Aktualisiert 12.04.2019 14:01

Minimalist Alan Frei

«Ich brauche nicht mehr als 117 Dinge»

Er hat mit Amorana ein erfolgreiches Sextoy-Business aufgebaut. Privat lebt Alan Frei (37) aber fern von Materialismus. Uns erklärt er, wieso das der grösste Luxus ist.

von
gss
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Alan Frei besitzt nur so viel, wie er wirklich braucht.

Alan Frei besitzt nur so viel, wie er wirklich braucht.

Anita Affentranger
Vor ein paar Jahren begann er, sein Leben radikal umzustellen und jeden Kaufentscheid genau abzuwägen.

Vor ein paar Jahren begann er, sein Leben radikal umzustellen und jeden Kaufentscheid genau abzuwägen.

Anita Affentranger
«Wenig zu besitzen, macht mich reich», sagt Alan.

«Wenig zu besitzen, macht mich reich», sagt Alan.

Anita Affentranger

Alan, du bezeichnest dich als Minimalist. Was müssen wir uns darunter vorstellen?

Ich habe keine Bilder an der Wand in meiner Wohnung, ich schlafe in einem 90-cm-Bett, besitze genau eine Gabel, ein Messer und einen Löffel.

Wie bist du zum Minimalismus gekommen?

Als mein Vater starb, haben wir mein Elternhaus geräumt. Wir haben Kiste nach Kiste gefüllt und mussten mehrere Mulden bestellen. In den 21 Jahren, in denen ich in diesem Haus lebte, habe ich nicht gemerkt, wie viel Ballast sich dort angesammelt hatte. Ich habe Bilder von den Wänden gehängt, die mir zuvor nie aufgefallen waren. Das ist mir wahnsinnig eingefahren.

Bist du sofort nach Hause, um deine eigene Wohnung zu entrümpeln?

Nein, es war ein schleichender Prozess. Ein paar Wochen nach der Räumung fiel mir ein Buch von Nicolas Berggruen (Anm. der Redaktion: Karstadt-Besitzer und bekennender Minimalist) in die Hände. Gleichzeitig startete ein Freund von mir eine Weltreise mit genau 15 Dingen im Gepäck. Diese beiden Geschichten inspirierten mich sehr.

Wie hast du begonnen, dein Leben umzustellen?

Es gab drei Räumungsphasen bei mir. In der ersten Phase habe ich das getan, was man wohl einen Frühlingsputz nennt. Ich habe zum Beispiel einen Bierhelm, den ich in Las Vegas mit Freunden gekauft hatte, entsorgt. Ich hing lange daran, weil ich ihn mit lustigen Erinnerungen verband. Er war schon lange kaputt, ein Horn war abgebrochen, ich habe ihn trotzdem in mehrere Wohnungen mitgezügelt. In einer zweiten Phase, als ich mehr über Minimalismus las, habe ich radikaler aufgeräumt. Ich habe 16 ganze 110-Liter Säcke gefüllt mit Dingen, die wegkamen oder ins Brocki, und ein paar Taschen mit Sachen, die ich seit einem Jahr nicht mehr gebraucht hatte. All dieses Zeug war aus meiner Wohnung, dennoch sah es irgendwie immer noch genau gleich aus.

Wie sah die dritte Phase aus?

Ich habe mich radikal von allem getrennt, was nicht einen absoluten Zweck erfüllte. Ich habe beispielsweise von zwei Regenschirmen einen verschenkt, und so weiter. So habe ich meinen Besitz über die Jahre auf 117 Dinge reduziert.

Was hat sich seither für dich verändert?

Ich verspüre ein Gefühl der Freiheit, dass ich vorhin nicht hatte. Reisen wurde einfacher, ich habe mehr Platz in meinem Kopf. Leute, die viel besitzen, merken nicht, dass die Dinge eher sie besitzen.

Wie stehst du zu persönlichen Gegenständen?

Erinnerungen sind bei mir im Kopf und nicht mehr mit Souvenirs oder Fotos verbunden. Ich habe eine Uhr meines verstorbenen Vaters geerbt. Ich konnte mich nicht durchdringen, diese wegzugeben, also habe ich sie meinem Bruder geschenkt, der sie mit Stolz trägt und mir genauso viel Freude macht, wie wenn ich sie selber hätte.

Als Sextoy-Verkäufer animierst du Kunden, Dinge zu kaufen. Ist dein Lifestyle kein Widerspruch zu deinem Beruf?

Im Gegenteil. Ich übe keine Konsumkritik. Ich rate den Leuten lediglich, Kaufentscheide genauer zu fällen. Ich hatte am Anfang nur fünf weisse Hemden, weil ich nichts anderes mehr anziehe. Fünf waren aber zu wenig, ständig waren welche in der Reinigung, also besitze ich heute sieben weisse Hemden.

Du bist erfolgreicher Start-up-Gründer. Was machst du mit deinem ganzen Geld?

Ich gebe nicht weniger aus als zuvor. Ich investiere einfach mehr in Erlebnisse als in Dinge.

Du bist single. Könntest du jemanden daten, der in Saus und Braus lebt?

Natürlich, ich will ja niemanden bekehren. Ich will einfach mehr Ordnung, Übersicht und Klarheit für mein eigenes Leben erreichen.

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