Klassenlager abgebrochen: «Ich fand es nicht recht, die Polizei zu rufen»
Aktualisiert

Klassenlager abgebrochen«Ich fand es nicht recht, die Polizei zu rufen»

Ein Klassenlager im Tessin endet mit einem Polizeieinsatz und wird danach abgebrochen. Ein Oberwiler Schüler beschwichtigt: Es sei übertrieben gewesen, die Polizisten zu alarmieren.

von
jd /kom
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Dieser Screenshot stammt aus dem Chat der Oberwiler Sekundarschule.

Dieser Screenshot stammt aus dem Chat der Oberwiler Sekundarschule.

Screenshot Klassenchat
Ein Klassenlager einer Sekundarschule in Oberwil im Tessin musste abgebrochen werden.

Ein Klassenlager einer Sekundarschule in Oberwil im Tessin musste abgebrochen werden.

Roland Zumbühl/Picswiss
Wegen des «Auffindens grösserer Mengen von Alkohol» musste der Ausflug abgebrochen werden, so die Schulleiterin.

Wegen des «Auffindens grösserer Mengen von Alkohol» musste der Ausflug abgebrochen werden, so die Schulleiterin.

Keystone

Das Abschlusslager zweier Schulklassen aus Oberwil (BL) endete mit einem Polizeieinsatz. Danach wurden alle Schüler nach Hause geschickt.

In einem Statement, das die Sekundarschule Oberwil am Mittwoch auf ihrer Website aufgeschaltet hat, drückt sie ihr Bedauern aus, dass das Abschlusslager im Tessin am zweitletzten Tag abgebrochen wurde. Die Regelverstösse seien «derart gravierend» gewesen, dass die Lehrer keine andere Lösung gesehen hätten, als abzureisen, nachdem Alkoholvorräte in den Schlafräumen entdeckt wurden.

«Schliesslich haben sowohl die Jugendlichen wie auch ihre Eltern die diesbezügliche Vereinbarung unterschrieben», hält die Schulleitung fest. Die Schüler hätten den Alkohol nicht getrunken. Der Konsum habe durch das Einziehen der Alk-Vorräte verhindert werden können.

«Chat-Beiträge sind absolut nicht akzeptierbar»

Ein Schüler, der am Lager teilgenommen hatte, erklärt gegenüber 20 Minuten, dass er vom Polizeieinsatz nicht viel mitbekommen habe. Trotzdem meint er: «Ich fand es nicht gerechtfertigt, die Polizei zu rufen.»

Eine Mutter hatte gegenüber der «Basler Zeitung» kritisiert, dass die Erziehungsberechtigten keine Informationen erhalten hätten. Dies stellt die Schule in Abrede. Die Eltern seien rechtzeitig über den Abbruch informiert worden.

Auszüge aus internen Klassen-Chats gelangten nach dem Eklat im Tessin an die Öffentlichkeit. Diese Beiträge in den sozialen Medien verurteilt die Schule als «absolut nicht akzeptierbar». Die Lehrer hätten bereits vor dem Lager gewusst, dass in Chats sexistische und fragwürdige Inhalte ausgetauscht würden.

Dem widerspricht ein betroffener Schüler: «Vor dem Lager gab es bei uns keine Probleme mit miesen Beleidigungen in den Klassenchats», sagt er gegenüber 20 Minuten.

«Gravierender Fall»

Verhindern könnten sie den Austausch in den sozialen Medien jedoch nicht. «Die erwähnten Beiträge sind in privaten Foren veröffentlicht worden, für welche die Autoren Verantwortung übernehmen müssen. Wir dulden derartige Beiträge nicht», macht die Schule klar. Selbst wird sie aber nicht aktiv werden. In einem Brief ermunterte sie aber die Eltern die Autoren der fraglichen Chat-Inhalte anzuzeigen.

Trotzdem: Am Freitag nach der vorzeitigen Rückkehr habe die Schule den in solchen Fällen zuständigen Jugenddienst der Polizei Basel-Landschaft für Einsätze in beiden Klassen beigezogen, heisst es auf der Website der Schule.

Erfahrene und strenge Lehrerin

Wie es zur Eskalation kommen konnte, kann sich ein Insider aus dem Umfeld der Schule nicht erklären: «Die eine Lehrerin, die das Lager begleitet hat, arbeitet seit Jahrzehnten auf dem Beruf. Sie ist als eher streng bekannt. Es gibt aber wenig Lehrpersonen, von denen ich pädagogisch so viel halte, wie von ihr», sagt er.

Ihre Strenge ist auch bei den Schülern berüchtigt. Auf Instagram persifliert ein Account humoristisch den Hüslimatter Schulalltag mit Memes. Mindestens eines wurde auch besagter Klassenlehrerin gewidmet. Die Urheber betonen dabei stets: «Wir wollen mit unseren Memes niemanden beleidigen.»

Kein vergleichbarer Fall bekannt

Michael Weiss, Geschäftsführer und Vizepräsident des Lehrerinnen- und Lehrervereins Baselland bezeichnet die Geschehnisse als «gravierend». «Im schlimmsten Fall wird höchstens mal ein einzelner Schüler heimgeschickt», so Weiss. Ihm sei nicht bekannt, dass je ein ganzes Schullager von Lehrpersonen abgebrochen wurde, nachdem eine Klasse gegen Regeln verstossen hat.

Hast Du auf der Schul-Abschlussreise auch mal über die Stränge geschlagen? Berichte uns von deinem wildesten Klassenlager-Erlebnis.

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