Aktualisiert 27.07.2017 16:36

Plötzlich arbeitslos

«Ich dachte, wer arbeiten will, findet auch einen Job»

Marko verlor unerwartet seine Stelle in einem Industriebetrieb. Nun ist der 25-Jährige seit mehreren Monaten auf Jobsuche. 20 Minuten erzählt er seine Geschichte.

von
F. Lindegger
1 / 6
Der Gang aufs Arbeitsamt fällt den meisten Leuten schwer. Den Job zu verlieren ist eine einschneidende Erfahrung.

Der Gang aufs Arbeitsamt fällt den meisten Leuten schwer. Den Job zu verlieren ist eine einschneidende Erfahrung.

Keystone/Martin Ruetschi
Viele Personen, die arbeitslos werden, melden sich allerdings gar nie auf einem RAV an.

Viele Personen, die arbeitslos werden, melden sich allerdings gar nie auf einem RAV an.

Keystone/Peter Klaunzer
Das sorgt dafür, dass die Arbeitslosenquote des Seco die tatsächliche Arbeitslosigkeit unterschätzt.

Das sorgt dafür, dass die Arbeitslosenquote des Seco die tatsächliche Arbeitslosigkeit unterschätzt.

Keystone/Peter Klaunzer

Aufstehen zwischen sieben und halb acht, frühstücken, online nach passenden Jobs suchen, Bewerbungen abschicken: Die Stellensuche ist für Marko* längst zum täglichen Ritual geworden. Rund 100 Bewerbungen hat der 25-Jährige seit November verschickt, mit einer Anstellung hat es bisher nicht geklappt. Das nagt am Selbstvertrauen: «Ich dachte immer, wer arbeiten will, findet auch einen Job.»

Bis zu seiner Entlassung im vergangenen November machte Marko eine klassische Schweizer Berufskarriere. Nach der obligatorischen Schulzeit absolviert er eine Lehre als Automechaniker. Mit dem Diplom in der Tasche wechselt der St. Galler den Arbeitgeber und arbeitet fortan als Mechaniker in einem Produktionsbetrieb mit mehreren Hundert Angestellten. Er repariert Maschinen und Anlagen an Gebäuden oder hält Gabelstapler in Schuss. Mit der Aussicht, im Unternehmen eine administrative Stelle anzutreten, beginnt Marko vor zweieinhalb Jahren eine Weiterbildung zum Technischen Kaufmann.

Weiterbildung als Hindernis

Kurz darauf verlagert sein Arbeitgeber, eine Firma im Rheintal, die Produktion innerhalb der Region. Rund 30 Angestellte verlieren ihre Stelle. Marko ist von der Massnahme nicht betroffen, für ihn ändert sich nur der Arbeitsplatz. Im vergangenen Herbst folgt eine zweite Welle mit Entlassungen. «Jeden Monat wurde fünf, sechs Mitarbeitern gekündigt», so Marko. Im November erhält auch er die Kündigung. Seine Weiterbildung sei dabei einer der Gründe gewesen: «Früher oder später bis du sowieso weg», hätten ihm die Vorgesetzten beschieden.

Marko meldete sich bei der Regionalen Arbeitsvermittlung (RAV) und gehört damit zu den insgesamt 133'603 registrierten Arbeitslosen in der Schweiz. Das RAV vermittelte ihm ein Praktikum als technischer Sachbearbeiter, das er zwischen Januar und Mai absolvierte. «Es war gut, wieder etwas in den Arbeitsalltag hineinzufinden. Ich bin es nicht gewohnt, zu Hause rumzusitzen», so Marko. Im April schloss er seine Weiterbildung zum Technischen Kaufmann ab.

Absage wegen ausländischen Namens

Trotz Weiterbildung hatte er bisher keinen Erfolg bei der Job-Suche. «Wenn man auf so viele Bewerbungen jedes Mal eine Absage erhält, macht man sich schon seine Gedanken», sagt Marko. Besonders enttäuscht sei er gewesen, als man ihm aufgrund seines Namens einen negativen Bescheid gegeben habe. «Das Vorstellungsgespräch lief gut, und der Geschäftsinhaber erklärte, dass er mich einstellen würde. Doch seine Frau wolle das nicht, da ich einen ausländischen Namen hätte», erzählt Marko in perfektem Schweizerdeutsch.

Mit dem Jobverlust sind auch finanzielle Einbussen verbunden. Vor rund einem Jahr kaufte Marko eine Wohnung. Fast die gesamten Ersparnisse seien da reingeflossen. «Die ständige Unsicherheit belastet.» Besonders, da seine Frau in wenigen Wochen ihr erstes Kind erwartet. «Eigentlich haben wir geplant, dass sie nach der Geburt des Kindes das Pensum auf 50 Prozent reduziert.» Nun muss das junge Paar seine Pläne überdenken.

*Name geändert

Serie Arbeitslos

Fast jeder fünfte Erwerbstätige in der Schweiz war laut Zahlen des Bundesamts für Statistik zu einem Zeitpunkt in den letzten fünf Jahren ohne Job – meist allerdings nur kurzfristig. 20 Minuten porträtiert in einer losen Serie Personen, die von Arbeitslosigkeit betroffen sind oder waren.

Fehler gefunden?Jetzt melden.