Augenzeuge: «Ich dachte sofort, dass es abstürzen müsse»
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Augenzeuge«Ich dachte sofort, dass es abstürzen müsse»

Der Franzose Sébastien Giroux sah die Germanwings-Maschine auf niedriger Höhe fliegen. Sekunden später prallte der Flieger gegen einen Berg.

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Die Dorfbewohner von Prads-Haute-Bleone in den südfranzösischen Alpen stehen unter Schock: Viele von ihnen haben den Absturz der Germanwings-Maschine aus der Nähe miterlebt.

Sébastien Giroux erzählte dem französischen Sender BFMTV, dass ihm kurz vor dem Absturz ein Flugzeug in niedriger Höhe aufgefallen war: «Während etwa zwei bis drei Sekunden sah ich das Flugzeug sehr tief fliegen. Ich dachte sofort, dass es abstürzen müsse, denn der Berg ist ja 3000 Meter hoch, das geht ja nicht.»

Kein Rauch, keine Explosion

Ein anderer Augenzeuge macht eine ähnliche Beobachtung: «Als ich das Flugzeug vorbeiziehen sah, dachte ich – hm, ein bisschen niedrig. Als ich später dann hörte, dass ein Flugzeug abgestürzt sei, dachte ich sofort an dieses.»

Laut Germanwings 67 Deutsche unter den 150 Flugzeugabsturz-Opfern

Beide Männer sind sich sicher: Vor dem Absturz war weder Rauch zu sehen, noch gab es eine Explosion.

Stimmenrekorder ist beschädigt

Die Aussagen der Zeugen sind für die Aufklärung des Unglücks sehr wichtig. Vor allem nachdem der französische Innenminister Bernard Cazeneuve am Mittwoch dem Radiosender RTL sagte, dass der Stimmenrekorder des abgestürzten Fliegers beschädigt sei.

Das Gerät, das alle Gespräche in der Pilotenkanzel aufzeichnet, müsse in den nächsten Stunden wiederhergestellt werden, um die Daten auswerten zu können, erklärte der Minister weiter.

Umweltministerin Ségolène Royal sagte, entscheidend seien die Stimmenaufzeichnungen, die kurz nach dem Ende des Funkkontakts zur Flugsicherung gemacht wurden.

«Alles ist pulverisiert»

Nach Aussage von Rettungskräften liess die Wucht des Aufpralls die Unglücksmaschine in kleinste Trümmer zerbersten. «Alles ist pulverisiert. Man kann nichts mehr auseinanderhalten. Man sieht nichts, man kann nicht einmal ein Flugzeug darin erkennen», sagte Feuerwehr-Leutnant Éric Sapet der Zeitung «Le Monde» über den Anblick, der sich dem Betrachter an der Absturzstelle in den französischen Alpen bietet.

Der Lokalpolitiker Richard Bertrand aus dem nahe gelegenen Dorf Vernet sagte: «Das grösste Teil, was ich erkennen konnte, hatte die Grösse eines Auto-Kotflügels – grösser war es nicht.»

Experten rätseln weiter

Die Unglücksursache ist bislang unklar. Der A320 war laut Germanwings um 10.01 Uhr gestartet. Eine Dreiviertelstunde später erreichte er seine reguläre Flughöhe von 12'000 Metern und ging dann laut Flugverfolgungsdaten inoffizieller Webseiten in einen steilen Sinkflug über.

Nach Angaben der französischen Flugaufsicht setzten die Piloten keinen Notruf ab. Ein Umstand, der die Flugsicherheitsexperten weltweit verwundert.

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