20.01.2016 14:16

Moritz Bleibtreu

«Ich entschuldige mich oft bei meinem Sohn»

In der Verfilmung von Martin Suters «Die dunkle Seite des Mondes» spielt Moritz Bleibtreu einen Anwalt, der immer weiter in den Wahnsinn abdriftet.

von
Catharina Steiner

Moritz Bleibtreu, was haben Sie gedacht, als Sie das Drehbuch gelesen haben?

Ich habe mich gefreut, denn ich kannte den Roman und wusste schnell, dass ich das machen wollte. Denn das Kino wird immer mehr zu einer Art Erlebnispark. Die Möglichkeiten, Filme zu drehen, die eine gewisse Vielschichtigkeit und Härte haben, wird immer seltener.

Das ist für einen Schauspieler eine Wahnsinnsrolle. Wann kann man schon mal eine Katze erwürgen?

Ich bin eigentlich kein Schauspieler, der Filme nach Rollen aussucht. Mich interessiert das grosse Ganze. Deswegen habe ich auch nie aufgehört, Nebenrollen zu spielen.

Als Schauspieler haben Sie nur eine begrenzte Macht, ist der Frust so nicht vorprogrammiert?

Ich musste lernen, Teil einer Kette zu sein. Ich bin so gut wie das Ganze. Alles was ich tun kann, ist meine Figur auszufüllen. Dass am Ende ein guter Film daraus wird, das liegt nicht in meiner Verantwortung. Ich habe zum Beispiel «Die dunkle Seite des Mondes» noch gar nicht gesehen.

Warum wollen Sie Ihre eigenen Filme nicht sehen?

Das bin ja ich da oben auf der Leinwand, und das kann ich ganz schwer auf mich wirken lassen. Ich habe eine Idee von dem, was daraus werden könnte. Und wenn das fertige Produkt so gar nicht ist, was ich mir vorgestellt habe, dann laufe ich Gefahr, schlecht drauf zu sein.

Reizt es Sie dann nicht, auf die Filmemacherseite zu wechseln?

Ich bin ein sehr fauler Mensch. Das Leben ist so schön und man kann viele tolle Sachen machen. Ich werde mich sicher mal wieder als Regisseur ausprobieren, aber ich habe keine übersteigerten Ambitionen.

Glauben Sie, es gibt Menschen, die böse geboren werden?

Nein. Ich glaube, dass 99 Prozent der Menschen mit einem guten Herzen auf die Welt kommen. Ich bin Vater, ich kann das vielleicht auch ganz gut beobachten. Wenn man Kinder beachtet und ihnen keinen Schaden zuführt, sie mit Liebe und gesundem Menschenverstand zu starken Menschen erzieht, dann glaube ich nicht, dass die ausflippen und Leute umbringen.

Was macht Sie so richtig wütend?

Ich gebe mir grösste Mühe, mich nicht so aufzuregen. Früher war ich ein sehr jähzorniger Mensch, ich war schnell ungehalten. Seit ich älter bin, bin ich nicht mehr so aufbrausend. Aber ich muss mich mindestens einmal die Woche bei meinem Sohn entschuldigen, weil ich mich im Ton vergriffen habe.

Sie leben zurückgezogen. Muss man sich als Künstler ein bisschen Mysterium bewahren?

Es ist Geschmackssache, wie man leben will. Wenn einer sich selbst zu einem Kunstprojekt erklärt wie Shia LaBeouf, auch cool. Oder dass Kollegen gerne auf Veranstaltungen gehen und im Mittelpunkt stehen wollen, sehe ich nicht negativ. Jeder hat seine Art, damit umzugehen. Ich persönlich halte mich lieber abseits und versuche meine Filme für sich sprechen zu lassen.

Sie sind extrem gefragt. Sagen Sie Jobs der Familie zuliebe auch mal ab?

Ja, sicher. Ich versuche es so zu modulieren, dass genug Zeit für die Familie bleibt. Aber das ist ein grundsätzliches Problem bei dem Beruf. Schauspieler sein ist schwierig, wenn es um die Familie geht.

Geben Sie einem Projekt eher den Vorzug, wenn es ein internationales ist?

Es geht weniger darum als um die grossen Budgets. Das ist natürlich schön, auch mal zu sehen, wie Leute 200 Millionen für einen Film ausgeben. Das finde ich schon aus purer Neugierde reizvoll.

«Die dunkle Seite des Mondes» startet am 21. Januar in den Schweizer Kinos.

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