Aktualisiert 23.06.2015 17:08

Ramadan«Ich fress mich nicht durch die Nacht»

Partyveranstater Alen ist in der Schweiz geboren und aufgewachsen. Wie es ist, als Secondo dem Fastenmonat Ramadan zu preisen, erzählt er hier.

von
Maja Zivadinovic

In meiner Brust schlagen zwei Herzen. Ursprünglich stamme ich aus Bosnien, geboren bin ich in der Schweiz. Im Alltag lebe ich sehr schweizerisch. Das, obwohl ich praktizierender Moslem bin. Jetzt nicht all zu krass. Ich trinke Alkohol, bete nicht täglich fünf Mal Richtung Mekka. Während des Ramadans aber bin ich konsequent. Der Fastenmonat ist mir sehr wichtig. Während 30 Tagen esse und trinke ich zwischen Sonnenaufgang und Sonnenuntergang nichts. Die Zähne putze ich, nur das Wasser, das ich dabei nutze, darf ich nicht runterschlucken. Ich hab das Glück, dass ich nicht rauche. Denn auch für Zigaretten gilt: tagsüber wird nicht geraucht. Letzten Donnerstag startete der diesjährige Ramadan. Wann dieser beginnt, hängt vom Mondkalender ab. Im Sommer ist der Ramadan härter, zumal die Tage länger sind.

Wie gesund ist es, den ganzen Tag kein Wasser zu trinken?

Letzten Donnerstag begann der diesjährige Ramadan. Erstaunlicherweise fühle ich mich hervorragend. Normalerweise sind die ersten Tage die härtesten. Gestern Nacht stand ich um halb drei auf, um Nudeln zu essen. Die meisten denken, dass wir Moslems, kaum ist die Sonne untergegangen, reinhauen. Das stimmt nicht. Man mag erstaunlicherweise gar nicht so viel essen. Im Gegenteil. Ich fresse nicht die ganze Nacht rein. Darum geht es sowieso nicht.

Der Sinn des Ramadans liegt darin, Gott näher zu kommen und an die zu denken, die nichts zu essen und zu trinken haben. Natürlich haben meine Schweizer Kollegen recht, wenn sie sagen, dass es nicht gesund sein kann, den ganzen Tag kein Wasser zu trinken. Mir ist das bewusst. Aber ich ziehs durch. Es gibt viele Arme, die nicht mal die Option haben, Wasser zu trinken. In Gedanken an sie fällt mir der Verzicht einfach.

Unterstützung von Schweizer Freundin

Ich bin seit zehn Jahren mit meiner Schweizer Freundin zusammen. Seit ein paar Jahren wohnen wir unter einem Dach. Dass sie nicht Moslem ist, ist für mich okay. Dass sie am Wochenende mitfastet und mich beim Kochen und Einkaufen unterstützt, bedeutet mir sehr viel. Allgemein finde ich es schön, dass mich mein Schweizer Freundeskreis unterstützt und respektiert. Auch schätze ich das Körpergefühl, das sich während des Ramadans einstellt. Wenn du fastest, reinigst du deinen Körper. Ich fühle mich wie neugeboren. Auch das Ritual, in der Nacht mit Familie und Freunde zu essen und zu trinken erachte ich als sehr schön. Diese Momente sind mir auch wichtiger als der Ausgang.

Ich habe mir vorgenommen, während des Ramadans nicht all zu gross in den Ausgang zu gehen und nicht zu trinken. Verbieten tu ich mir Alkohol aber nicht. Wenn der Moment und die Gesellschaft stimmt, ist ein Drink okay. Dass ich ohne kann, hab ich mir dieses Jahr schon einmal bewiesen; ich hab einen Monat auf Alkohol verzichtet. Zusammenfassend kann ich sagen, dass es mir leicht fällt, während des Ramadans in der Schweizer Konsumgesellschaft konsequent zu sein. Ich weiss ja, wofür ich das tue. Für Gott, die Armen und mich.

Deine Meinung

Fehler gefunden?Jetzt melden.