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René Fasel nach Besuch bei Diktator«Ich bin überzeugt, dass ich nichts Falsches gemacht habe»

Der Präsident des Internationalen Eishockey-Verbandes, René Fasel, herzt den Machthaber von Belarus, Alexander Lukaschenko. Nun spricht er über die Begegnung.

von
Erik Hasselberg

Der Präsident des Internationalen Eishockey-Verbandes, René Fasel, spricht über seinen Besuch beim weissrussischen Machthaber Alexander Lukaschenko. Und sagt: «Ich habe mit dem Feuer gespielt und mich ein bisschen verbrannt.»

Video: SRF

Darum gehts

  • Der Besuch von René Fasel bei Alexander Lukaschenko sorgte für zahlreiche Kritik.

  • Nun nimmt der Präsident des Internationalen Eishockey-Verbandes Stellung zu seinem Verhalten.

  • Er bestreitet, einen Fehler gemacht zu haben, sagt aber: «Wie es jetzt gekommen ist, das ist mir peinlich, und da nehme ich auch die Verantwortung wahr.»

Es war eine Szene, die in der Schweiz und auch international für Entrüstung sorgte, als René Fasel, seines Zeichens Schweizer und Präsident des Internationalen Eishockey-Verbandes (IIHF), Alexander Lukaschenko herzte und umarmte wie einen alten Freund. Dabei gilt der Präsident Weissrusslands als letzter Diktator Europas, der nach seiner umstrittenen Wiederwahl den Protesten der Opposition gegen seine Person mit Gewalt begegnet und Menschenrechte nicht respektiert.

In einem Interview mit SRF nimmt Fasel nun Stellung zu seinem Besuch bei Lukaschenko, der ein «offenes Gespräch» sein sollte und dessen Ziel es war, «ein wichtiges Gespräch über die WM in Minsk zu führen». So hält der 70-Jährige fest, dass es ihm Leid tue, falls sein Verhalten die Interpretation zulasse, er würde die Vorgänge und die Repression in Belarus akzeptieren. Ein klares Dementi auf die Frage, ob er es für einen Fehler halte, Lukaschenko zu umarmen, sieht anders aus.

«Das ist mir peinlich»

Vielmehr spricht Fasel, der einst mit Lukaschenko Eishockey spielte, davon, dass der IIHF die Pflicht habe, die kommende WM durchzuführen. Und man deshalb versuchen wollte, den weissrussischen Machthaber im Gespräch davon zu überzeugen, dass er mit dem Event ein Zeichen setze, den Dialog mit der Opposition suchen könnte. «Ich muss zugeben: Ich habe in Minsk etwas mit dem Feuer gespielt. Und wir haben uns etwas verbrannt», so Fasel.

Instrumentalisiert fühlt sich Fasel trotzdem nicht. Und auch sonst gibt sich der Eishockey-Funktionär selbstbewusst. «Ich bin überzeugt, dass ich nichts Falsches gemacht habe. Mit dieser WM können wir etwas erreichen, was sonst nicht gelungen ist. Wer hat in Belarus schon etwas erreicht mit Sanktionen und Boykott? Niemand», so Fasel. Er sei ein Idealist, der dafür da ist, dass Menschen zusammenkämen. Ein bisschen Selbstkritik schiebt er am Ende aber doch noch nach: «Wie es jetzt gekommen ist, das ist mir peinlich, und da nehme ich auch die Verantwortung wahr.» Wie diese Verantwortung allerdings aussieht, lässt Fasel offen. Eine Anfrage von 20 Minuten beim IIHF mit zahlreichen Fragen blieb bislang unbeantwortet.

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45 Kommentare
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Hoher Stock

13.01.2021, 13:38

Der faselt doch nur !

Dämit Horn

13.01.2021, 13:33

Man muss ja nicht fragen, welch demokratiefeindlicher politischer Gesinnung Eishockey untergeordnet ist.

Antiimperialist

13.01.2021, 13:28

Auch Weissrussland ist ein Land, das es zu respektieren gilt. Ich finde diese ständige Hetze unerträglich. Ob Nordkorea, Iran oder Belarus - das Mobbing muss stoppen.