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Doktor Sex«Ich dürfte fremdgehen, schaffe es aber nicht!»

Linus ist verheiratet und bisexuell. Seine Frau gibt ihm einen sexuellen Freipass, aber er scheitert an seinem Gewissen.

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Dauernd von der eigenen Lust auf fremde Sexualpartner gequält zu werden, ist auf Dauer anstrengend. (Szene aus «L'inconnu du lac», Strand Releasing)

Dauernd von der eigenen Lust auf fremde Sexualpartner gequält zu werden, ist auf Dauer anstrengend. (Szene aus «L'inconnu du lac», Strand Releasing)

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Frage von Linus (34) an Doktor Sex: Ich bin bisexuell. Meine Frau weiss es zwar, aber sie kann nichts damit anfangen und versteht mich nicht. Sie erlaubt mir zwar, alles zu holen, was ich brauche, jedoch will sie nicht, dass ich ihr sage, wann und mit wem ich es tue. Nun ist es aber so, dass ich es einfach nicht schaffe. Jedes Mal, wenn ich das Bedürfnis verspüre, Sex mit einem Mann zu haben, klemme ich den Impuls, diese Lust in die Tat umzusetzen, sofort ab, weil ich danach meiner Frau gegenüber kein schlechtes Gewissen haben möchte. Eigentlich fühle ich mich in einer festen Partnerschaft wohl, aber ich sehne mich trotzdem nach sexuellen Kontakten mit anderen Männern. Wie kann ich aus diesem Dilemma herausfinden?

Antwort von Doktor Sex

Lieber Linus

Mit deiner Sehnsucht nach Sexualkontakten und der Not, die sich daraus ergibt, bist du nicht allein. Unabhängig von ihrer sexuellen Orientierung verspüren unzählige Männer und Frauen die Lust, mit mehr als einem Menschen Sex zu haben. Manche geben dieser irgendwann nach und vergnügen sich heimlich mit jemand anderem. Einige geben dafür sogar Geld aus. Andere legen ihre Sehnsucht nach fremder Haut offen und versuchen, im Gespräch mit dem Partner oder der Partnerin zu einer einvernehmlichen Lösung zu kommen. Nicht selten führt diese Konfrontation aber statt zur erhofften Einigung zu einer heftigen Beziehungskrise und immer wieder auch zur Trennung. Zu sehr ist in den Köpfen der meisten Menschen eingebrannt, dass sexuelle Treue die einzige Möglichkeit ist, mit der eine Beziehung Bestand haben kann.

Auch du scheinst an einer moralischen Konditionierung aus deiner Kindheit oder Jugend zu scheitern. Trotz des Freipasses deiner Frau schaffst du den Spagat zwischen Liebes- und Sexbeziehung nicht. Auffallend ist für mich, dass du deine Zurückhaltung mit dem schlechten Gewissen deiner Frau gegenüber begründest und überzeugt bist, dass sich dieses zwingend einstellen wird, wenn du deiner Lust nachgibst. Mir scheint, dass du hier unbewusst deine Frau als Stellvertreterin für eine Autorität aus deiner Vergangenheit verwendest und ein kindliches Verhaltensmuster wiederholst. Denn es besteht kein Anlass, einer Partnerin gegenüber, mit der du dich auf gleicher Ebene befindest und die dir unter nachvollziehbaren Bedingungen erlaubt, deine Neigung auszuleben, ein schlechtes Gewissen zu haben.

Ich empfehle dir, im Gespräch mit einer Fachperson deine moralischen Konditionierungen genauer unter die Lupe zu nehmen. In deinem Denken scheinen immer noch mentale Modelle aus der Kindheit zu bestehen, die dir nicht erlauben, dich als erwachsener Mann zu fühlen und frei zu entfalten.

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