03.11.2016 22:38

Mordfall in Spanien«Ich dachte, das Töten würde mich anwidern»

Ein Teenager ermordete vier Mitglieder seiner Familie und erzählte einem Kollegen auf Whatsapp davon. Jetzt hat die Polizei die Chat-Protokolle publik gemacht.

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Der Brasiianer Patrick Nogueira (rechts) soll am 17. August 2016 vier Verwandte in Spanien ermordet haben. Während er tötete, schrieb er seinem Kollegen Marvin Henriques Correia (links) auf Whatsapp.

Der Brasiianer Patrick Nogueira (rechts) soll am 17. August 2016 vier Verwandte in Spanien ermordet haben. Während er tötete, schrieb er seinem Kollegen Marvin Henriques Correia (links) auf Whatsapp.

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Nogueira erstach in der spanischen Ortschaft Pioz bei Guadalajara seine Tante Janaína Santos und ihre beiden Kinder Maria Carolina (3) und David (1) mit einem Messer. Dann wartete er, dass sein Onkel Marcos Campos nach Hause zurückkehren würde.

Nogueira erstach in der spanischen Ortschaft Pioz bei Guadalajara seine Tante Janaína Santos und ihre beiden Kinder Maria Carolina (3) und David (1) mit einem Messer. Dann wartete er, dass sein Onkel Marcos Campos nach Hause zurückkehren würde.

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Nogueira zerstückelte die Leichen und steckte sie in Plastiksäcke.

Nogueira zerstückelte die Leichen und steckte sie in Plastiksäcke.

Screenshot Youtube

Zwei brasilianische Teenager sind in einen vierfachen Mordfall verwickelt — der eine als Täter, der andere als Mitwisser. Vor zehn Tagen gestand der in Spanien wohnende Patrick Nogueira (19) der Polizei, seinen Onkel, seine Tante und deren zwei Kinder ermordet zu haben. Vergangenen Freitag wurde auch Marvin Henriques Correia (18) im brasilianischen Paraíba festgenommen, nachdem die Whatsapp-Chats des Täters untersucht worden waren.

Nogueira hatte am 17. August in der spanischen Ortschaft Pioz bei Guadalajara seine Tante Janaína Santos und ihre beiden Kindern Maria Carolina (3) und David (1) mit einem Messer erstochen. Während er wartete, dass sein Onkel Marcos Campos nach Hause zurückkehren würde, schrieb er seinem Kollegen Marvin in Brasilien auf Whatsapp.

Der Mörder und sein Kollege stehen in engem Kontakt

Die Polizei hat jetzt die Chat-Protokolle veröffentlicht. Laut dem brasilianischen Nachrichtenportal O Globo hat Patrick Nogueira die erste Meldung um 19.06 Uhr — 14.06 Uhr in Brasilien — verschickt. Marvin war offenbar online und antwortete sofort:

Patrick: «Ich warte auf das vierte Mitglied der Familie.»

Marvin: «Ich kann mir die Szene vorstellen, wie du ankommst, um sie zu töten, hahahaha.»

Patrick: «Ich kam mit zwei Pizzas, wir redeten ein bisschen.»

Marvin: «Wen hast du zuerst umgebracht, die Frau?»

Patrick: «Zuerst die Frau, dann das älteste Kind, 3 Jahre alt, und dann den Kleinen, 1 Jahr alt.»

«Viel Glück»

Während zweieinhalb Stunden tauschen sich die beiden Kollegen aus:

Patrick: «Ich hatte meine Zweifel am Anfang. Ich dachte, es würde mich anwidern, aber jetzt bin ich überzeugt. Ich bin Krankenpfleger.»

Marvin: «Konzentrier dich, triff nicht daneben. Viel Glück.»

Dann ist es während neun Minuten ruhig — Nogueira tötet in dieser Zeit seinen Onkel, der gerade angekommen ist. Danach schickt er Marvin einige Bilder des Tatorts.

Patrick: «Wenn sie mich hier verhaften, dann ist es halb so schlimm. Ich werde eine Zelle für mich allein haben.»

Marvin: «Lauf morgen einfach aus dem Haus, als wäre nichts passiert. Als würdest du spazieren gehen.»

Patrick: «Ich habe es mit Handschuhen getan und keine Spuren hinterlassen.»

Dann zerstückelte der 19-Jährige die Leichen der erwachsenen Opfern und steckte die Körperteile in Plastiksäcke. Erst einen Monat später weckte der unangenehme Geruch den Verdacht der Nachbarn. Nogueira flüchtete nach Brasilien, kurz bevor die Polizei ihn als einzigen Verdächtigen im Mordfall nannte. Einige Wochen später kehrte er nach Spanien zurück und stellte sich.

Mörder hasst die Nummer 17

«Marvin bot seinem Kumpel die ganze Zeit moralische Unterstützung», sagt Ronaldo Nóbrega von der Polizei in Paraíba. «Wäre er damit nicht einverstanden gewesen, hätte er seinen Freund entweder blockiert oder ihm geraten, damit aufzuhören.»

Der 18-Jährige sitzt in Brasilien in Untersuchungshaft. Die Haftbedingungen sind nicht so komfortabel wie jene in Spanien. Sein Vater will ihn rausholen: «Marvin ist ein herziger Junge, der Tiere und Kinder liebt. Sie wollen jetzt ein Monster aus ihm machen, dabei ist er nur ein junger Mann, der gerade aus der Pubertät kommt», sagt Percival Henriques, der in Brasilien eine ONG leitet, die dafür sorgt, dass benachteiligte Personen Zugang zum Internet bekommen.

Marvin sagt inzwischen, er könne sich nicht an Details zum Mord erinnern. Einzig, dass sein Kollege seine Verwandten ermordete, «weil er die Zahl 17 hasst». Patrick Nogueira hat ein Tattoo auf seiner Brust mit der 17 in römischen Zahlen.

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