Der «Engel von Queens»: «Ich bringe Essen und ein Stückchen Hoffnung»
Aktualisiert

Der «Engel von Queens»«Ich bringe Essen und ein Stückchen Hoffnung»

Als Familie Munoz vor Jahren von Kolumbien in die USA auswanderte, lebte sie in bitterer Armut. Heute geht es ihnen einigermassen gut – für Vater Munoz ist das mit ein Grund dafür, den Obdachlosen seiner Stadt zu helfen.

von
rre

Jorge Munoz ist unterwegs nach Hause. Mit einem grossen Sack Reis im Auto kämpft er sich durch den Stop-and-Go-Verkehr der Strassen von Queens. Queens, der Multi-Kulti-Stadtteil von New York, das ist seit vielen Jahren die Heimat seiner Familie. Sie wartet schon auf Nachschub: Der Reis, den Jorge mitbringt, soll für rund 140 Menschen reichen: Obdachlose, gestrandete Menschen. Für sie kocht Familie Munoz Essen. Das Engagement der Munoz' ist nicht von sporadischer Natur: Täglich wird ab Mittag geschnipselt und gekocht, sieben Tage die Woche. Immer wieder werden die Munoz' mit Spenden versorgt – nur so kann das private Wohltätigkeitsprojekt langfristig bestehen.

Jorge sieht nicht weg, er handelt

Wie es sich anfühlt in bitterer Armut zu leben, das weiss der Schulbusfahrer Jorge. Als er mit seiner Familie von Kolumbien nach New York kam, wussten sie nicht, wie sie über die Runden kommen sollten. In Zeiten wie diesen, Zeiten der Krise steigt die Zahl der armen, hungernden und obdachlosen Menschen in Queens.

Jorge Munoz will nicht wegsehen, er hilft den Menschen: «Wir versuchen einfach für rund 140 Menschen ihr Leben ein ganz klein wenig zu verbessern und bringen denen abends eine warme Mahlzeit unter die U-Bahnbrücke in Queens. Das ist alles», erzählt der bescheidene «Engel von Queens» in einem Interview mit dem ARD-Magazin «Weltspiegel».

«Nein, für Miete reicht das Geld nicht»

Nicht jeder hatte so viel Glück wie Jorge: Ramiro kam aus Ecuador in die USA, mit Hoffnung auf ein besseres Leben. Erst war er Bauarbeiter, dann Tellerwäscher. Eine Verletzung kostete ihn den Job. Nun streift er durch die weihnachtlich geschmückten Strassen von Manhattan, fischt Pfandflaschen aus Mülleimern um überhaupt überleben zu können.

Ein Leben ganz, ganz unten: «Nein, für Miete reicht das Geld aus dem Pfandautomaten nicht, mit dem Essen ist es auch knapp», sagt er. Abends wird auch er in Queens unter der U-Bahnbrücke stehen und auf Jorge warten. Reicht es für alle? Heute stehen hier rund 200 Menschen und freuen sich auf ein warmes Essen. Wie für viele andere hier, wird es auch für Ramiro die erste und einzige Mahlzeit des Tages sein.

Deine Meinung