Aktualisiert 06.03.2010 22:13

Überfall auf Pokerturnier«Ich dachte zuerst an ein Erdbeben»

Filmreifer Überfall im Fünf-Sterne-Hotel: Mehrere bewaffnete Männer haben am Samstagnachmittag ein Pokerturnier im Berliner Luxushotel Grand Hyatt gestürmt. Ein Video zeigt, wie unter den Teilnehmern Panik ausbricht. Auch ein Schweizer Spieler hat den Überfall hautnah miterlebt.

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rje/whr

Es war 14.15 Uhr. im Hotel Grand Hyatt in Berlin ist das grösste Pokerturnier Deutschlands im Gange. Etwa 20 Spieler sind noch im Rennen um das Rekordpreisgeld von einer Million Euro für den Sieger. Aber auch diejenigen, die noch an den Tischen sitzen haben schon eine gute fünfstellige Summe sicher. An einem Tisch geht ein Spieler All-In und schiebt all seine Chips in die Mitte des Tisches. Als der Kartengeber vier von fünf Karten auf den Tisch gelegt hat, wird es chaotisch.

Einen dumpfen Knall gehört

«Ein Überfall», brüllt einer. Ein anderer: «runter, runter». Mehrere maskierte Täter sind schwer bewaffnet über den Seiteneingang ins Hotel gestürmt und wollen das Preisgeld sowie die Tageseinsätze rauben. Im Saal miterlebt hat die Massenpanik der Schweizer Stefan Huber, der noch im Rennen um die Million ist. «Ich habe einen dumpfen Knall gehört und dachte zuerst an ein Erdbeben oder so etwas», sagte er. Dann stürzte eine aufgebaute Stoffwand ein und alle sind aus dem Saal gestürmt – auch er. «Ich hatte keine Ahnung was passiert war, wir sind einfach durch den Hinterausgang geflüchtet».

Ein Maskierter mit einer Machete

Deutlich näher dabei war der österreichische Profispieler Erich Kollmann, der bei einem Nebenturnier im Einsatz war. «Ich habe Tumulte im Foyer gesehen, wie eine maskierte Person mit einer richtig vollen Tasche Geld flüchten wollte», so der Spieler. «Ein Security-Mann hat ihm die Tasche aus der Hand geschlagen und danach eine über bekommen». Anschliessend lag der Mann am Boden. «Ich wollte ihm helfen, sah dann aber eine andere maskierte Person mit einer Machete», so der Österreicher.

Polizei schweigt zur Höhe der Beute

Nach Angaben der Berliner Zeitung «B.Z.» erbeuteten die Täter 800 000 Euro indem sie die Einsätze von den Tischen einsammelten. Ein Polizeisprecher wollte am Abend aus ermittlungstaktischen Gründen nichts zur Höhe der Beute sagen. Auch die genaue Anzahl der Täter müsse noch ermittelt werden. Sie seien laut Augenzeugen mit Maschinenpistolen, Macheten und Handgranaten bewaffnet gewesen. Augenzeugen berichten laut «B.Z», dass aus einer Pumpgun mehrere Schüsse abgegeben worden seien.

Die Spieler befürchteten einen Amoklauf

Auf der Internet-Seite pokerfirma.de schildert ein Augenzeuge den Überfall und die Massenpanik: «Die Massenhysterie war bedingt durch den Glauben, es würde sich um einen Amoklauf handeln. Das wurde auch dadurch verstärkt, weil einer der Täter mehrfach rief: Wir haben eine Bombe.»

Genau der richtige Zeitpunkt

Der Überfall dürfte nicht von echten Profis beganngen worden sein, zumal sie keine Handschuhe trugen und ihr Fluchtweg nicht der cleverste war, nämlich durch ein Einkaufszentrum, welches voll sei mit Kameras, berichtet pokerfirma.de weiter. Sehr professionell sei aber der Zeitpunkt des Überfalls gewählt worden. Genau in dem Moment, als sich das Maximum des Tages in der Kasse befand und genau dann, als keines der Turniere Pause hatte. Es müsse also mindestens eine Person gegeben haben, welche seinen Komplizen ein Zeichen gegeben habe.

Ein schwarzer Tag in der Poker-Geschichte

Dadurch, dass sehr viele Blogger beim Turnier sind, verbreitete sich die Nachricht in Windeseile. Marc Gork, der 2009 bei der EPT in Dortmund den Finaltisch erreicht hatte, wird auf der Internetseite pokernews.com zitiert; «Schüsse, Raubüberfall, Massenpanik. Der schwärzeste Tag in der Geschichte des deutschen Pokers. Wahrscheinlich der grösste Alptraum bei einem Pokerevent, den die Welt bisher erlebt hat.»

(rje/whr/sda/dapd)

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