PROZESS ÜBER TOTE VON ZEZIKON TG - «Zuhören zu müssen, wie sie über die Leiche meines Kindes sprechen»
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PROZESS ÜBER TOTE VON ZEZIKON TG«Zuhören zu müssen, wie sie über die Leiche meines Kindes sprechen»

Sie sollen Isabella T.* in einen Teppich eingerollt haben: Heute ist der zweite Tag des Prozesses gegen die drei Männer. Die Mutter des Opfers erzählt, was sie sich von der Urteilssprechung verspricht.

von
Dafina Eshrefi
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Violeta T.* trauert immer noch um ihre Tochter. Zum möglichen Urteil sagt die Mutter: «Diese vier Jahre Gefängnis, die von der Staatsanwaltschaft gefordert werden, sind nicht verhältnismässig»

Violeta T.* trauert immer noch um ihre Tochter. Zum möglichen Urteil sagt die Mutter: «Diese vier Jahre Gefängnis, die von der Staatsanwaltschaft gefordert werden, sind nicht verhältnismässig»

20min
Isabella T. (†20) wurde in einen Teppich gerollt und in einem Waldstück in Zezikon TG abgelegt.

Isabella T. (†20) wurde in einen Teppich gerollt und in einem Waldstück in Zezikon TG abgelegt.

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Die junge Frau wurde tot in einem Waldstück aufgefunden.

Die junge Frau wurde tot in einem Waldstück aufgefunden.

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Darum gehts

  • Vor drei Jahren wurde in einem Waldstück in Zezikon die Leiche von Isabella T.* (20) gefunden.

  • Am Freitag stehen drei Männer wegen Störung des Totenfriedens in Frauenfeld vor Gericht.

  • «Den Männern zuhören zu müssen, wie sie vor Gericht über die Leiche meines Kindes sprechen, war fast nicht auszuhalten», erzählt die Mutter über den ersten Tag der Gerichtsverhandlung Anfang Mai.

  • Die Obduktion ergab keine Hinweise auf eine Fremdeinwirkung, deshalb wurde die Untersuchung der vorsätzlichen Tötung und Unterlassung der Nothilfe eingestellt.

Am 25. Januar 2018 wurde im Waldstück «Wilderetobel» in Zezikon TG die Leiche der 20-jährigen Isabella T. aufgefunden – in einen Fransenteppich eingerollt und verschnürt. Fast drei Monate zuvor wurde die junge Frau von ihrer Familie als vermisst gemeldet. Drei Männer sollen ihre Leiche dort deponiert haben und sind nun wegen Störung des Totenfriedens angeklagt. Am Freitag findet der zweite und letzte Tag der Gerichtsverhandlung statt. Eine Untersuchung wegen vorsätzlicher Tötung wurde eingestellt, da keine Hinweise auf eine Fremdeinwirkung vorlagen.

Die Mutter glaubt den Angeklagten nicht

Für die Familie des Opfers war bereits der erste Tag der Verhandlung Anfang Mai eine grosse Belastung. Die Mutter von Isabella, Violeta T., erzählt: «Mein Mann und ich konnten mehrere Nächte danach nicht schlafen. Diesen drei Männern begegnen zu müssen war ein Stich mitten ins Herz.» Dass sich die Angeklagten in den Pausen unbeschwert mit ihren Anwälten unterhalten konnten, dabei eine Zigarette rauchen und lachen konnten, habe T. als blanken Hohn empfunden. «Den Männern zuhören zu müssen, wie sie vor Gericht über die Leiche meines Kindes sprechen, war fast nicht auszuhalten.» Sie verstehe nach wie vor nicht, weshalb man die Leiche einer jungen Frau einfach im Wald entsorge und nicht die Polizei rufe.

«Ich konnte mich nicht einmal gebührend verabschieden»

«Ich konnte mich nicht einmal von meinem Kind gebührend verabschieden, weil der Leichnam meiner Tochter nach über drei Monaten so verwest war.» Weder nehme Violeta T. dem Angeklagten ab, dass er für ihre Tochter gebetet habe, noch dem anderen, dass sich die Situation für ihn angefühlt hätte, als hätte er seine eigene Tochter zu Grabe geführt: «Meine Tochter wurde nicht zu Grabe geführt, sie wurde nackt in ein Tuch und einen Teppich eingewickelt und wie Müll im Wald entsorgt!»

Für Violeta T. und ihre Familie sei es klar, dass die Männer diese Schilderungen nicht ernst meinen. Hätten sie nur einen Funken Mitleid und Empathie gehabt, hätten sie die Behörden kontaktiert, sagt die Mutter. Auf die Frage, weshalb Isabella nackt im Bett vorgefunden wurde, hätte der Angeklagte keine Antwort gegeben.

Ob Violeta am Freitag bereits von Anfang an der Verhandlung beiwohnen werde, wisse sie noch nicht: «Unser Anwalt hat uns geraten, dass wir erst gegen Schluss dazustossen sollen, wenn das Urteil gesprochen wird.» Einerseits wolle sie den Angeklagten zwar nicht mehr begegnen, andererseits fühle sie sich jedoch verpflichtet, den ganzen Prozess vor Ort zu verfolgen.

«Die Schweiz ist nicht der Rechtsstaat, für den ich sie gehalten habe»

«Diese vier Jahre Gefängnis, die von der Staatsanwaltschaft gefordert werden, sind nicht verhältnismässig», sagt T.. Sie würde sich wünschen, dass der Fall ihrer Tochter verantwortliche Politikerinnen und Politiker dazu bewegen würde, die Gesetze für solche Straftaten massiv zu erhöhen. Die Schweiz sei nicht der Rechtsstaat, für den T. sie gehalten habe. Das sei ihr nach dieser Erfahrung klargeworden. Sie verspreche sich nicht viel vom Urteil, dennoch wünsche sie sich, dass die drei Männer die höchstmögliche Strafe erhalten.

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