Ernährungsberaterin: «Ich erlebe oft Veganer, die einem Wahn nah sind»
Aktualisiert

Ernährungsberaterin«Ich erlebe oft Veganer, die einem Wahn nah sind»

Militante Fleischkonsumgegner sind auf dem Vormarsch. Experten erklären, warum.

von
B. Zanni
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Heute wimmle es nur so von Spezial-Essstilen, sagt der Ernährungswissenschaftler Uwe Knop. LowCarb, Paleo, Vegan, Detox und Clean-Eating seien die Spitze der selbsternannten Besser-Esser. «Klassisches Fast Food ist in diesen Kreisen verpönt, sodass das eine oder andere Plakat als Frustableiter herhalten muss.»

Heute wimmle es nur so von Spezial-Essstilen, sagt der Ernährungswissenschaftler Uwe Knop. LowCarb, Paleo, Vegan, Detox und Clean-Eating seien die Spitze der selbsternannten Besser-Esser. «Klassisches Fast Food ist in diesen Kreisen verpönt, sodass das eine oder andere Plakat als Frustableiter herhalten muss.»

Ramon Haindl
Viele Veganer würden ihren Ernährungsstil auf missionarische Weise vertreten, sagt die Ernährungsberaterin Sonja Ricke. «Leider erlebe ich oft Veganer, die einem Wahn sehr nahe sind.»

Viele Veganer würden ihren Ernährungsstil auf missionarische Weise vertreten, sagt die Ernährungsberaterin Sonja Ricke. «Leider erlebe ich oft Veganer, die einem Wahn sehr nahe sind.»

ricke.ch
Konsumpsychologe Christian Fichter: «Der Schweizer Konsument ist nicht mehr bereit, alles zu schlucken, was man ihm vorsetzt.» Dank dem Internet und dem Konsumentenschutz befasse sich nicht mehr nur die Elite mit dem Thema Ernährung. Die Konsumenten wollten sich nicht mehr von der Industrie täuschen lassen.

Konsumpsychologe Christian Fichter: «Der Schweizer Konsument ist nicht mehr bereit, alles zu schlucken, was man ihm vorsetzt.» Dank dem Internet und dem Konsumentenschutz befasse sich nicht mehr nur die Elite mit dem Thema Ernährung. Die Konsumenten wollten sich nicht mehr von der Industrie täuschen lassen.

zvg

Ernährungsfachleute beobachten, dass militante Kreise der Ernährungsindustrie zunehmend den Krieg erklären. Heute wimmle es nur so von Spezial-Essstilen, sagt Ernährungswissenschaftler Uwe Knop. LowCarb, Paleo, Vegan, Detox und Clean-Eating seien die Spitze der selbsternannten Besser-Esser. «Klassisches Fast Food ist in diesen Kreisen verpönt, sodass das eine oder andere Plakat als ‹Frustableiter› herhalten muss.»

Laut Knop gehört die Einstellung, das «böse, süchtig, dick und krank machende Fast Food zu bekämpfen» zum fundamentalistischen Rüstzeug und zur Daseinsberechtigung einer kulinarischen Gutmenschen-Diaspora.

Wütende Kunden

Viele Veganer würden ihren Ernährungsstil auf missionarische Weise vertreten, sagt Ernährungsberaterin Sonja Ricke. «Leider erlebe ich oft Veganer, die einem Wahn sehr nahe sind.» Solche Kunden hätten von ihr die Bestätigung erwartet, dass ihre Ernährung die beste sei. «Da ich ihnen diese nicht geben konnte, wurden sie wütend und warfen mir vor, ich sei gegenüber dem Leben nicht respektvoll und würde Tiere töten.» Um nicht noch mehr Öl ins Feuer zu giessen, habe sie sich diese Beratungen nicht mehr zu verrechnen getraut.

Auch Uwe Knop wurde schon angegriffen, passten seine Aussagen nicht in das Schema gewisser Kreise. «Dazu gehören Beschimpfungen und Drohungen übelster Art oder der absolut frei erfundene Vorwurf, ich würde von der Industrie bezahlt.» Auch gewisse Studien sind für die Besser-Esser ein rotes Tuch. «Ein Ergebnis, das besagte, Vegetarier seien häufiger krank, akzeptierten sie partout nicht.»

«Der Konsument will nicht mehr alles schlucken»

Der Konsumpsychologe Christian Fichter stellt fest, dass bestimmte Produkte oder Marken auf Facebook und Twitter zunehmend zu Hass-Zielen werden. Dazu würden Firmen zählen, die als Umweltsünder verschrien seien und ungesunde Produkte wie Chips, Schokolade, künstlich Gesüsstes oder übermässig Gesüsstes herstellen würden. Aber auch die Grossverteiler, die mit unsozialen Arbeitsbedingungen Schlagzeilen gemacht hätten, gerieten in den Fokus. Dahinter würden nicht nur militante Vertreter bestimmter Ernährungsstile stecken.

Woher kommt der Widerstand? Fichter: «Der Schweizer Konsument ist nicht mehr bereit, alles zu schlucken, was man ihm vorsetzt.» Dank dem Internet und dem Konsumentenschutz befasse sich nicht mehr nur die Elite mit dem Thema Ernährung. Die Konsumenten wollten sich nicht mehr von der Industrie täuschen lassen. «Dazu haben Produkte geführt, die als gesund beworben wurden, im Kleingedruckten aber genauso fettig und zuckrig waren wie offiziell ungesunde Produkte.»

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