Liam Neeson: «Ich bin todernst»

Aktualisiert

Liam Neeson«Ich bin todernst»

Liam Neesons Thriller «Ruhet in Frieden» kommt diese Woche ins Kino. Warum er auch Komödien dreht, ohne lustig zu sein, erklärt der 62-Jährige im Interview.

von
Catharina Steiner

Schauspieler Liam Neeson im Interview mit 20 Minuten. (Video: Roland Schäfli)

Herr Neeson, in Ihrem neuen Film geht es um Gut und Böse und um Rache. Ist es Ihnen wichtig, dass es eine spirituelle Komponente in Ihren Werken gibt?

Ich denke ja. Wir suchen doch alle nach einem spirituellen Sinn im Leben. Je älter man wird, desto wichtiger wird diese Suche. Man weiss, dass man dem Tod ins Auge blickt. Ich suche immer nach etwas, das ein wenig mehr Tiefe und Bedeutung hat als normale Unterhaltung.

Wie wichtig ist Ihnen Religion?

Sie ist mir nicht wichtig. Ich wurde zwar religiös erzogen, aber heute spielt das keine Rolle in meinem Leben.

Ein Priester war aber eine wichtige Person in Ihrem Leben, oder?

Er trainierte mich während meiner Jugend in Nordirland im Boxen, das stimmt. Er hatte grossen Einfluss auf mich.

«A Walk Among the Tomstones» spielt 1999, kurz vor der Jahrtausendwende. Was war damals Ihre grösste Angst?

Es war der Beginn eines neuen Millenniums. Das kam mir historisch bedeutsam vor, aus vielen Gründen. Hollywood hat viele Filme und Serien zum Thema produziert. Alle drehten sich um Katastrophen. Aber ich persönlich hatte keine Angst. Ausser eine: dass ich einen neuen Fernseher kaufen müsste, weil der alte um Mitternacht auseinanderfallen würde.

Ihre Figur im Film hat es nicht so mit der Technik. Sind Sie selbst ein Tech-Fan, lieben Sie Gadgets?

Nein, ich stehe der technologischen Explosion eher skeptisch gegenüber. Ich vertraue dem nicht. Es gibt so viele Hacker und so viele private Informationen, zu denen Menschen Zugang zu haben scheinen. Das macht mir Angst. Ich hab ein Handy und ein iPad, auf dem ich Drehbücher lese. Mehr nicht.

Spüren Sie den Druck, im Internet aktiv zu sein?

Nein, gar nicht. Es gibt jemanden in Hawaii, der eine Domain mit meinem Namen hat. Vor 15 Jahren machte er meiner Presseperson ein Angebot. Er wollte 10'000 Dollar. Ich sagte: Scheiss drauf, er soll sie doch behalten. Ist mir egal.

Ich habe Sie gestern auf dem roten Teppich beobachtet. Sie scheinen die Aufmerksamkeit, die Ihnen zuteil wird, nicht besonders zu mögen.

Ich bin kein geselliger Mensch, deshalb fühle ich mich etwas unwohl in solchen Situationen.

Hat Sie Ihre zweite Karriere als Actionstar selbst überrascht?

Total. Beim ersten Teil von «Taken» dachte ich, ich mache einen kleinen europäischen Thriller. Nach dem Dreh würde er verschwinden und direkt auf DVD rauskommen.

Und nun kommt schon der dritte Teil ins Kino. Hat die Reihe noch mehr Potenzial?

Nein. Das ist es jetzt, Teil drei ist der letzte. Es ist genug.

Sie drehen jetzt auch vermehrt Komödien. Ist das eine neue Herausforderung?

Es wäre eine, wenn ich probieren würde, lustig zu sein. Es ist lustig, weil ich nicht lustig bin. Ich bin todernst, deswegen ist es komisch. Wenn ich versuchen würde lustig zu sein, würde ich auf die Nase fallen.

Sie haben «Taken 3» gemacht, jetzt «Ted 2». Gibt es zu wenig gute Originalstoffe in Hollywood?

Ja, es gibt tatsächlich wenig Originalität. Die besten Autoren gehen zum Fernsehen.

Würden Sie gern Serien machen?

Ja, sehr. Ich hab grade die «Fargo»-Serie gesehen, die war fantastisch.

Viele Ihrer Kollegen versuchen sich im Produzieren oder Regieführen. Warum Sie nicht?

Ich habe null Interesse daran. Man muss erst mal gutes Material finden, es adaptieren, das allein kann zwei bis drei Jahre dauern. Und man muss da Geld auftreiben. Insgesamt braucht man vier, fünf Jahre für einen Film. Ich bin Schauspieler und mag das Zigeunerleben.

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