Fabian Schär: «Ich brauche eine gewisse Lockerheit»
Aktualisiert

Fabian Schär«Ich brauche eine gewisse Lockerheit»

Fabian Schär ist ein Held in seinem Städtli. Heute Abend gilt es nun für ihn gegen seine eigenen Helden ernst.

von
Eva Tedesco
Madrid

Fabian Schär, Sie sind zum Ehrenbürger von Wil ernannt worden. Der Festakt wurde aber verschoben, weil Trainer Paulo Sousa ein Training angesetzt hatte. Können Sie die Enttäuschung der Fans nachvollziehen?

Fabian Schär: Natürlich. Darf ich an dieser Stelle dazu etwas sagen?

Nur zu.

Liebe Fans. Es tut mir leid, dass der für mich organisierte Empfang verschoben werden muss. Ich habe mich sehr darauf gefreut. Mit dem Spiel gegen Real Madrid geht für mich ein Traum in Erfüllung und ich danke für das Verständnis, dass die Vorbereitungen dafür Priorität haben. Trotzdem: Herzlichen Dank für die Unterstützung.

Wie fühlt man sich als Held im Städtli?

(Verlegen) So würde ich es nicht bezeichnen. Mit dem habe ich nicht gerechnet, aber es ist schön, wenn man die Anerkennung der Stadt spüren darf, aus der man kommt. Es macht mich extrem stolz.

Wie viele solcher Termine ausserhalb des Rasens nehmen Sie als Nationalspieler und FCB-Profi wahr?

Zahlenmässig kann ich das nicht sagen. Da sind Anlässe wie Autogrammstunden und Interviewtermine. Der Verein sorgt dafür, dass jeder Spieler ähnlich viele Auftritte hat, aber es ist schon so, dass wir deutschsprachigen Spieler einiges mehr machen müssen, allein schon aus diesem Grund.

Machen Sie einen Auftritt besonders gern?

Es ist toll, wenn man an einer Autogrammstunde die Unterstützung der Fans spürt. Dann gibt es Sponsorenanlässe, an denen man an einem Talk teilnimmt. Ich mag die Abwechslung, wenn man neben dem Platz auch andere Sachen hört und sieht.

Viele Spieler engagieren sich für wohltätige Zwecke und Stiftungen. Haben Sie auch schon mit dem Gedanken gespielt?

Ich würde in diesem Bereich gern etwas machen. Ich mache mir auch schon länger Gedanken dazu, aber ich will das Richtige für mich wählen. Das muss gut überlegt sein.

Was spornt Sie dazu an?

Ich mache das sicher nicht deshalb, damit Aussenstehende denken: 'Oh der macht etwas.' Von mir aus muss das auch keiner wissen, denn es geht nur um die Sache. Uns geht es sehr gut im Vergleich zu vielen anderen Menschen. Mit unseren Möglichkeiten kann man so etwas zurückgeben.

Yann Sommer erzählt begeistert von 2000 Fans in Gladbach beim Training. Sie hatten Freude an Zuschauern bei den Trainings mit der Nati in Brasilien. In Basel sind Fans unerwünscht. Macht es in Basel keinen Spass?

Letztlich ist es die Entscheidung des Trainers. Es gibt Vor- und Nachteile, aber wir müssen es nehmen, wie es ist. Es ist so, wenn Leute im Training sind, ist es für sie toll. In geschlossenen Trainings können wir uns etwas besser auf uns konzentrieren.

Wie viel Zeit brauchen Sie, um sich vor einem Spiel zu konzentrieren?

Ich bin einer, der sich nicht zu früh auf etwas konzentrieren darf. Ich versuche, möglichst bis kurz vor Anpfiff locker zu bleiben, mich nicht zu früh von allem auszuschliessen, weil ich diese gewisse Lockerheit brauche.

Auch vor dem Spiel gegen Real Madrid?

Es ist sicher auch für uns ein spezielles Spiel und die Vorfreude extrem gross. Wir werden auch gegen Real ins Spiel gehen wie in jedes andere. Wir versuchen, uns nicht zu viel vorzunehmen und uns dann deswegen zu verkrampfen.

Für Sie ist es eine Spur spezieller, weil Sie Real-Fan sind.

Das war schon immer so. Der Name der Königlichen, der imponierende Fussball, viele Topstars, der Mythos, zu dem man hinaufschaut ...

Der FCB hat viel Erfahrung im Europacup. Genug, um gegen den Titelverteidiger Erfolg zu haben?

Diese Erfahrung ist wichtig. Auch das Wissen, dass wir gegen die meisten gut mithalten konnten. Auch wenn es extrem schwierig wird in Madrid, wissen wir, dass auch gegen eine solche Mannschaft immer etwas drin liegt.

Captain Marco Streller träumt von einem Viertelfinal in der Königsklasse. Und Sie?

Das ist ein sehr hochgestecktes Ziel, aber man kann das erreichen. Wir dürfen aber noch nicht so weit nach vorne schauen, sondern müssen versuchen, jedes Spiel positiv zu gestalten. Das fängt auswärts in Madrid an und da wollen wir eine gute Performance abgeben und alles dransetzen, das Maximum herauszuholen.

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