Swati Mandela: «Ich bin überrascht, dass es in der Schweiz eine so konservative Seite gibt»
Aktualisiert

Swati Mandela«Ich bin überrascht, dass es in der Schweiz eine so konservative Seite gibt»

Swati Mandela, die Enkelin von Nelson und Winnie Mandela, hat in Bad Ragaz über Frauenrechte referiert und für mehr Vielfalt geworben. Das ist ihre Botschaft an Frauen in der Schweiz.

von
Fabian Pöschl

Mandela-Enkelin Swati Mandela setzt sich für Nachhaltigkeit und Vielfalt ein.

20 Minuten/Fabian Pöschl/Marco Zangger/Daniel Schnüriger

Darum gehts

Der Aktivist und Freiheitskämpfer Nelson Mandela war zwischen 1994 und 1999 der erste schwarze Präsident von Südafrika. Der Friedensnobelpreisträger zeigte der Welt mit seinem Kampf gegen die Rassentrennung, dass Frieden auch nach Jahrzehnten der Apartheid immer noch möglich ist.

Auch Swati Dlamini Mandela, die Enkelin von Nelson und Winnie Mandela, ist nun politisch aktiv. Sie setzt sich für Nachhaltigkeit und Vielfalt ein. 20 Minuten bekam sie in Bad Ragaz (siehe Box) vor das Mikrofon und sprach mit ihr über Frauenrechte, die konservative Seite der Schweiz und das Erbe ihres Grossvaters.

League of Leading Ladies Conference in Bad Ragaz

Sie haben dieses Wochenende an der League of Leading Ladies Conference in Bad Ragaz gesprochen. Wo steht die Schweiz bei den Frauenrechten?
Ich habe Gespräche mit Frauen geführt, die sagen, dass sie sich für die Familie oder die Arbeit entscheiden mussten. Ich bin überrascht, dass es in der fortschrittlichen Schweiz eine so konservative Seite gibt und es so schwierig ist, eine Balance zu finden. Wir Frauen müssen mutig sein, um uns zu verändern und die Gesellschaft herauszufordern. Das ist die einzige Möglichkeit für Veränderungen, das habe ich von meinen Grosseltern gelernt.

«Als Mutter fühlt man sich schnell schuldig, wenn man zur Arbeit muss.»

Swati Mandela, Unternehmerin und Enkeltochter von Nelson Mandela

Sie beraten Unternehmen, haben eine eigene Firma und arbeiten für NGOs. Wie halten Sie Ihre Work-Life-Balance?
Als Mutter fühlt man sich schnell schuldig, wenn man zur Arbeit muss. Aber ich bin zuerst eine Frau und habe eine Arbeit, die mich glücklich macht. Damit bin ich automatisch auch eine bessere Mutter und Partnerin. Man muss Opfer bringen und kann es nie allen recht machen.

Musstest du dich als Frau für den Job oder die Familie entscheiden?

Unter den hundert grössten Unternehmen in der Schweiz beträgt der Anteil an Frauen in Verwaltungsräten 26 Prozent. Was halten Sie davon?
Es braucht noch mehr Frauen in Top-Positionen. So können sie weitere Frauen ermutigen und irgendwann hoffentlich eine Frau als Nachfolgerin einsetzen. Aber die Schweiz ist schon auf einem guten Weg.

Sie beschreiben Ihren Grossvater als Revolutionär, wie hat er Sie beeinflusst?
Das Leben meines Grossvaters bestand darin, den Leuten zu dienen. Wenn ich mich nicht gut fühle, denke ich daran, wie er 27 Jahre in einer Gefängniszelle war und wie er kämpfte, um seine Ziele zu erreichen. Ich habe viel von meinen Grosseltern gelernt und möchte den Menschen ebenfalls dienen.

«Das Leben meines Grossvaters bestand darin, den Leuten zu dienen.»

Swati Mandela, Unternehmerin und Enkeltochter von Nelson Mandela

Was ist Ihre Mission?
Das Vermächtnis meines Grossvaters bekommt auf grossartige Weise Anerkennung. Ich hoffe, dass ich das auch für meine Grossmutter erreichen kann, die mich grossgezogen hat. Ich sehe es als meine Aufgabe, dafür zu sorgen, dass der Einfluss von Frauen in der Geschichte mehr Beachtung bekommt.

Was ist der Grund für Ihren Einsatz, gab es einen besonderen Moment in Ihrem Leben?
Ich habe einen Dokumentarfilm über meine Grossmutter gemacht. Als sie 2018 starb, fragte ich mich, wie ich sie noch mehr ehren kann. Doch sie sagte mir immer, dass ich die anderen Frauen nicht vergessen darf. Sie hat mich schon früh in diese Richtung gelenkt.

Was ist Ihre Botschaft an die Schweizer Frauen?
Seid mutig, selbstbewusst und findet eure Bestimmung, dann lässt sich das Leben in die gewünschte Richtung lenken. Aber es ist auch wichtig, dass wir Frauen uns gegenseitig unterstützen und voneinander lernen. Auch Männer leisten einen wertvollen Beitrag im Kampf um Frauenrechte.

«Seid mutig, selbstbewusst und findet eure Bestimmung, dann lässt sich das Leben in die gewünschte Richtung lenken.»

Swati Mandela, Unternehmerin und Enkeltochter von Nelson Mandela

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