Angriff von Herdenschutzhund : «Ich dachte, meine letzte Stunde sei gekommen»
Aktualisiert

Angriff von Herdenschutzhund «Ich dachte, meine letzte Stunde sei gekommen»

Ein Herdenschutzhund hat im Kanton Freiburg einen Mann gebissen. Die Schutzhunde sind umstritten: Wanderer fühlen sich bedroht, doch Schafhalter wollen sie vermehrt einsetzen.

von
nsa
Ein Herdenschutzhund hat im Kanton Freiburg einen Wanderer gebissen.

Ein Herdenschutzhund hat im Kanton Freiburg einen Wanderer gebissen.

Ein Wanderer ist auf dem Schafarnisch im Kanton Freiburg von einem Herdenschutzhund angegriffen worden. Zur Zeitung «La Liberté» sagt er: «Ich dachte, meine letzte Stunde sei gekommen!» Er sei auf dem offiziellen Weg in Richtung Gipfel gewandert, als er ein paar Schafe und den Hund gesehen habe. «Er rannte bellend auf mich zu und kam sehr nahe.» Kurz darauf sei ein zweiter Hund erschienen und die Tiere hätten ihn umkreist.

«Ich blieb ruhig und versuchte, mich von der Herde wegzudrehen», sagte der Wanderer. Als er sich gedreht habe, hätten die Hunde ihn angesprungen und einer habe ihn ins Gesäss gebissen. Er habe versucht, sich mit seinen Spazierstöcken zu schützen, und habe es geschafft, sich von den Hunden zu entfernen. Danach seien sie zur Herde zurückgekehrt.

Der Wanderer wandte sich später an den Eigentümer der Hunde. Dieser habe ihm erklärt, dass der Gipfel nicht zugänglich sei, wenn seine Hunde und die Schafe auf der Weide seien. Der Wanderer sagt: «So leeren wir die Berge. Viele Wanderer wagen es nicht mehr, in Gegenden zu wandern, in denen Schutzhunde eingesetzt werden.»

Kantonstierarzt schaltet sich ein

Der Wanderer sagt, er habe schon von anderen Fällen auf derselben Alp gehört. Deshalb habe er den Kantonstierarzt und die Staatsanwaltschaft eingeschaltet. Grégoire Seitert, der zuständige Kantonstierarzt, sagt: «Die Behörden sind sich der Situation der Schutzhunde bewusst. Sie müssen in der Lage sein zu beissen, um ihre Herden zu verteidigen. Der Schutz der Menschen darf aber auch nicht zu kurz kommen.» Er habe jedes Jahr Probleme mit den Schutzhunden einer Alp. «In diesem Fall musste ich die Hunde beschlagnahmen.»

«Man sollte die Hunde nicht verteufeln»

François Meyer, wissenschaftlicher Mitarbeiter der Vereinigung für die Entwicklung der Landwirtschaft Agridea, sagt: «Wir sollten die Hunde nicht verteufeln.» Die Zahl der Bisse habe sich in den letzten Jahren nicht erhöht. Bei 7 Alpen und 15 Schutzhunden im ganzen Kanton Freiburg seien es durchschnittlich zwei Bisse pro Jahr.

Der Schutzhund hat sich laut Ueli Pfister, Präsident des Herdenschutzvereins, als effektivstes Mittel gegen Luchse und Wölfe erwiesen. Er sei sowohl Wach- als auch Begleithund, deshalb verhalte er sich je nach Situation verschieden. Er werde ausgebildet, die Schafherde als seine Familie zu sehen, die er beschützen müsse. «Nähert sich ein Wanderer der Herde, ist es der Job des Schutzhundes, das mit Bellen zu verhindern. Solange der Wanderer ruhig bleibt und sich wieder entfernt, wird ihm nichts passieren.» Er fügt aber an: «Ein Null-Risiko gibt es nicht.»

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