23.10.2020 18:08

3 mit Sex«Ich bin polyamourös – aber nur ganz kurz!»

Bruces Ferienflirt entwickelt sich überraschend zu einer Dreiecksbeziehung. Bis alles in die Brüche geht.

von
Bruce
Meret Steiger
1 / 4
Bruce weiss: «Unsere Dreierkiste hätte nie funktionieren können.» Das Ende hat ihn trotzdem traurig gemacht.

Bruce weiss: «Unsere Dreierkiste hätte nie funktionieren können.» Das Ende hat ihn trotzdem traurig gemacht.

Anna Deér
Er ist ein bekannter Musiker, gilt als heterosexuell. Bruce wird auf der Strasse erkannt und empfängt Journalistinnen für Homestorys. Er datet öfter Männer als Frauen und muss aufpassen, dass ihn seine Groupies nicht ertappen.
Bruce

Er ist ein bekannter Musiker, gilt als heterosexuell. Bruce wird auf der Strasse erkannt und empfängt Journalistinnen für Homestorys. Er datet öfter Männer als Frauen und muss aufpassen, dass ihn seine Groupies nicht ertappen.

Illu: Anna Déer
Er ist ein schwuler Designer aus dem Aargau, WG-Mami und wilder Single, der gut mit Hammer und Nägeln umgehen kann. Insgeheim hat Lars aber genug davon, im und ausserhalb des Betts immer den aktiven Part zu übernehmen.
Lars

Er ist ein schwuler Designer aus dem Aargau, WG-Mami und wilder Single, der gut mit Hammer und Nägeln umgehen kann. Insgeheim hat Lars aber genug davon, im und ausserhalb des Betts immer den aktiven Part zu übernehmen.

Illu: Anna Deér

Darum gehts

  • Bruce trifft eine alte Bekannte wieder.

  • Er hat sich im Sommer 2017 mit ihr und ihrem Freund in Südfrankreich vergnügt.

  • Die drei haben auch «Pärchenkram» zusammen gemacht.

  • Obwohl für Bruce klar war, dass diese Dreiecks-Beziehung nicht funktionieren kann, hat ihn das Ende mitgenommen.

Am Bahnhof steht plötzlich Laura vor mir. Einfach so. Ich habe sie seit drei Jahren nicht mehr gesehen. «Wie gehts?», fragt sie. Wir plaudern kurz. Dann muss sie auf den Zug. Und ich bin im Kopf wieder in Südfrankreich im Sommer 2017.

Damals habe ich Laura und Stefan in einer Bar kennen gelernt. Sie erkannten mich und sprachen mich auf mein letztes Album an. Sie waren ein Paar. Aber keines von der Sorte «Candle Light Dinner». Eher von der Sorte «Nacht durchmachen». Das haben wir dann auch getan. Nach Mitternacht gingen meine beiden Reisebegleiter nach Hause und ich mit Laura und Stefan in die einzige Bar in diesem kleinen Städtchen, die uns und einem älteren Alki um diese Zeit noch Pastis und Vin blanc servierte. Irgendwann knallten sie uns raus und wir gingen (ohne Alki) in Lauras und Stefans Mietwohnung.

«Wir hatten auf einem hässlichen Samtsofa Sex»

Als Stefan auf dem Klo verschwand, begann mich Laura zu küssen. Nicht irgendwelche Küsse, sondern solche, bei denen mir sofort klar war, dass sie der Auftakt für mehr sein mussten. Nach fünf Minuten merkte ich, dass Stefan im Türrahmen stand und uns zuschaute. Eine Weile blieb er ganz ruhig stehen. Dann setzte er sich zu uns und wir machten gemeinsam rum. Wir begannen, uns auszuziehen, bis wir schliesslich auf einem hässlichen Samtsofa Sex hatten. Danach kuschelten wir uns zu dritt in den Schlaf.

Trotz oder gerade wegen des fürchterlichen Katers am nächsten Tag (verflucht seist du, Pastis!) ging mir der Abend nicht mehr aus dem Kopf. Laura und Stefan reisten am Nachmittag ab. Ich blieb noch ein paar Tage länger in der Provence, und whatsappte jeden Tag mit den beiden. Als auch ich zurück aus den Ferien war, verabredeten wir uns zum Znacht. Gegessen wurde an diesem Abend nicht viel. Aber die Fleischeslust kam nicht zu kurz. Von da an sahen wir uns jede Woche und begannen sogar, zu dritt so Pärchen-Sachen zu unternehmen. Wanderungen, Tagesausflüge und so was. Und es fühlte sich gut an. Irgendwie hiessen sie mich so willkommen in ihrer Beziehung, dass ich mir nie fehl am Platz vorkam.

«Einen neuen Frühling in ihrem Beziehungs-Spätsommer»

Trotzdem war immer klar, dass ich in der Beziehung nur der Gast war. So hatte ich nie etwas mit Laura oder Stefan alleine, und wir stellten uns auch nicht gegenseitig unseren Freunden oder Familien vor. Und trotzdem war ich nicht eifersüchtig. Dazu war alles viel zu ungezwungen, zu verknallt, und ich verdrängte erfolgreich alles, was nicht in diese rosarote Experience passte. Wir sprachen nicht darüber: Aber irgendwie hatte ich den Eindruck, dass auch die beiden durch mich einen neuen Frühling in ihrem Beziehungs-Spätsommer erlebten. Bis überraschend der Winter hereinbrach.

Eines Abends rief mich ein weinender Stefan an und berichtete mir, dass sie sich getrennt hatten. Mein Herz brach mit. Warum es aus war, habe ich bis heute nicht ganz verstanden. Wahrscheinlich war ich wie das Kind, das die Beziehung noch eine Weile übers Ablaufdatum hinaus gekittet hatte.

«Auf Dauer hätte unsere Dreierkiste nie funktionieren können»

Nach unserer Trennung haben wir uns nie mehr gesehen. Über drei Ecken habe ich erfahren, dass beide die Stadt verlassen haben. Das war das Letzte, was ich mitbekam. Bis zu dem Moment, als ich Laura am Bahnhof sah. Sie umarmte und den vertrauten Geruch ihrer haselnussbraunen Haare einatmete. Ich weiss: Auf Dauer hätte unsere Dreierkiste nie funktionieren können. Aber genau deshalb wird es mir so nostalgisch warm ums Herz, wenn ich daran zurückdenke.

Sex-WG

3 mit Sex

Ella, Lars und Bruce heissen in Wirklichkeit gar nicht so, und auch einige Angaben sind geändert. Wahr ist aber, dass sie leidenschaftlich gern durch die Keller und Clubs der besten Stadt dieses Landes tanzen. Die drei Singles lieben Techno, Rührei und die stabilen Betten ihrer WG. Und sie wissen: Falls sie sich je zu dritt darin vergnügen, ist das das Ende von allem – oder der Beginn von etwas noch Grösserem. 20 Minuten erzählen sie exklusiv von ihren Abenteuern.

Deine Meinung

Fehler gefunden?Jetzt melden.