Rekordsprung aus 36 km: «Ich dachte, der Abbruch sei ein Witz»
Aktualisiert

Rekordsprung aus 36 km«Ich dachte, der Abbruch sei ein Witz»

Extremsportler Felix Baumgartner ist enttäuscht und überrascht über den gestoppten Rekordsprung. Am Sonntag soll ein neuer Versuch unternommen werden - wenn das Wetter stimmt und sein Ballon hält.

von
bat

Für Felix Baumgartner sind es wohl die längsten Tage seines Lebens. Er muss warten, warten und nochmals warten. Nachdem sein Sprung aus 36 Kilometern Höhe am Dienstag abgebrochen wurde, kann frühestens am Sonntag der nächste Versuch gestartet werden. Ob das Wetter am Sonntag jedoch einen Start zulässt, ist sehr ungewiss.

Der Frust bei Baumgartner sitzt offenbar tief. Er selber konnte es kaum glauben, dass der Sprung abgebrochen wurde, als ihm Art Thompson, der Stratos-Direktor, den negativen Bescheid gab. «Ich dachte, er macht einen Witz», sagt Felix Baumgartner. Doch der Extremsportler zeigt sich kämpferisch. «Ich will, dass der Sprung noch in diesem Jahr stattfindet. Schliesslich sind wir schon so weit gekommen.»

Baumgartner ist mit seinem Frust nicht alleine. U.S. Air Force Colonel Joe Kittinger weiss ganz genau, wie sich der Österreicher nun fühlt. Kittinger sprang selber im Jahr 1960 aus einer Höhe von 31 332 Metern und stellte damit den bis heute gültigen Rekordsprung auf. Nun steht er Baumgartner als Berater zur Seite. «Ich weiss genau, wie Felix sich nun fühlt. Auf mir lastete der gleiche Druck, aber auch ich musste geduldig sein. Einmal wartete ich ganze 30 Tage, bis ich starten konnte.»

Mit 800 Sachen in Richtung Erde

Ob Baumgartner überhaupt abheben kann, ist fraglich. Schon der kleinste Wind kann die Mission um Jahre verzögern. Nachdem am Dienstag eine starke Windböe den Ballon auf den Boden drückte, wurde die Mission sofort abgebrochen. Es konnte nicht ausgeschlossen werden, dass der Ballon beschädigt wurde - eine unkalkulierbare Gefahr.

Jetzt hat das Stratos-Team noch einen Ballon an Lager. Wird auch dieser beschädigt, müsste der Rekordsprung definitiv auf längere Frist verschoben werden. Baumgartners Mission hängt an einem seidenen Faden. Oder genauer: An einem hauchdünnen Stück Plastik. Denn die Hülle des Ballons ist nur 0,02 Millimeter dünn. Schon der kleinste Stein könnte die Hülle aus hochwertigem Polyethylen beschädigen. Deshalb wird das Hightech-Fluggerät mit Samthandschuhen angefasst. Damit die Hülle nicht durch Menschenhand beschädigt wird, tragen die 15 Personen, welche sich um den Start des Ballons kümmern, Spezialkleider. Zudem wird die Ballonhülle nur mit Baumwoll-Handschuhen angefasst.

Helium ist nicht entzündbar

Acht Stunden dauert die Vorbereitungszeit, um den Ballon startklar zu machen. 45 bis 60 Minuten werden alleine benötigt, um den Ballon mit Helium zu füllen.

In der Luft steuert Baumgartner die Reisehöhe des Ballons mittels eines Ventils, das Gas entweichen lässt – der Ballon sinkt –, oder durch Ablassen von Ballast – der Ballon steigt. Das funktioniert gemäss Baumgartner sehr präzise, allerdings mit einer Verzögerung von 30 Sekunden, wie es auf der Website des Projekts heisst. Keinesfalls werfe man Sandsäcke ab wie in schlechten Abenteuerfilmen. Wenn Baumgartner überhaupt je mit seinem Hightechballon in die Lüfte steigt.

Die vier Wetterbedingungen

Um das hochsensible Fluggerät unbeschädigt in die Höhe steigen zu lassen, müssen beim Start auch mehrere Wetter-Bedingungen erfüllt werden. Erstens: «Am Boden dürfen wir nicht mehr als 3km/h Wind haben, beim höchsten unserer drei Wetterballons in 60 Meter über Grund nicht mehr als 6 km/h», sagt der für das Projekt zuständige Meteorologe Don Day. Das erreiche man selbst in einer Gegend, die für Ballonstarts so prädestiniert ist wie New Mexico, nur direkt vor Sonnenaufgang.

Zweitens: Es dürfen am Himmel keine oder nur wenig Wolken sein sowie eine geringstmögliche Luftfeuchtigkeit herrschen. Auf der Fläche des gesamten Ballons addieren sich selbst Wassertröpfchen schnell zu einer Last von mehreren hundert Kilogramm.

Drittens: Es braucht gute Sicht. Und viertens: Es dürfen auf dem Weg nach oben nirgendwo zu starke Winde auftreten, die Baumgartner unkontrolliert weit abtreiben könnten. «Nur wenn diese Parameter erfüllt sind, kann ich mein Okay geben, und Stratos darf abheben», so Day.

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