Verpackungsfreier Supermarkt: «Ich frage mich, wie es mit Hygiene aussieht»
Aktualisiert

Verpackungsfreier Supermarkt«Ich frage mich, wie es mit Hygiene aussieht»

In Berlin wird bald ein verpackungsfreier Supermarkt eröffnet. Obwohl viele Leser die Idee toll finden, haben Sie Bedenken. Hier ausgewählte Meinungen sowie Antworten auf Fragen.

von
G. Hummel

Seit in diesem Artikel über das Projekt «Original Unverpackt» berichtet wurde, haben die Initiantinnen genug Geld zusammenbekommen, um ihren verpackungsfreien Supermarkt zu eröffnen. Nach nur zwei Tagen hatten sie die 45'000 Euro auf der Crowdfunding-Plattform Startnext.de zusammen. Mehr als 2500 Menschen haben das Projekt mit ihrem eigenen Geld unterstützt. Damit steht «Original Unverpackt» nichts mehr im Weg. Und nicht nur das: Bereits im Sommer soll der Supermarkt, der ganz ohne Verpackungen auskommen will, in Berlin eröffnet werden.

Der Konsument soll alles kaufen können

Die Idee ist nicht neu. Solche Läden gibt es beispielsweise bereits in Wien oder Kiel. Doch eigentlich ist auch dieser kein Pionier. Denn bis vor nicht allzu langer Zeit war diese Art des Einkaufens in der Schweiz völlig normal. Damals waren diese Lädeli bekannt als Tante-Emma-Läden, wie die Leser von 20 Minuten im Kommentarbereich berichten. So schreibt C. Bruner: «Dort konnte ich als Kind auch 90 Gramm Mehl kaufen – dies wurde abgewogen und in eine kleine Papiertüte oder in ein mitgebrachtes Glas abgefüllt.» Dasselbe Konzept, das «Original Unverpackt» anstrebt. Der Konsument soll alles kaufen können – nur eben genau so viel, wie er braucht. Die Produkte werden vor Ort in einen mitgebrachten oder gekauften Mehrwegbehälter gefüllt. Damit soll das Abfallproblem an der Wurzel gepackt und gelöst werden.

Leser Sandro fragt dabei auf der 20-Minuten-Facebook-Seite berechtigterweise: «Und wie wird es geliefert? Unverpackt auf dem Europalett oder wie?» Die Antwort darauf findet sich in diesem TV-Beitrag. Die Initiantinnen bauen dafür persönliche Beziehungen mit Lieferanten auf, die die Produkte in grossen Mehrwegsäcken anliefern. So wird auch auf dem Weg in den Supermarkt kein unnötiges Verpackungsmaterial benutzt: «Gerade die kleinen Biobauern sind sehr offen für solche Dinge», so eine der Macherinnen. Der Laden in Kiel löst dies laut seiner Website wie folgt: «Wir bestellen die Waren grundsätzlich in den grösstmöglichen Verpackungseinheiten. Erfreulicherweise haben wir den Grossteil der Ware in 25-kg-Gebinden bestellen können. Die Waren werden überwiegend in Papiersäcken angeliefert.»

Ähnlich wie ein Bier-Zapfhahn

Ganz überzeugt sind allerdings noch nicht alle 20-Minuten-Leser. Kevin: «Ich frage mich, wie es mit der Hygiene aussieht. Wenn da alles offen verkauft wird, wird es von jedem Kunden angefasst und das wäre schon etwas grusig.» Die Antwort findet sich auf der Website von «Original Unverpackt»: «Ganz einfach. Die Lebensmittel werden in so genannten Bulk Bins aufbewahrt und können mit einfachsten Mitteln in die selbst mitgebrachten Behältnisse umgefüllt werden.» Das funktioniert ähnlich wie ein Bier-Zapfhahn. Und das Beste daran: Man kauft nur das, was man auch wirklich braucht.

Auch Leserin Anja findet das super, denn sie wohnt allein: «Damit kann die gewünschte Menge besser erreicht werden und man wirft so auch weniger weg.» Ein weiteres Argument kommt von den Lesern «Fan» und «Monique». Sie finden daran nichts Unhygienisches, denn beim Bauern oder auf dem Markt werden die Produkte schliesslich nicht anders verkauft.

Ein weiteres Problem sehen die Leser in den möglichen Wartezeiten. Irina: «Die Leute regen sich doch schon auf, wenn sie nur mal fünf Minuten an der Kasse anstehen müssen.» Dies lässt sich wohl nur mit der Prise einer Tugend lösen: Geduld. Und die sollte man bereit sein aufzubringen, wenn dafür markant weniger Abfall produziert wird.

«Gute Idee!»

Trotz aller Bedenken lässt sich allerdings sagen, dass ein sehr grosser Teil der Leser ihren Kommentar mit «Das ist eine gute Idee» begonnen haben. Auch wenn sie noch nicht ganz überzeugt sind, so würde ein Grossteil diese Art des Einkaufens zumindest testen, wenn es in der Schweiz diese Möglichkeit gäbe. Und das ist schon einmal ein Schritt in die richtige Richtung. Ganz im Sinne davon, wie es bei «Original Unverpackt» auf der Website steht: «Das ist erst der Anfang vom Ende des Verpackungswahns. Kleine Ideen verändern die Welt, aber nur, wenn man sie auch wachsen lässt.»

Alle Kommentare zum Thema lesen Sie im Anschluss. Und da es in der Schweiz noch keinen solchen Supermarkt gibt, finden Sie in der Bildstrecke Tipps zur Abfallvermeidung im Alltag. Haben Sie auch noch welche? Dann teilen Sie diese im Talkback!

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