Moby: «Ich bin so ein Hippie geworden»
Aktualisiert

Moby«Ich bin so ein Hippie geworden»

Im Interview mit 20 Minuten spricht der Musiker über Drogen, Hasstiraden und seinen Kinderwunsch.

von
Marlies Seifert

Moby, wie gefällt Ihnen Ihre neue Wahlheimat Los Angeles?

Sehr gut. Los Angeles besteht keinesfalls nur aus Schönheitschirurgie und Strandleben. Ich bin hier umgeben von Natur und sehe regelmässig Rehe, Koyoten oder Klapperschlangen. LA ist zwar riesengross, aber auch sehr provinziell.

Die Natur hat es Ihnen angetan?

Ja, herrje, ich kann selber kaum glauben, was für ein Hippie ich geworden bin. Pflanzen sind unglaublich – und viel interessanter als alles, was der Mensch je geschaffen hat. Sie können sich sogar selber heilen!

Moby - The Perfect Lie

Und mit dem New Yorker Stadtleben haben Sie abgeschlossen?

New York ist der tollste Ort der Welt, wenn man trinkt: niemand fährt Auto und die Bars sind bis frühmorgens offen. Als ich ein verrückter Alkoholiker war, habe ich das geliebt. Aber sobald man nüchtern wird, merkt man, dass man in einer Stadt voll mit Bankern und Touristen ist. Wenn man ein normales Leben führen will mit Hund und Familie ist das nichts.

Sie wünschen sich Kinder?

Als Menschen sind wir eher dazu angelegt, Familien zu gründen, als alleine durchs Leben zu schreiten. Es ist zwar nicht schlimm, ein musizierender Single zu sein, aber es ist schon sehr limitiert. Mit 47 sollte ich jedoch bald mal loslegen. Wer will schon als Achtzigjähriger seine Kinder beim Fussballspielen anfeuern.

Was hält sie zurück?

Die Tatsache, dass Kinder mich ziemlich sicher so sehr erschöpfen würden, dass ich keine Zeit mehr hätte für die Musik. Das würde ich für den Rest meines Lebens bedauern.

Manche Leute würde das wohl freuen. Sie zählen wohl zu den meistgehassten Menschen auf dem Planeten. Wie geht man damit um?

Indem man die Kritik ignoriert. Ich google mich zwar regelmässig selber, aber es ist gesünder für mich, wenn ich mich nicht mehr mit so schrecklichen Dingen wie Morddrohungen auseinandersetze. Heute geniesse ich das warme Wetter in L.A., mache den ganzen Tag Musik und kümmere mich nicht darum, ob mich die Leute hassen oder nicht. Auch was den Erfolg betrifft, mache ich mir keinen Druck mehr.

Leicht zu sagen, wenn man schon Millionen verdient hat.

Klar, ich befinde mich in einer privilegierten Situation. Aber in vielerlei Hinsicht fühle ich mich jetzt wieder so frei wie damals, als ich mit Anfang 20 von daheim auszog und in einer verlassenen Fabrik ohne Strom und fliessendes Wasser gelebt habe. Der einzige Unterschied ist, dass ich meine Freunde jetzt zum Abendessen einladen kann und sie nicht mehr darum anbetteln muss.

Mobys neues Album «Innocents» ist im Handel erhältlich.

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