Aktualisiert 30.04.2013 09:11

Coming-out in der NBA

«Ich bin schwarz. Und ich bin schwul»

Als erster Spieler einer grossen US-Profiliga hat sich Jason Collins zu seiner Homosexualität bekannt. Es war der Bombenanschlag auf den Boston Marathon, der ihn schliesslich zu dem Schritt ermutigte.

von
fox

«Ich bin ein 34-jähriger NBA-Center. Ich bin schwarz. Und ich bin schwul.» So beginnt Jason Collins sein Coming-out in der «Sports Illustrated». Collins ist der erste Profi einer der vier grossen nordamerikanischen Ligen (NBA, NHL, NFL, MLB), der offen zu seiner Homosexualität steht. Seit zwei Jahren habe er sich überlegt, diesen Schritt zu wagen. Mit ein Grund dafür war sein ehemaliger Uni-Zimmerkollege Joe Kennedy. Der Grossneffe des ermordeten Präsidenten John F. Kennedy und heutige Kongressabgeordnete erzählte ihm 2012, dass er an der Gay Pride Parade mitlief.

Collins rang damals schon seit rund einem Jahr mit einem Coming-out. Während dem Lockout 2011 hätte er plötzlich viel Zeit gehabt, über sein Leben nachzudenken. Er war für einmal nicht vom Basketball abgelenkt und erzählte seiner Tante Teri, dass er schwul sei. Diese meinte lediglich: «Ich habs immer gewusst.» Die Reaktion bestätigte Collins in seinem Vorhaben. Auch wenn nicht alle seine sexuelle Orientierung ahnten. Sein Zwillingsbruder Jarron etwa war total überrascht, unterstützte ihn aber von Anfang an.

«Mir wäre lieber, jemand anders wäre vorangegangen»

Kennedys Bekenntnis, dass er beim Gay Pride 2012 mitlief, erfüllte Collins fast mit Neid. Sein nicht-schwuler Freund habe etwas getan, was ihm nicht gelungen sei. Den definitiven Ausschlag gaben pikanterweise die Ereignisse rund um den Boston Marathon. Da realisierte der 34-Jährige, dass sich das Leben schnell ändern kann. Und er wollte nicht mehr mit einer Lüge leben.

Um die Rolle des Vorreiters habe er sich nicht gerissen: «Ich wünschte, ich wäre nicht das Kind, das im Klassenzimmer die Hand hebt und sagt: ‹Ich bin anders.› Mir wäre es lieber, jemand anderes hätte dies getan. Aber keiner tat es, und deshalb hebe ich meine Hand.» Jetzt aber sei er glücklich, die Diskussion angerissen zu haben.

Mit Kennedy an die Gay Parade

Collins, der seit zwölf Jahren Profi ist, bei sechs verschiedenen Klubs spielte und zuletzt bei den Boston Celtics aktiv war, ist auf der Suche nach einem neuen Klub. «Ich möchte weiter Basketball spielen. Ich liebe das Spiel immer noch, und ich habe noch viel zu bieten. Gleichzeitig möchte ich aufrichtig und authentisch sein.» Er geht damit einen anderen Weg als der Fussballer Robbie Rogers, der seine Karriere nach dem Coming-out im Februar beendete.

Rogers fürchtete sich vor Anfeindungen im Stadion. Collins sagt: «Ich bin Pragmatiker. Ich hoffe das Beste, und plane für das Schlechteste.» Bevor die neue Saison – mit oder ohne Collins beginnt – freut er sich auf den 8. Juni. Er habe seinem alten Freund Joe Kennedy gesagt, dass er schwul sei. Dieser fragte ihn daraufhin, ob er an der Gay Pride Parade teilnehmen wolle. Am 8. Juni laufen die beiden los.

Obama gratuliert

Die Reaktionen auf das Coming-out von Jason Collins sind überwiegend positiv. Präsident Barack Obama telefonierte mit dem Basketballer und versicherte ihm, er sei «beeindruckt von seinem Mut». Ex-Präsident Bill Clinton sprach in einer Mitteilung von «einem wichtigen Moment für den professionellen Sport und die Geschichte der homosexuellen Gemeinschaft». Seine Tochter Chelsea hat – wie der heutige Kongressabgeordnete Joe Kennedy – mit Collins an der Elite-Uni Stanford in Kalifornien studiert.

Kritik gab es von der rechten Aussenbahn und aus streng religiösen Kreisen. Chris Broussard, ein Basketball-Kommentator des Sportsenders ESPN, bezichtige Jason Collins, er betreibe «offene Rebellion gegen Gott und Jesus Christus». Und der Football-Profi Mike Wallace von den Miami Dolphins schrieb auf Twitter: «So viele schöne Frauen auf der Welt, und Kerle wollen mit anderen Kerlen rummachen.» Nach einer Intervention seines Klubs twitterte Wallace, er sei «missverstanden» worden.

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