Schweizerin in Thailand: «Ich bleibe in Bangkok!»
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Schweizerin in Thailand«Ich bleibe in Bangkok!»

Die meisten Schweizer verlassen nach den jüngsten gewalttätigen Zusammenstössen die thailändische Hauptstadt Bangkok. Geraldine Müller aus Flims GR will hingegen bleiben.

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Musste die Patisserie-Schule schliessen: Geraldine Müller bei der Arbeit in Bangkok

Musste die Patisserie-Schule schliessen: Geraldine Müller bei der Arbeit in Bangkok

Die Stimmung im Geschäftsviertel von Bangkok ist aufgeheizt. Nach dem tödlichen Anschlag vom Donnerstagabend sprachen lokale Beobachter davon, Bangkok stehe an der Schwelle zur Anarchie. Das Eidgenössische Departement für auswärtige Angelegenheiten (EDA) riet von Reisen nach Bangkok ab. 20 Minuten Online hat mit Geraldine Müller gesprochen. Die 34-jährige Schweizerin lebt seit bald zwei Jahren in der thailändischen Hauptstadt, wo sie als Patisserie-Lehrerin tätig ist.

20 Minuten Online: Frau Müller, wie schätzen Sie die aktuelle Lage ein?

Müller: Das kommt sehr darauf an, wo man sich befindet. Mein Arbeitsort liegt unweit von einer Stelle, an der die Rothemden eine Barrikade errichtet haben. Wir mussten deshalb die Schule vorübergehend schliessen, um die Sicherheit der Angestellten und Studenten nicht zu gefährden.

Das klingt gefährlich.

Wie gesagt, es kommt sehr darauf an, wo man sich aufhält. In den letzten paar Tagen war es ja vor allem nachts unruhig, wie gestern, als die Handgranate geworfen wurde. Während des Tages merkt man hingegen ausserhalb der Innenstadt von den Protesten praktisch nichts.

Wie haben Sie die Unruhen bisher miterlebt?

Nicht gross. Auf dem Weg zur Arbeit ging ich oft an den Blockaden der Rothemden vorbei. Es ist schon ein seltsames Gefühl, wenn man an Hunderten Soldaten vorbeigehen muss. Auf der anderen Seite sorgen sie ja für die Sicherheit. Ich ging dann einfach etwas schneller als sonst.

Wo befanden Sie sich, als es zum tödlichen Anschlag kam?

Ich war zusammen mit einer befreundeten Familie in einem Shoppingcenter, um Proviant für die Soldaten zu kaufen, die hier draussen ausharren müssen. Plötzlich hiess es, dass sämtliche Geschäfte geschlossen würden, weil in der Nähe eine Handgranate explodiert sei.

Haben Sie keine Angst?

Angst nicht unbedingt. Aber ein bisschen unsicher fühle ich mich schon. Das geht jetzt schon fünf Wochen so, dass man nie weiss, was passieren wird.

Lokale Beobachter befürchten einen Bürgerkrieg.

Nein, wenn man sich nicht gerade in den «heissen Zonen» aufhält, ist Bangkok weiterhin sicher. Gefahr lauert vor allem dort, wo sich Ansammlungen von Rothemden bilden.

Das EDA hat von Reisen nach Bangkok abgeraten. Bleiben Sie in Thailand?

Wenn jemand nach Bangkok kommt, um zu shoppen, dann ist er am falschen Ort. In der Innenstadt sind nämlich alle Geschäfte geschlossen und sicher ist diese Gegend auch nicht. Rund herum sehe ich keine Probleme. Ich bleibe jedenfalls in Bangkok!

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