamen noch die Kosten für Versicherungen und Lebenskosten. Deshalb sind wir ausgewandert, und das war die beste Entscheidung. In Norwegen können wir beide arbeiten: ich 100 Prozent und meine Frau 80 Prozent. Der Kinderhort wird zum grössten Teil vom Staat subventioniert, Familien werden ebenfalls finanziell gefördert. Die Lebensqualität ist höher. Und wir sind den Stress los, wie wir unseren Haushalt nur über die Runden bringen können. Die maximale Arbeitszeit pro Woche beträgt 37,5 Stunden, und im Sommer sind es sogar nur 28 Stunden. Das ist für mich als Vater ein extremes Plus, da ich meine Kinder so oft wie noch nie zuvor sehen kann.

Auch wenn wir die Schweiz als Ganzes sehr vermissen, war es für uns die beste Entscheidung. Wir kaufen uns jetzt unser erstes eigenes Heim, das wäre in der Schweiz in den nächsten zehn Jahren nie ein Thema gewesen.»

* Namen der Redaktion bekannt.

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