Toni Latinovic: «Ich bringe euch die Plage in die Schweiz»
Aktualisiert

Toni Latinovic«Ich bringe euch die Plage in die Schweiz»

In Deutschland stand Toni Latinovic (34) bereits wegen Volksverhetzung vor Landesgericht. 20 Minuten im Gespräch mit dem gefährlichsten Neuzugang der Schweizer Rapszene.

von
Kaspar Isler

20 Minuten: Du bezeichnest dich selbst als Toni der Assi.

Toni der Assi: Das ist antipolitisch gemeint. Asozial heisst nicht gesellschaftsuntauglich. Aber wenn unsere Politiker sozial sind, möchte ich lieber asozial sein. Wir leben in einem sklavenähnlichen System. Meine Lieder sollen ein musikalischer Aufschrei sein.

Deine Texte handeln von Drogen, Huren und Kriminalität. Alles nur Show?

Bevor ich von meiner Musik leben konnte, musste ich mich mit Geschäften im Milieu über Wasser halten. Schon mein Vater war ein bekannter Drahtzieher der Jugomafia in Frankfurt. Er wurde mehrmals wieder nach Serbien abgeschoben und kam jeweils im Kofferraum wieder zurück. Ich habe alles erlebt, wovon ich rappe, möchte dies aber nicht verherrlichen.

Stimmt es, dass du in Deutschland wegen volksverhetzender Aussagen als Terrorist eingestuft wirst?

Der homosexuelle Spitzenpolitiker Volker Beck fühlte sich offenbar angegriffen und zog mich wegen Volksverhetzung vor Landesgericht. Am Weihnachtstag landeten zwei Helikopter und die GSG9 (Antiterroreinheit der Bundespolizei) stürmte mein Haus. Nach einem Verfahren habe ich 8000 Euro an eine karitative Einrichtung gespendet und die Sache war gegessen. Für mich ging alles glatt. Bis heute steht nur ein Delikt in meinem Strafregister: Bahn fahren ohne gültiges Ticket (lacht).

Du bist Führungsmitglied der Gang Black Jackets. Was ist der Sinn eurer Vereinigung?

Uns geht es um den multikulturellen Zusammenhalt. Man muss keine Harley fahren, um Mitglied zu werden. Wir nehmen die Leute direkt von der Strasse. Mittlerweile sind wir über 3'500 Mitglieder in ganz Europa. Es passieren kriminelle Sachen in der Gang. Zudem rivalisieren wir mit anderen, da passieren Zwischenfälle. Wir bringen unter ein Dach, was der Staat nicht hinbekommt. Jetzt bringe ich euch die schwarze Plage in die Schweiz. Die Polizei hat natürlich ein Auge auf uns und mittlerweile erhalte ich täglich Morddrohungen.

Muss man sich also vor dir fürchten?

Nein. Ich bin einfach ehrlich und transportiere meinen politischen Hass in meinen Liedern teilweise auch humoristisch an meine Fans. Deshalb habe ich in einem Lied beispielsweise Bundeskanzlerin Angela Merkel einen Heiratsantrag gemacht. Das hat mit mir persönlich oder kulturell nicht viel zu tun. Ich würde nie jemandem etwas antun, der es nicht verdient hat.

In «Welcome to Switzerland» schiesst du indirekt gegen Rapper Bligg. Weshalb?

Ich bin der Liebe wegen nach Zürich gezogen und musste schnell merken, dass das romantische Bild der Schweiz eine Illusion ist. Deshalb die Songzeile «Mach die Augen auf, es ist nicht alles Rosalie». Ihr habt hier Gangs, Hooligans, einen riesigen Kokainmarkt und massive Probleme in der Gesellschaft.

Was steht bei dir auf dem Programm?

Am 13. März 2013 ist mein Album «Von Brate für Brate» erschienen, welches von der Zürcher Crew Gsezhlos Muzhik produziert wurde. Darauf ist – neben deutschen Grössen wie Eko Fresh und Massiv – auch der Schweizer Rappionier E.K.R. vertreten. Zudem dreht derzeit RTL II eine Dokumentation über mich. Mitte April bin ich zum Thema «Ich bin ein Youtube-Star» zu Gast in der Talkshow von «Britt», weil meine Videos insgesamt über 20 Millionen Mal angeklickt wurden. Danach gehe ich auf Schweiz-Tournee. Die nächste richtig grosse Nummer wird meine bereits vereinbarte Kooperation mit Rapstar Sido.

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