Politiker bietet Schmierfink die Stirn: «Ich dachte, jetzt werden die Leute ausfällig»
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Politiker bietet Schmierfink die Stirn«Ich dachte, jetzt werden die Leute ausfällig»

Ein Wahlplakat von Christian Egeler (FDP) wurde verschandelt. Er hängte ein leeres Plakat auf und forderte einen konstruktiven Dialog. Dann geschah etwas, was den Politiker überraschte.

von
jd
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Anstatt das verschandelte Plakat zu ersetzen, entschied sich Christian Egeler für die Variante Dialog.

Anstatt das verschandelte Plakat zu ersetzen, entschied sich Christian Egeler für die Variante Dialog.

20 Minuten
So fand Egeler sein Wahlplakat am 30. August am Garagentor seines Elternhauses am St. Johanns-Rheinweg vor.

So fand Egeler sein Wahlplakat am 30. August am Garagentor seines Elternhauses am St. Johanns-Rheinweg vor.

Privat
Weil abhängen für Egeler eigentlich nicht infrage kam, fragte er seine Anhänger auf Facebook, wie er auf den Schmierfinken reagieren sollte.

Weil abhängen für Egeler eigentlich nicht infrage kam, fragte er seine Anhänger auf Facebook, wie er auf den Schmierfinken reagieren sollte.

Facebook

Auf Facebook fragte der Basler Nationalratskandidat Christian Egeler (FDP), was er denn nun nach der x-ten Attacke auf eines seiner Wahlplakate tun soll. Einer der Vorschläge setzte der Politiker schliesslich Anfang September um: Er montierte eine weisse, leere Fläche neben das Plakat, das am Garagentor seiner Mutter am St. Johanns-Rheinweg hängt und forderte den Schmierfinken auf: «Hier kannst du nun schreiben, was dir nicht passt und wie man es besser macht.»

Die Möglichkeit wurde rege genutzt, wie Egeler gegenüber 20 Minuten angibt. «Lieber Herr Egeler, ich bin zwar nicht dieser Künstler, jedoch stört mich ihre kapitalistische Wirtschaftspolitik. Liebe Grüsse», schrieb ein Passant. Und fügte an: «Ihren Kommentar dürfen sie gerne hier äussern».

«Ich beantworte alles»

«Ich bin wirklich positiv überrascht», so Egeler. Er habe nicht damit gerechnet, dass auf dem leeren Plakat tatsächlich ein geregelter und anständiger Dialog stattfinden würde, so Egeler. «Ich erwartete, dass es im beleidigenden Stil weitergeht und die Leute ausfällig würden», führt er aus.

Erst recht, als er einen passenden Stift bereit gelegt habe, nachdem er bemerkte, dass viele Kommentare mit Kugelschreiber verfasst wurden und schwer leserlich waren. «Da habe ich mir gedacht, nun gehts richtig los mit Beleidigungen, jetzt wird geschmiert.»

Doch die hässigen Sprüche würden sich in Grenzen halten und auch die beantworte er beflissen, so Egeler: «Ich achte schon darauf, dass ich jeden zweiten Tag vorbeischaue, alles lese und darauf reagiere.» Teilweise nutzen die Schreibenden die Plakatwand, um ihr Herz auszuschütten. «Seit Jahren suche ich, Juristin, eine Stelle», schreibt eine 45-Jährige und fragt, was Egelers Partei gegen die Alters-Arbeitslosigkeit zu tun gedenke. «Danke für diesen Aushang», schreibt die selbe Frau und unterzeichnet mit einem Smiley.

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