Oswald Grübel: «Ich denke nicht über einen Rücktritt nach»
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Oswald Grübel«Ich denke nicht über einen Rücktritt nach»

UBS-Chef Grübel fühlt sich nicht schuldig für den Milliardenverlust, den ein 31-jähriger Händler verursacht haben soll. «Das wird es in unserem Job immer geben», sagt er in einem Interview.

von
meg
UBS-Chef Oswald Grübel: «Wenn Sie mich fragen, ob ich mich schuldig fühle, dann sage ich Nein.»

UBS-Chef Oswald Grübel: «Wenn Sie mich fragen, ob ich mich schuldig fühle, dann sage ich Nein.»

Zwei Milliarden Dollar soll der 31-jährige UBS-Händler K.A. verzockt haben. Am Donnerstagmorgen um 3 Uhr wurde er verhaftet – und nur wenig später wurden die ersten Rücktrittsforderungen an die Adresse von UBS-Chef Oswald Grübel laut.

Doch der CEO hält nichts von den Rücktrittsforderungen, wie sie vor allem von SP-Politikern kommen: «Das ist rein politisch», sagt er in einem Interview mit der Zeitung «Der Sonntag». «Ich denke nicht über einen Rücktritt nach», so Grübel, um zu ergänzen, diese Frage sei «Sache des Verwaltungsrats». Weiter erklärt der UBS-Chef: «Wenn jemand mit krimineller Energie vorgeht, können Sie nichts machen. Das wird es in unserem Job immer geben.» Dennoch betont er, die Verantwortung liege bei ihm. «Ich habe die Verantwortung für alles, was in der Bank passiert», so Grübel. «Aber wenn Sie mich fragen, ob ich mich schuldig fühle, dann sage ich Nein.»

Angaben, wann er selber von dem 2-Milliarden-Verlust erfahren hat, macht Grübel keine: «In dem Zeitpunkt, wo wir es entdeckt haben», sagt er auf die entsprechende Frage bloss. Wie K. A. den gewaltigen Verlust verursachen konnte und warum sämtliche Kontrollmechanismen der UBS versagten, ist Gegenstand von Untersuchungen sowohl der britischen als auch der schweizerischen Finanzmarktaufsicht. Bei der UBS geht man nach wie vor von einem Einzeltäter aus.

Keine Alternative zu Grübel

Im Verwaltungsrat sowie bei wichtigen Grossaktionären wie dem Staatsfonds von Singapur geniesst Grübel aber offenbar weiter Unterstützung. Das sagte ein Mitglied des UBS-Verwaltungsrats der «NZZ am Sonntag». Eine Alternative zu Grübel sei nicht in Sicht. Klar sei aber, dass das Investment Banking immer noch zu gross sei und schrumpfen müsse, wie das Verwaltungsratsmitglied weiter sagte. Zur Debatte stehe eine «deutliche Reduktion».

Heute Sonntag wird die UBS mitteilen, wie hoch der Verlust tatsächlich ausfallen wird, der aufgrund der Geschäfte des Londoner Händlers entstanden ist. Bisher bezifferte die Bank den Fehlbetrag auf 2 Milliarden Dollar. Doch aus mit dem Vorfall vertrauten Kreisen ist zu vernehmen, dass die Kosten noch höher ausfallen werden, wie die «NZZ am Sonntag» schreibt. Bereits am Freitag hatte der UBS-Verwaltungsrat beschlossen, eine unabhängige Kommission einzusetzen und eine externe Prüfungsgesellschaft mit der Untersuchung der Vorfälle zu beauftragen.

Blocher will Investmentbanking verbieten

SVP-Vizepräsident Christoph Blocher fordert nach dem 2-Milliarden-Verlust der UBS, dass sich die Schweizer Geschäftsbanken auf ihr Stammgeschäft im Zahlungsverkehr, Vermögensverwaltung, Hypothekenfinanzierung und Geschäftskredite, beschränken. Im Interview mit der «SonntagsZeitung» sagte der SVP-Strategiechef: «Es muss ernsthaft geprüft werden, ob man den Geschäftsbanken das Investmentbanking verbieten sollte.»

Hintergrund für Blochers radikale Forderung ist die Tatsache, dass die von ihm und seiner SVP favorisierte Auftrennung der Grossbanken in verschiedene Geschäftsbereiche im Parlament bis jetzt keine Chance hat. «Wenn die Aufteilung politisch nicht durchkommt, wird man den Bundesrat beauftragen müssen, ein Verbot zu prüfen», kündigt Blocher an. Konkret hiesse das, dass sich die SVP nach der aktuellen Debatte im Parlament über die «Too big to fail»-Vorlage für ein Verbot engagieren würde. Dann zeichnet sich eine Allianz mit der SP ab, die am Freitag ebenfalls ein Verbot gefordert hatte. SP-Chef Christian Levrat und Blocher zeigen sich beide bereit für ein gemeinsames Vorgehen.

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