Supertalent Riola Xhemaili: «Ich bin stolz, die Schweizer Hymne singen zu dürfen»
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Supertalent Riola Xhemaili«Ich bin stolz, die Schweizer Hymne singen zu dürfen»

Sie ist jung und sehr talentiert. Riola Xhemaili ist Captain des FC Basel und eine der jüngsten Nati-Spielerinnen aller Zeiten. Wir stellen das Schweizer Supertalent vor den entscheidenden Spielen gegen Tschechien vor.

von
Nils Hänggi
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Riola Xhemaili ist FCB-Captain. 

Riola Xhemaili ist FCB-Captain.

Urs Lindt/freshfocus
Im Februar 2019 schoss sie ihren ersten Treffer für die Basler. Der FCB gewann gegen YB mit 2:1. Erst 15-jährig war sie zu diesem Zeitpunkt. 

Im Februar 2019 schoss sie ihren ersten Treffer für die Basler. Der FCB gewann gegen YB mit 2:1. Erst 15-jährig war sie zu diesem Zeitpunkt.

Urs Lindt/freshfocus
Auch gehört sie zu den jüngsten Nati-Spielerinnen aller Zeiten. Dass sie für die Schweizer Nati auflaufen wird, war für sie immer klar.

Auch gehört sie zu den jüngsten Nati-Spielerinnen aller Zeiten. Dass sie für die Schweizer Nati auflaufen wird, war für sie immer klar.

Alex Nicodim/freshfocus

Darum gehts

  • Riola Xhemaili wird als das neue Fussballtalent der Schweiz gefeiert.

  • Und die 18-Jährige hat auch schon viel erreicht.

  • Sie ist Nati-Spielerin und Captain des FC Basel.

  • «Ich habe noch so viele Ziele, die ich erreichen will», sagt sie.

  • Doch erstmals sind die Playoff-Partien der Schweizer Nati gegen Tschechien dran.

«Auf dem Platz brilliert sie mit Übersicht, Zweikampfstärke und grossem Willen.» – «Vorhang auf für die Schweizer Fussballhoffnung.» – «Sie ist ein Versprechen für die Zukunft.» Es sind Zeitungs-Schlagzeilen, die beeindrucken. Sie zeigen, dass sich die Schweizer Fussball-Fans über eine junge Frau freuen dürfen, die begeistert: Riola Xhemaili. 18 Jahre ist sie jung. In einem Alter, in welchem andere nur an den Ausgang denken oder daran, wie es ist, endlich erwachsen zu sein, hat Xhemaili schon viel erreicht.

Sie ist Captain des FCB-Teams. Lief in der laufenden Women’s-Super-League-Saison bereits 21 Mal auf, schoss acht Tore und bereitete zwei weitere vor. Auch ist sie eine der jüngsten Nati-Spielerinnen aller Zeiten. Bei ihrem ersten Einsatz am 22. September 2020 gegen Belgien wurde sie für Ramona Bachmann eingewechselt. 17 Jahre alt war sie da. Dass sie genau für Bachmann eingewechselt worden ist – ein Traum für Xhemaili. 20 Minuten erreicht sie am Telefon. Sie ist bei der Nati. «Ramona ist, seit ich mit dem Fussball angefangen habe, mein absolutes Idol», erzählt sie.

«Ich will Chelsea-Spielerin werden»

Am 9. und 13. April stehen die entscheidenden Playoff-Partien gegen Tschechien an. Wer sich durchsetzt, ist an der EM 2022 mit dabei. «Wir sind ein megatolles Team, halten absolut zusammen. Ich glaube, wir können Tschechien schlagen», so die 18-Jährige. Wenn der Nachwuchsstar redet, klingen ihre Sätze überlegt. Sie weiss, wie sie etwas zu formulieren hat. Auch merkt man: Xhemaili ist ehrgeizig. Sie hat Ziele, Träume.

Darauf, was sie bisher in ihrer noch jungen Karriere bereits erreicht hat, ist sie stolz. Sie ergänzt aber: «Ich habe noch so viele Ziele, die ich erreichen will. Ich glaube, das ist sehr wichtig. Ohne Ziele im Leben kommt man nicht weit. Man darf sich nicht ausruhen. Ich habe jetzt die ersten Etappen geschafft. Doch ich will mehr.» Kurz: Xhemaili hat klare Vorstellungen, sie weiss, was sie will. In ein paar Jahren sehe sie sich als Fussballerin im Ausland, erzählt sie. Wenn möglich bei Chelsea. «Die Londoner gehören einfach zu den besten Adressen im Frauenfussball. Dass ich mal eine Chelsea-Spielerin werde, ist ein Kindheitstraum von mir.»

Mit Fussball angefangen hat sie früh. Als sie zehn war, begleitete Xhemaili ihren 30 Minuten älteren Zwillingsbruder Rion (der in der U18 des FCB spielt) zu einem Training beim FC Solothurn. Damals habe sie noch Volleyball gespielt, erzählt sie. «Doch Rion kickte schon damals. Ich schaute ihm immer zu mit seinen Kollegen. Und ich merkte: Ich will das auch. Ich will nicht Volleyball spielen. So nahm ich an einem Probetraining teil.» Xhemaili überzeugte. Zusammen mit ihrem Bruder bildete sie ein gefürchtetes Mittelfeld-Duo und wechselte mit ihm zum FC Basel. Im Februar 2019 ging dann erstmals ihr Stern so richtig im Schweizer Frauenfussball auf. Der FCB gewann gegen YB mit 2:1. Und der Name Xhemaili tauchte erstmals in der Liste der Torschützinnen auf. Erst 15-jährig war sie zu diesem Zeitpunkt.

Schweizer Hymne singt sie mit Stolz

Es begann also früh. Und ihre Karriere, sie verläuft schnell. Ohne Downs, ohne Missgeschicke. Dennoch: Abgehoben ist die junge Schweizerin nicht. Sie sei absolut bodenständig, sagt sie und lacht. «Noch nie habe ich gedacht, dass ich besser bin als andere. Ich bin Riola, die Fussballerin. Nicht mehr. Nicht weniger.» Wenn sie das sagt, nimmt man ihr das ab. Ihr geht es einfach um das Spiel. Was sie auch bestätigt. «Fussball ist wie eine zweite Familie für mich. Ich kann mich auszeichnen, kann meine Persönlichkeit zeigen. Er ist alles für mich», so Xhemaili.

Geboren wird sie als Kind kosovarischer Eltern in Solothurn. Dass sie für die Schweizer Nati auflaufen wird. war für sie dennoch immer klar. «Natürlich habe ich Familie im Kosovo, die sehr stolz auf mich ist, doch ich wollte schon immer für die Schweiz auflaufen. Ich bin hier aufgewachsen und bin stolz, die Schweizer Hymne singen zu dürfen», so der FCB-Star, der im Sommer seine Lehre als Bankkauffrau bei der Basler Kantonalbank abschliessen wird. Xhemaili sagt: «Wenn ich dieses Kapitel beendet habe, habe ich auch wieder ein wenig mehr Zeit.» Damit hat sie recht. Denn ihre Woche derzeit, sie ist vollgepackt. An einem Tag hat sie Schule, Training und Arbeit. «Klar, manchmal bin ich schon sehr müde», gibt sie zu. Aber es sei absolut machbar. «Ist alles eine Frage der Organisation», meint sie weiter und lacht.

Man darf gespannt sein, was noch folgen wird, wenn sie im Sommer mit ihrer Lehre fertig ist. Kommt schon dann ein Wechsel? Oder wird sie in Basel bleiben? Wie wird sie sich weiterentwickeln? Wird sie ihre Social-Media-Accounts weiter pushen? Fragen über Fragen. Und noch keine Antworten. Obwohl – auf die letzte Frage schon. «Zukünftig will ich auf Instagram und so schon noch aktiver sein. Alisha Lehmann macht das super. Von den Fussballerinen weltweit macht sie das sicherlich am besten», so Xhemaili. Dann macht die 18-Jährige eine kurze Pause und ergänzt: «Aber Fussball bleibt immer meine Nummer eins.»

Die Nati glaubt an den Sieg gegen Tschechien

Am 9. und 13. April trifft die Schweizer Nati auf Tschechien. Es sind entscheidende Spiele für die Schweizer Fussball-Frauen, handelt es sich doch um die Playoff-Partien, die entscheiden, wer an der EM 2022 teilnehmen wird.

Nati-Coach Nils Nielsen ist absolut zuversichtlich. Vor der Partie sagt er: «Tschechien ist ein gefährliches Team. Besonders in der Offensive sind die Tschechinnen sehr gefährlich. Doch ich denke, für uns ist es kein schlechtes Los. Wir hätten auch auf ein Team treffen können, das nur verteidigt. Wir sind die Favoritinnen.» Auch Goalie Gaëlle Thalmann glaubt an das erfolgreiche Bestreiten der Playoffs: «Es wird nicht einfach. Tschechien hat gute Spielerinnen. Wenn wir unsere Qualität auf den Platz bringen, dann sind unsere Chancen aber gross», so Thalmann. (nih)

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