Aktualisiert 11.06.2015 11:26

Opfer des Mainstreams

Ich, ein Hipster? Nenn mich Yuccie, du Normalo!

Sie sind kreativ, gründen Start-ups und tragen Bart: Nennt man sie Hipster, sind sie beleidigt. Ein New Yorker Hipster hat sich jetzt neu erfunden.

von
Julia Panknin
Der Yuccie ist kreativ wie ein Hipster und gebildet wie ein Yuppie. Er ist ein Digital Native, fährt Fixie und trägt Schnauz.

Der Yuccie ist kreativ wie ein Hipster und gebildet wie ein Yuppie. Er ist ein Digital Native, fährt Fixie und trägt Schnauz.

Dass der Hipster dem Mainstream zum Opfer gefallen sei, wird schon länger diskutiert. Ein New Yorker, David Infante, hat dem vermeintlichen Nachfolger nun einen Namen gegeben: Der Yuccie oder auch Young Urban Creative (junger kreativer Stadtbewohner).

Der Yuccie sei kreativ wie ein Hipster und gebildet wie ein Yuppie, schreibt Infante. Er ist ein Digital Native, fährt Fixie und trägt Bart oder Schnauz – alles bekannte Hipster-Eigenschaften. Gleichzeitig mag er es traditionell: Er investiert in gute Versicherungen und liebt es, sein Sparbuch zu füllen.

Der Yuccie will nicht, er tut es

Denn ein Yuccie entscheidet sich direkt nach dem Uni-Abschluss oder nach kurzem Leidensweg im 9-to-5-Job für den anderen, seinen ganz eigenen Weg: Er will keine Aufgaben für andere erledigen. Er will seine eigenen Träume verwirklichen – und davon leben können.

Infante stützt sich auf die Deloitte Study 2015 die belegt, dass 28% der Millenials davon überzeugt sind, dass sie ihre Talente in ihrem derzeitigen Beruf nicht voll ausschöpfen können. Ganze 66 Prozent würden gern ihr eigenes Business starten, heisst es auch in der zitierten Studie der Bentley University. Der Yuccie will aber nicht nur, er tut es, meint Infante.

Eigene Träume verwirklichen und dabei Kohle verdienen

Da ist der Typ mit der abgeschlossenen Banklehre in der Tasche, der sich als Social-Media-Manager selbstständig macht. Oder die junge Juristin, die plötzlich einen Online-Store für bunte Männersocken launcht.

Sein eigener Herr sein, eigene Ideen umsetzen und dabei Geld verdienen – das ist laut dem Autor der Traum des Yuccies. Der Yuccie wolle wissen, dass seine Ideen etwas taugten, ohne den Wert am Gehaltscheck zu messen. Er wolle erfolgreich tun, was ihm Spass mache, und dabei vielleicht ein kleines Bisschen Anerkennung für seine Kreativität und seinen Mut einheimsen.

Sind Hipster und Yuccie wirklich zwei Paar Schuhe?

Alles schön und gut. Doch wodurch unterscheidet sich der Yuccie wirklich vom modernen Hipster? Infante grenzt die beiden lediglich durch ein Detail ab: Der Yuccie trägt keine sichtbaren Tattoos. Er sagt jedoch nicht, dass Hipster nicht kreativ und gebildet oder sogar Start-up-Gründer sein können. Er kann auch nicht belegen, dass Hipster ohne Sparbuch oder Krankenversicherung durchs Leben gehen.

Es scheint, als wolle sich Infante selbst vom angeschlagenen Ruf des zum Mainstream verkommenen Individualisten entfernen. Letztendlich lässt er den Hipster sterben, nur um ihn als Yuccie ohne bunte Bildchen auf den Armen im nächsten Moment wiederauferstehen zu lassen.

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