Zubi über Besuch in Katar – «Ich bin sicher, nach der WM in Katar werden alle sagen – wow, das war geil»
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Zubi über Besuch in Katar «Ich bin sicher, nach der WM in Katar werden alle sagen – wow, das war geil»

Pascal Zuberbühler ist von der WM in Katar überzeugt. Der ehemalige Nati-Goalie verfolgte den Arab Cup, also die Generalprobe zur WM, live vor Ort.

von
Sven Forster
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Pascal Zuberbühler zieht immer wieder die Fussballhandschuhe an. 

Pascal Zuberbühler zieht immer wieder die Fussballhandschuhe an.

zvg
Zuletzt stand er mit einer Legendenauswahl in Katar auf dem Platz.

Zuletzt stand er mit einer Legendenauswahl in Katar auf dem Platz.

zvg
Mit Spielern wie Cafu stand er auf dem Platz. 

Mit Spielern wie Cafu stand er auf dem Platz.

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Darum gehts

  • Pascal Zuberbühler war an der Generalprobe für die WM in Katar dabei.

  • Er stand für die Fifa im Einsatz.

  • Für ihn ist klar: Es wird ein grandioses Turnier.

Sie waren zuletzt am Arab Cup in Katar. Was haben Sie dort gemacht?

Pascal Zuberbühler: Ich war mit der Fifa Technical Study Group vor Ort. Mit Steve McClaren, Dwight York, Jürgen Klinsmann und weiteren haben wir die Spiele beobachtet und im Anschluss gemeinsam analysiert. Die Fifa hat eine neue Plattform, auf der man die Erkenntnisse teilt. Man arbeitet mit zahlreichen Statistikern zusammen, muss die Erkenntnisse aber zusammenfassen in einer Fussballsprache, die für jeden verständlich ist.

Für wen sind die Infos zugänglich?

Für alle. Die Fifa übernimmt die Kosten für das weltweite Projekt. Das Ziel ist, den Fussball wieder überall näher zusammenzubringen. Das ist auch ein Auftrag der Fifa. Wir teilen nicht nur Erkenntnisse der Spiele, sondern auch Trainingsmethoden und vieles mehr. An der WM werden wir das auch machen. Es ist ein langfristiges Projekt, um die Lücke zwischen den verschiedenen Verbänden zu schliessen.

Was war der Arab Cup für ein Erlebnis?

Ich war in sechs von acht WM-Stadien vor Ort. Die Arenen sind fantastisch. Alle acht WM-Stadien sind maximal die Distanz zwischen Zürich und Luzern voneinander entfernt.

Was macht es denn aus?

Die Stadien wurden nur für Fussball gebaut. Somit gibt es eine richtig tolle Atmosphäre, es ist abartig. Sie sehen auch toll aus.

Wie sind die klimatischen Bedingungen auf dem Feld?

Ich habe nicht erlebt, dass man die Klimaanlage einsetzen musste. Die Temperaturen sind gut im November und Dezember. Dazu sind die Plätze in einem super Zustand.

Lohnt es sich also, dass man die WM auf den Winter geschoben hat?

Klar, es wird eine aussergewöhnliche WM. Wir werden aber nie mehr so eine geile Weltmeisterschaft sehen. Es wird etwas mega Sensationelles. Ich bin sicher, nach dem Turnier werden alle sagen: Wow, das war geil. Wenn ich nochmal eine Weltmeisterschaft spielen könnte, dann diese.

Die Fussballkultur in Katar ist aber noch nicht besonders verbreitet…

Moment, der Fussball in Katar ist schon am Boomen. Man hat auch viele europäische Trainer.

Ich meine mehr die Zuschauer.

Auch dort. Beim Arab Cup hat man es gesehen. Am Anfang hatte man noch 5000 Zuschauer. Katar hat dann gut gespielt und plötzlich waren es 60’000 Fans im Stadion.

Wie würden Sie die katarische Nationalmannschaft einschätzen?

Sie werden an der WM nicht abgeschossen werden. Sie haben auch gute Spieler im Team in der Offensive und der Verteidigung. Im Tor haben sie etwas Probleme. In den Final werden sie nicht kommen, aber gut mitspielen.

Haben Sie mit Einheimischen gesprochen? Wie geht man dort mit dem Grossprojekt Weltmeisterschaft um?

Die sind voller Tatendrang. Alles wird für die WM gebaut und es ist so eine grosse Vorfreude. Es ist bombastisch, was vor Ort abgeht. Die Katari wollen der Welt zeigen, was sie für einen Anlass auf die Beine stellen können.

Katar als WM-Gastgeber steht wegen der Menschenrechtslage und der Bedingungen für ausländische Arbeiter seit Jahren in der Kritik. Wie geht die Fifa das an? Ihre persönliche Meinung?

Da müsste man jemanden von der Fifa fragen, der mehr in dem Bereich ist. Ich habe meine persönliche Meinung, da muss man aber immer aufpassen. Ich weiss, es ist brutal, wie hart die Arbeit ist. Ich habe ja auch nicht gesehen, wie und wo die Arbeiter leben. Aber es gibt ja auch kaum mehr positive Berichte über die Fifa. Es geht immer um die kritische Überschrift in der Berichterstattung.

Aber es wird ja von über 6500 toten Gastarbeitern auf den WM-Baustellen gesprochen. Das sind ja schon schockierende Zahlen.

Da bin ich grundsätzlich die falsche Person, die eine korrekte Auskunft geben kann. Ich weiss, dass die Zahl von der Fifa dementiert wurde.

Die Fifa steht derzeit auch aufgrund der Verkürzung des WM-Rhythmus von vier auf zwei Jahre im Fokus. Ihre Meinung?

In den letzten Jahren schafften es nur noch Teams aus Südamerika und Europa in den WM-Halbfinal. Bei den Juniorenturnieren, die öfters stattfinden, ist das nicht der Fall. Talente werden meistens bei Wettkämpfen gefördert. In Europa hat man viele Möglichkeiten, in anderen Ländern weniger. Man hat so eine Diskrepanz von U-17-WM zur Elite. Warum reduziert man also nicht den Rhythmus? Man gibt so den Jungen die Möglichkeit. Von mir aus würde es Sinn machen, da es den Fussball wieder näher zusammenbringt. Arsène Wenger und Gianni Infantino wollen den Fussball wieder global machen. Man will allen eine Chance geben.

Wertet man mit einer zweijährigen WM nicht kleinere Continental-Turniere ab?

Ich bin sicher, die würden das sofort unterschreiben. Die Talente dort haben sonst keine Chance. Alle haben immer das Gefühl, die Fifa will mit dem neuen Rhythmus Geld machen. Allerdings würde das Geld einfach wieder in Projekte fliessen, wie zum Beispiel das Trainingscenter. Wir haben auch Befragungen bei Spielern und Trainern durchgeführt. Besonders war: Die Uefa hat den Captains der Nationalmannschaften verboten, bei der Präsentation von Arsène Wenger zuzuhören. Wir wollen doch nur, dass die WM noch besser wird. Aber es geht alles nur ums Geld, was sehr traurig ist.

Arab Cup

Der Fussballwettbewerb in der arabischen Welt wird in unregelmässigen Abständen ausgetragen. Zuletzt fand er im Jahr 2012 statt. Im Dezember dieses Jahres wurde er als Generalprobe für die Fifa-WM in Katar wiederbelebt. Das Turnier wurde von Algerien gewonnen. Das Team setzte sich im Final gegen Tunesien durch. Gastgeber Katar scheiterte im Halbfinal.

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